Metzgerei in Blieskastel macht dicht

Aus für Filiale in der Von-der-Leyen-Straße : Traditionsmetzgerei in Blieskastel musste schließen

Ein Grund für das Aus der Filiale: Menschen zu finden, die im Metzger-Handwerk arbeiten möchten.

Es ist schon eine echte Zäsur am Samstagmittag. Seit diesem Zeitpunkt gibt es die Metzgerei in der Von-der-Leyen-Straße in Blieskastel nicht mehr. „Das tut weh“, sagt die Firmenchefin. Wir treffen Ulrike Ziegler und ihren Ehemann Franz-Josef am Stammsitz in Erbach. Hier haben sich vor der Theke sich gerade acht Kunden versammelt, die Fleisch- und Wurstliebhaber geben sich die Klinke in die Hand.

Und in Blieskastel? Da kam einiges an Schwierigkeiten zusammen. Man konnte es seit Wochen schon an der Eingangstür lesen. Dass wegen Personalmangels mittags geschlossen bleibt. Leute zu finden, die im Metzger-Handwerk arbeiten möchten, das sei mittlerweile sehr schwierig, sagt die Firmenchefin. Als sie anfing mit der Lehre 1976, da habe es noch drei Klassen gegeben mit jeweils etwa 25 Schülerinnen und Schülern. Und heute? Tröpfelt es, man könne die Azubis an einer Hand abzählen. Und dann springen, so die 57-Jährige, auch immer wieder welche ab, um sich einem anderen beruflichen Metier zuzuwenden. Die junge Generation, an die sei kaum noch heranzukommen: „Handwerklich viel und schwer zu schaffen, das ist nicht mehr gefragt.“ Und das Personal in ihrem Alter, so die 57-Jährige, sei gesundheitlich oft angeschlagen.

2005 eröffnete das Ehepaar Ziegler die Filiale in Blieskastel. Das Metzger-Handwerk hat aber in dem 1780 errichteten Haus in sehr zentraler Lage eine sehr viel längere Geschichte. Im Gespräch mit Doris Jung (76), Eigentümerin der Immobilie, erfahren wir, dass schon der Urgroßvater ihres Mannes hier Fleischwaren und Wurst herstellte und verkaufte.

Das Ehepaar Ziegler vor seinem Stammsitz in Erbach. Foto: mh

Und nun geht mal wieder eine Ära zu Ende. Ulrike Ziegler erwähnt auch das Problem der fehlenden Parkplätze in unmittelbarer Nähe. Und sie spricht von den großen Geschäften in der Umgebung, die den alteingesessenen Händlern preislich die Luft abschnürten. Indes sei in Erbach festzustellen, dass sich mehr und mehr ganz junge Kunden im Laden einfinden, weil sie auf Qualität setzten.

Sehr schwer fällt es dem Ehepaar Ziegler, fünf Verkäuferinnen, eine Küchenhilfe und eine Reinigungskraft entlassen zu müssen. Doch was soll man tun, wenn es sich nicht mehr lohnt? Ein Vertreter, der bei ihnen ein und ausgeht, habe erzählt, dass im Saarland, in Rheinland-Pfalz und Luxemburg in den vergangenen 17 Jahren 150 Metzgereien hätten dicht machen müssen. Und das Sterben innerhalb der Branche gehe weiter.

Zum guten Schluss gibt es da noch ein dickes Kompliment für die Herrschaften vor der Theke: „Unsere Kunden sind klasse.“ In Blieskastel aber musste man sie an diesem Samstagmittag schweren Herzens verlassen.

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