Metal-Festival im Musikpark Homburg

Metal-Festival in Homburg : Harte Töne an der Homburger Entenmühle

Der Veranstalter hatte ein gutes Händchen mit der Bandauswahl beim Heavy-Festival am Samstagabend im Musikpark Homburg.

„Pure Heavy Rock“ mit Johnboy aus St. Ingbert, „Neue Deutsche Härte“ mit Erzengel aus Mannheim und heftig-derber Hard-Rock mit den Nitrogods aus Hannover: Bei der dritten Auflage des Hard ´n Heavy-Festivals „Epiphany Thunderstorm“ im Homburger Musikpark am vergangenen Samstagabend gab‘s ordentlich was auf die Ohren. Dabei gestaltete sich das Festival für Macher Achim Müller und sein Team von der Homburger Kulturgesellschaft ein bisschen anders als eigentlich gedacht. Grund dafür war die krankheitsbedingte Absage der Band Ape Shifter. Für die schaffte es als „Ersatz“ kurzfristig Erzengel ins Line-Up. Dass das wirklich gut gewählt war, das sollte der Abend zeigen.

Los ging es aber mit den Quasi-Lokalmatadoren von Johnboy. In der klassischen Rock-Dreier-Besetzung aus Gitarre, Bass und Schlagzeug präsentierte die Band auch Songs aus ihrer für den 31. Januar angekündigten, neuen Scheibe „Momentum“. Und was Johnboy in Person von Dom (Gitarre, Gesang), Tobi (Schlagzeug) und Addi (Bass, Gesang) von der Bühne aus aufs Publikum eindonnern ließen, das konnte sich hören lassen. Schnörkellos, ohne dabei simpel zu sein, gab es Heavy Rock wahrlich pur. Und das mit einer ordentlichen Portion Humor – samt einer Ankündigung von Dom zum neuen Album, mit einem deutlichen Augenzwinkern: „Wir haben ganz hart angestrebt, Platz 99 der Albumcharts zu erreichen. Da könnt Ihr Euch knallhart miteinbringen. Und wenn wir das gemeinsam hinkriegen, dann gibt’s im nächsten Jahr ein Konzert hier umsonst. Und irgendwas geben wir umsonst raus. Freier Eintritt und freies Oettinger-Bier“. Na, vielleicht kommt ja auch eine bekannte Homburger Brauerei auf die Idee, hier als Sponsor aktiv zu werden – wenn die Verkaufszahlen Johnboys neue Scheibe „Momentum“ tatsächlich mindestens auf den Platz 99 der deutschen Album-Verkaufscharts katapultieren.

Nach dieser charmant-witzigen Verkaufsförderung gab‘s dann den Titeltrack des Albums. Und der konnte sich hören lassen: Knallhart, direkt ins Blut, genau der Stoff, aus dem Hard & Heavy zusammengeschweißt sein müssen. Rock, Hard Rock und Metal sind tot? Diese immer wieder gerne bemühte „Schlagzeile“ ist ein Quatsch. Gitarren-Musik lebt, auf großen Festivals, auf kleinen Bühnen – auch quicklebendig gehalten von Bands wie Johnboy.

Zwischen diesem gelungenen Opening und dem Auftritt der Epiphany-Thunderstorm-Veteranen Nitrogods (die waren schon im vergangenen Jahr am Start) lag die Überraschung des Abends: Erzengel aus Mannheim. Das Genre: Neue Deutsche Härte (NDH), vereinfacht beschrieben als Metal & Hardrock mit deutschen Texten und Einflüssen anderer Stile. Als prominentester Vertreter dieser Musikrichung kann man wohl Rammstein nennen. Charakteristisch für dieses Genre gilt die Verbindung klassischer Hardcore-Instrumentierung mit Gitarre, Bass und Schlagzeug zusammen mit Synthesizer-Elementen und einer gewissen Portion Theatralik. Doch über diese Grundelemente hinaus hat die NDH viele Facetten entwickelt und zahlreiche andere Musikstile in Teilen adaptiert.

Die Erzengel Marcus (Gesang), Mike (Leadgitarre), Jörg (Gitarre) und Lars (Schlagzeug) nun brachten diese Richtung unwiderstehlich auf die Bühne des Musikparks. Dabei prägte vor allem Marcus Beringer mit seinem Gesang den Auftritt: Klar akzentuiert, treibend, mystisch und mit mehr als einen Hauch des Zeremonienmeisters sorgte er, eingekleidet von Jörg Schei (der als Texter und Songwriter auch Gesangsparts übernahm) an der einen Gitarre, Mike Habel an der anderen und Lars Hannemann am Schlagzeug für geniale Bühnenmomente.

Der Abschluss gehörte dann den Nitrogods mit Henny Wolter (Gitarre), Oimel Larcher (Bass und Gesang) und Klaus Sperling (Schlagzeug). Die hatten schon 2019 beim zweiten Epiphany Thunderstorm für ordentlich Headbanging-Feeling gesorgt, das sollte sich am Samstag nicht ändern.

Erzengel aus Mannheim sorgte für Neue Deutsche Härte im Homburger Musikpark. Foto: Thorsten Wolf

Dass die Instrumental-Rocker von Ape Shifter hatten absagen müssen, könnte vielleicht den einen oder anderen enttäuscht haben – doch mit der kurzfristigen Nachverpflichtung von Erzengel hatte Achim Müller das richtige Kaninchen aus dem Hut gezaubert. Und er hatte gleich noch einen Vorgeschmack auf den 1. Februar geliefert. Dann wird Erzengel beim Rough-andTough-Festival im Musikpark mit Herzlos, Veiled Eyes erneut Neue Deutsche Härte zeigen.