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Menschenkette in Homburg als Protest gegen geplanten Jobabbau

Registrierungspflichtiger Inhalt: Jobabbau bei Großfirmen in Homburg : Eindrucksvolles Einstehen für Arbeitsplätze

1500 Mitarbeiter der drei Industrie-Betriebe Schaeffler, Bosch-Rexroth und Casar kamen zu einer Menschenkette zusammen.

. Insgesamt sollen rund 500 Arbeitsplätze bei Bosch-Rexroth und bei Schaeffler in Homburg sowie beim Casar Drahseilwerk in Limbach abgebaut werden. Dies haben die zuständigen Firmenleitungen und das Management angekündigt. Bei Bosch-Rexroth mit zur Zeit 550 Mitarbeitern in den Sparten Industriehydraulik und Mobilhydraulik, stehen nach der geplanten Verlagerung der gesamten Sparte Industriehydraulik ins bayrische Mutterwerk nach Lohr, rund 155 Arbeitsplätze auf der Kippe. Bei Schaeffler sollen in Homburg sogar 292 Arbeitsplätze abgebaut werden. 18 betriebsbedingte Kündigungen wurden vom Management des Casar Drahseilwerks angekündigt.

Mit einer ein Kilometer langen Menschenkette, die die Werke Bosch-Rexroth und Schaeffler in Homburg verband, demonstrierten gestern Nachmittag nach Ende der Frühschicht über 1500 Mitarbeiter der drei genannten Unternehmen gegen den drohenden Abbau der Arbeitsplätze. Die Idee zu dieser Art Demonstration hatte die IG Metall Geschäftsstelle Homburg/ Saarpfalz in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat der drei genannten Firmen. ,,Die Aktion haben wir kurzfristig innerhalb von zwei Wochen organisiert, nachdem die Pläne des Stellenabbaus wegen Standortschließungen von Schaeffler und Bosch-Rexroth sowie bei Casar bekannt wurden“, so Viktor Koslow, Mitarbeiter der IG Metall in Homburg. ,,Wir wollen diese massiven Verluste von Arbeitsplätzen nicht so hinnehmen und hoffen, dass wir die Firmen-Managements und Leitungen sensibilisieren, dass es nicht so einfach geht.“ So sieht es auch Frank Kreutz aus Bliesen, Betriebsratsmitglied bei Bosch. Er zeigte sich in der ,,Menschenkette“ solidarisch mit vielen seiner Kollegen. ,,Ich bin seit 33 Jahren bei Bosch. Es geht bei unserer Aktion auch darum, dass wir ein Zeichen für unsere Region und für unseren Standort Homburg setzen. Die Menschen müssen im Mittelpunkt unserer Gesellschaft stehen, nicht der reine Profit der Unternehmen.“

Seit zehn Jahren arbeitet Marco Jung aus Herschweiler-Pettersheim bei Schaeffler. ,,Es geht uns alle an. Jeden Arbeitsplatz gilt es zu erhalten. Ich hoffe, dass wir mit dieser Aktion ein Zeichen setzen, dass es so nicht geht.“ Über 20 Jahre steht Brigittte Peter bei Schaeffler in Lohn und Brot. ,,Ich finde, dass man für alles eine Lösung finden kann. Auch für unsere Arbeitsplätze. Mit der vorgefertigten Lösung, einfach Standorte zu schließen und Arbeitsplätze zu verlagern, kann man nicht einverstanden sein. Änderungen kann es immer wieder geben. Aber so einfach, wie es bei Schaeffler gemacht wird, kann es nicht gehen“, so die Verwaltungsangestellte. Schon seit 42 Jahren ist Horst Lindenblatt bei Schaeffler beschäftigt. ,,Klar, will ich noch als Arbeitnehmer bei Schaeffler in sieben Jahren in Rente gehen.“ Er sieht die Chance, dass diese Aktion die Arbeitsplätze bei seinem Unternehmen in Homburg erhalten könnte, bei 50 Prozent: ,,So einfach können wir uns das nicht gefallen lassen.“

Beate Adamaszek aus Mörsbach ist seit 23 Jahren Laborantin bei Bosch. ,,Wir zeigen uns alle solidarisch und ich hoffe, dass wir gemeinsam Erfolg gegen den Abbau der Arbeitsplätze in den drei Unternehmen haben.“

Im Technischen Maschineneinkauf bei Bosch-Rexroth ist Bernhard Käufling seit 1975 schon beschäftigt. ,,Es geht darum, dass unsere jungen Mitarbeiter und auch die Auszubildenden eine Zukunft bei Bosch-Rexroth haben. Der Standort Homburg muss weiter eine Perspektive für die Mitarbeiter bieten“, so der Blieskasteler.

Auch der Kreistag stellt sich mit einer Resolution hinter die Beschäftigten von Bosch-Rexroth, Schaeffler und Casar. In der Sitzung am Montag gab es bei der Abstimmung eine Enthaltung. Im Text fordert der Kreistag, dass die Leitungen der betroffenen Firmen von geplanten Werksschließungen Abstand nehmen sollten, stattdessen sollen sie auf Zukunftskonzepte setzen, die Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Osteuropa aussetzen. Die deutschen Standorte sollten durch die Ansiedlung neuer Produkte gestärkt werden. SPD-Fraktionschef Esra Limbacher sagte: „Wir wollen nicht mitmachen, die Industrie hier schlecht zu reden oder gar zu verteufeln.“ Stefan Funck von der CDU machte deutlich, man dürfe keine falsche Hoffnungen wecken, was solche Resolutionen bewegen könnten: „Wir sollten sie nur ganz sparsam einsetzen.“ Ralph Rouget von den Grünen bemerkte, dass die betroffenen Firmen kapitalstark genug seien, um die Arbeitsplätze in der Region zu erhalten. > Bericht folgt