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Ministerpräsidentin will Pflege stärken

Ministerpräsidentin will Pflege stärken

Viele Gäste waren zum Neujahrsempfang des Uniklinikums nach Homburg gekommen. Darunter auch die Ministerpräsidentin.

Wer beim Neujahrsempfang am Uniklinikum noch gefehlt hat, war der Musiker Bob Dylan. Nachdem der Kaufmännische Direkor Ulrich Kerle ihn in seiner Rede öfter erwähnt hatte, wünschte man sich förmlich, Dylans arrogant näselnde Stimme zu hören, begleitet von seiner quietschenden Mundharmonika. So wie vor 50 Jahren, als die Welt angeblich noch besser war.

Ulrich Kerle hob aber nicht den Musiker Dylan, sondern den Litertaur-Nobelpreisträger hervor. Und zitierte ihn mit dem Satz: "Ein Mensch ist erfolgreich, wenn er morgens aufsteht und nachts ins Bett geht und dazwischen das tut, was ihm gefällt." Aber wer kann das schon von sich behaupten? Zumal die Welt seit Dylans legendären Auftritten in den 60er und 70er Jahren nicht sicherer geworden ist.

"Es passiert so viel", sagte Kerle: Kriege, Flüchtlinge, Säbelgerassel und Terror - Unwägbarkeiten, die die Menschen verunsicherten. Man könne, so Kerles Schlussfolgerung, die Welt damit ein bisschen besser machen, dass man in seinem eigenen Umfeld versuche, alles so gut wie möglich zu gestalten. Dazu gehöre auch der Gesundheitsbereich. Der Idealzustand sei folgender Dialog zwischen Patient und Arzt: "Ich habe ein gesundheitliches Problem, wann kann ich kommen?" "Kommen Sie sofort".

Leider entspreche dies nicht der Wirklichkeit. Aber man arbeite daran: "Die Messlatte hängt hoch."

Auch ein paar Zahlen gab es zum Neujahrsempfang: Das saarländische Universitätsklinikum habe ein Einzugsgebiet von rund zwei Millionen Menschen, 150 000 Patienten wurden stationär behandelt, das Uniklinikum machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 450 Millionen Euro Umsatz.

Da der Ärztliche Direktor, Professor Bernhard Schick, wegen Krankheit verhindert war, sprang für ihn der Dekan der medizinischen Fakultät, Professor Michael Menger, ein. Er behielt das Motto bei, das Schick für die Neujahrsansprache vorbereitet hatte: "Miteinander Zukunft gestalten".

Professor Menger, der bei seinen Reden nie einen Zettel braucht, schilderte ebenso sachlich wie locker, was sich im vergangenen Jahr alles getan hat - und vor allem, was noch kommt. Worauf er sich besonders freut: das neue Hörsaalgebäude. Es sei Lehrgebäude, Bibliothek, PC-Raum in einem, dazu Treffpunkt für 300 Personen im Foyer und biete 560 Hörsaal-Plätze. Sogar ein "Übungshospital" ist darin untergebracht, mit zwei nachgebauten OP's, einem Kreißsaal, Intensivstationen und einem "Kathastrophenraum", bei dem man üben könne "zu operieren, wenn drumherum die Bomben fallen."

Mengers leidenschaftlicher Appell richtete sich am Ende seiner Rede an die jungen Leute, "unseren Nachwuchs, den wir hier nicht nur ausbilden, sondern vor allem halten wollen." Das Leben und das Studium in Homburg sollten Spaß machen, "damit wir unsere erstklassigen Ärzte und Wissenschaftler behalten. Die sollen hier bei uns bleiben."

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer hörte es gerne. Sie war zum Neujahrsempfang gekommen, um Grußworte zu überbringen, aber auch, um ihren Standpunkt klar zu machen. Daran, dass es das Saarland enorme Anstrengung koste, das Uniklinikum finanziell zu stemmen, ließ sie keinen Zweifel: "Wir wollen eine bestmögliche Versorgung für unsere Bürger, diesem Ziel dienen alle Baumaßnahmen, die vom Land mitfinanziert werden. Und selbstverständlich wollen wir unsere hier ausgebildeten Ärztinnen und Ärzte im Land behalten".

Scherzhaft fügte sie hinzu, dass Studenten sich öfter darüber beklagten, dass in Homburg "ein aufregendes und spannendes Nachtleben fehle". Aber was sei schon ein Nachtleben gegenüber den Forschungsergebnissen, die man tagsüber erbringe? "Die Landesregierung ist bereit, die anstehenden Forschungsgebäude zu unterstützen."

Doch am Montag abend machte die Ministerpräsidentin deutlich, um was es ihr diesmal ging: "Die ärztlich Versorgung ist das eine, aber die Pflege ist uns genauso wichtig." Patienten wollten umsorgt werden: "Niemand will nicht von einem Pflegeroboter der Generation 4.0 betreut werden." Die Pflege müsse gestärkt werden, "man muss da mehr Geld ins System pumpen, sonst geht's nicht." Das Personal müsse aufgestockt werden, "und auch die Kassen dürfen sich da nicht aus der Verantwortung stehlen."

 Der Kaufmännische Direktor des Uniklinikums, Ulrich Kerle, zitierte in seiner Begrüßungsrede den Nobelpreisträger Bob Dylan.
Der Kaufmännische Direktor des Uniklinikums, Ulrich Kerle, zitierte in seiner Begrüßungsrede den Nobelpreisträger Bob Dylan.

Vor allem im zwischenmenschlichen Bereich zwischen Patient und Pfleger dürfe der Beruf nicht nur Belastung sein, sondern müsse Freude machen. Mit dieser Botschaft leitete Annegret Kramp-Karrenbauer dann zum geselligen Teil des Abends über. Emeritierte Professoren waren gekommen und freuten sich aufs Gespräch mit ehemaligen Kollegen, Politiker aus Stadt und Land trafen auf Freunde und Bekannte aus dem Klinikum. Noch bis spät in die Abendstungen saßen die Besucher bei den Klängen der Uni Big Band zusammen.