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Traditionsgeschäft schließt Ende des Monats: Metzgerei Roth verabschiedet sich

Traditionsgeschäft schließt Ende des Monats : Metzgerei Roth verabschiedet sich

Das Homburger Fachgeschäft, dessen Qualität über die Grenzen hinaus geschätzt wurde, schließt Ende des Monats.

Am Samstag, 30. September, wird es von 11 bis 14 Uhr noch ein kleines Abschiedsfest in der St. Michael-Straße in Homburg geben, dann schließt die Metzgerei Roth für immer ihre Pforten. Sogar Vegetarier dürften den Weggang dieser Feinschmecker-Institution betrauern, denn Ulrike Roth und ihr Team hatten in ihrer reichhaltigen Theke nicht nur Fleisch- und Wurstwaren, sondern auch Käse im Angebot, ebenso wie frisch gekochtes Gemüse, fleischlose Nudelgerichte und Quiche Lorraine.

Seit 19 Jahren gibt es die Metzgerei Roth im St.-Michaels-Geschäftshaus in der Innenstadt, ein Magnet, der Kunden aus der ganzen Region anzog und immer für Betriebsamkeit sorgte. Nun hat sich Ulrike Roth entschlossen, einen Schlussstrich zu ziehen.

Dafür gab es mehrere Gründe. Zum einen war es der Tod ihres Mannes vor vier Jahren, der eine wichtige Stütze des Geschäfts war: „Nach dessen Tod ging es nahtlos weiter, nur, dass ich dann die Verantwortung allein tragen musste“, sagt Ulrike Roth, „die Kunden haben es nicht gemerkt, aber es war für mich schon eine große Mehrbelastung.“

Dass man in einem Metzgereibetrieb um vier Uhr morgens aufsteht und bis spät abends auf den Beinen ist, will Ulrike Roth nicht besonders hoch hängen: „Das ist nun mal so, das hat mich aber noch nie groß gestört“. Sie komme selbst aus einer Saarbrücker Metzgerei-Familie: „Von da kenne ich es ja auch nicht anders.“

So leid es ihr und vor allem ihren Angestellten tut, nach 19 Jahren „Adieu“ zu sagen, so wenig hing Ulrike Roth am Ende an den Räumlichkeiten, die, so sagt sie, „längst hätten erneuert werden müssen.“ Da ihr Mietvertrag mit dem 30. September ausläuft, war für sie der Punkt gekommen, an dem sie ihn nicht mehr verlängern wollte.

Das Schaufenster, die Böden, die Küche im hinteren Bereich — nichts habe mehr dem entsprochen, was man sich heute unter einer modernen Metzgerei vorstelle: „Vieles stammt noch aus den 70er- Jahren. Brandschutz, Arbeitssicherheitsbestimmungen, die Lagerräume für Lebensmittel, die Kühlhäuser — das ist alles nach den neuesten Bestimmungen gar nicht mehr zulässig und müsste auf den heutigen Stand gebracht werden.“

Gleichzeitig mit der Metzgerei Roth schließt auch das Gemüsegeschäft gegenüber. Einen Nachmieter für die 180 Quadratmeter große Geschäftsfläche gibt es nach Ulrike Roths Informationen nicht, „obwohl der Standort hier mitten in der Stadt sehr begehrt ist.“ So wird die riesige Verkaufsfläche vorerst wohl leer stehen.

Nun ist das hervorragende Fleisch, das in der Metzgerei Roth verkauft wurde, die eine Sache, die man noch verschmerzen könnte, aber  die andere Sache ist das handwerkliche Können, das nun auch verloren geht, denn die Würste, die Pasteten, die selbst gemachte Sülze – all das war das Herz der Metzgerei und der Grund, warum das Fachgeschäft mehrmals vom Feinschmecker-Magazin ausgezeichnet worden ist. Diese Auszeichnungen seien zwar ein „sehr schönes Kompliment“ gewesen, sagt Ulrike Roth, „aber die Aufgabe einer Metzgerei ist es vielmehr, den Kunden auch im Alltag immer gleichbleibend gute Qualität anzubieten.“ Es seien immer mal wieder Kunden vorbeigekommen, die das „Feinschmecker“-Magazin gelesen hatten, der Großteil ihrer Kunden seien aber schon immer Homburger gewesen, so Ulrike Roth.

Und so möchte sie hier nicht ganz die Segel streichen, denn sie plant, zusammen mit ihrer Schwester Anette einen Pastetenbetrieb zu eröffnen, sogar einen französischen Namen hat sie sich schon ausgedacht: „Les Delicesoeurs“, die delikaten Schwestern. „Das ist derzeit in der Planung, zumal wir ja noch den Betrieb in Beeden haben.“ Das ist eine Geschäftstätigkeit, die sich Ulrike Roth noch gut vorstellen kann: „Ich stelle künftig unsere Pasteten und unseren Jambon persillé mit meiner Schwester zusammen her und verkaufe die Ware in guten Metzgereigeschäften oder in Saarbrücken auf dem Markt vor der Ludwigskirche.“

Als „gebürtige Saarbrückerin“ kehre sie damit wieder zu ihren Wurzeln zurück. Was ihr außerdem noch sehr wichtig war: „Meine Damen haben alle sofort einen Vertrag in einer anderen Metzgerei bekommen. Sie waren überall willkommen.“

Trotzdem falle es ihr schwer, sich von der Metzgerei Roth zu trennen, sagt Sabrina Zorn. Sie ist, zusammen mit Tatjana Herz, nun schon 14 Jahre dabei: „Da fällt der Abschied schwer, vor allem auch von den Kunden, die man fast alle kennt.“ Man wird die netten Fachverkäuferinnen aber in der Region wiedertreffen, wenn man in inhabergeführten Metzgereien einkauft.