Max Uthoff begeistert im Saalbau in Homburg

Satire-Show : Nachdenkliche Töne von Max Uthoff

Mit seinem Soloprogramm „Moskauer Hunde“ begeisterte der Kabarettist am Samstagabend fast 400 Zuhörer im Saalbau. Wortgewandt und süffisant legte er die Finger in politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Wunden.

„Was wollen Sie eigentlich von mir?“ fragt die Stimme auf der dunklen Saalbau-Bühne aus dem Off. „Ja, es gibt sehr viele Dinge, die überhaupt keinen Sinn machen, sich aber sehr gut verkaufen. So viele Widersprüche in sich“, bestätigt die Stimme wenige Sätze später. Dann, endlich, flammt das Licht auf und die knapp 400 Besucher erleben Max Uthoff im Handytelefonat. Noch am Telefon zieht der Kabarettist, der auch aus der ZDF-Satire-Sendung „Die Anstalt“ bekannt ist, die politischen Parteien durch den Kakao und erntet Szenenapplaus. Böse, zynisch und zugleich unterhaltsam legt er zwei Stunden lang in seinem aktuellen Soloprogramm „Moskauer Hunde“ seine Finger in die Wunden.

Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen bewegen ihn - und er damit in intelligenten Wortspielen und ausgefeilten Provokationen sein Publikum. „Sie wollten sich einen schönen Abend machen? Das wird Sie enttäuschen“, prophezeit er und verspricht „die wichtige Erfahrung: Sie bekommen nicht immer, wofür Sie bezahlt haben!“

Der 1967 geborene Kabarettist trat zum wiederholten Mal im Rahmen der Jubiläumsreihe der St. Ingberter Kleinkunst als „Special Guest“ auf: ausgelagert in den Saalbau statt auf der kleinen Bühne des SoHo. Blockweise widmete er sich aktuellen wie zeitlosen Themen. „Die Frage ist nicht wichtig. Die Antwort hat nichts mit der Frage zu tun“, zitierte er unter großem Gelächter Bundeskanzlerin Angela Merkel.

„Die Vertreter des Volkes sind nur die Vertreter ihrer eigenen Interessen“, prangerte er an. „Das Geheimnis des Erfolges: Wer ihn vortäuschen kann, ist ein gemachter Mann.“ Ebenso unsinnig fand er, „Kindern zu verbieten, sich für ihr Überleben einzusetzen“, etwa mit der Demonstration für den Klimaschutz. Immer wieder wechselte er die Perspektive für die Zuschauer: bald stand oder ging er umher, in der nächsten Szene saß er im Scheinwerferlicht auf seinem Stuhl, um, wieder gehend, das angefangene Thema erneut aufzunehmen.

Politische Fehlleistungen, aber auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen schnitt er an, gerne im Dialog mit sich selbst, in wechselnden Dialekten von Sächsisch bis Österreichisch oder gar auf Finnisch. Immer wieder flocht er witzige Anekdoten über Hunde und ihre Besitzer ein. Etwa über den extrem schnarchenden Mops. „Der Hund ist der beste Freund des Menschen“, erstaunte er sich über eine Beziehung, in der einer der Partner unterwürfig, nach Zuwendung lechzend, den Wünschen seines Herren folgt. Auch das Thema Vorurteile zog sich wie ein roter Faden durch den facettenreichen Auftritt. „Die neuen Medien bekommen nur Kraft, weil hier permanent jemand oder etwas bewertet wird“, karikiert er das „Liken“.

Der Wurf mit der Münze teilte den Saal willkürlich in den wohlhabenden Norden der Erdhalbkugel mit allen Wohlstandsländern und die ausgebeuteten Staaten auf der Südhälfte. Schmerzhaft verdeutlichte Uthoff an Beispielen, wie sehr sich die Nordstaaten bereichern, indem sie für ihren Konsum die Menschen der südlichen Länder ausbeuten, ohne Rücksicht auf Leib und Leben oder Kinderarbeit. „Für unsere Bedürfnisse nach einem neuen Handy krepieren im Kongo Menschen“, provozierte er zornig. Wir produzierten Katzenfutter in endlosen Geschmacksrichtungen, während auf der Welt Menschen verhungerten. Max Uthoff fürchtet: „Jede Form der Veränderung wird nur vermieden, weil man sonst einen Fehler der Vergangenheit eingestehen müsste.“ Vielleicht sei der Kauf eines Fair-Trade-Produkts eine Form der Auflehnung, inspirierte er zu möglichen Verbesserungen. Doch dies sei den Deutschen im Durchschnitt lediglich 1,70 Euro im Monat wert. Er gab zu: „Mich verwirren viele Dinge!“

Er habe entdeckt: „Freiheit bedeutet Verzicht!“. So hätten sich die zunehmende Masse der Moskauer Hunde wieder zu Rudeln zusammen geschlossen und organisierten ihr Futter selbst. Wenn ein Mensch sie streichele, wedelten sie nicht mehr mit dem Schwanz. Begeisterungspiffe, Fußtrampeln und stehender Applaus belohnten den Künstler für seine Darbietung.

Die Journalistin Barbara Hartmann besitzt ein Abo für die St. Ingberter Kleinkunst. Sie findet: „Max Uthoff hat mit vielem recht, was er sagt und lädt zur Selbstreflexion ein“. Doch es sei schwierig, das eigene Verhalten zu verändern. „Es gibt eine Wahnsinnsdiskrepanz zwischen dem, was wir sagen und was wir tun. Unsere Gesellschaft ist total verlogen“, räumt Robert Dietrich aus Saarbrücken ein. Lebensgefährtin Silke Schulze-Aust aus Luxemburg liebt Uthoffs „hoch anspruchsvolle Wortakrobatik, mit der er Bewusstsein weckt“. Er beobachte genial und bringe Dinge süffisant auf den Punkt.