Interview mit Markus Heitz : Tödliche Tannenbäume und Trio-Lesungen

Der Homburger Schriftsteller Markus Heitz vereint in seinem Buch „Tannenbaum des Todes“ schwarzhumorige Weihnachts-geschichten, die in Zweibrücken entstanden sind. Am 8. April ist er mit zwei prominenten Kollegen auf Lesetour in Neunkirchen.

Auch wenn „die Zwerge“ schon länger ruhen: Langweilig wird dem Einöder Phantastik-Schriftsteller Markus Heitz wahrlich nicht. Auf der Frankfurter Buchmesse stellte er sein Buch „Doors“ vor, zu Weihnachten hat er „Tannenbaum des Todes“ veröffentlicht, und bald ist er auch wieder live zu sehen: am 8. April ist er zusammen mit den Schriftsteller-Kollegen Kai Meyer und Bernhard Hennen in Neunkirchen im Rahmen der „Meister der Phantastik“-Tour zu Gast. Was die Fans dort erwartet, was sich unter dem „Tannenbaum des Todes“ verbirgt und an was Heitz sonst gerade arbeitet, hat er im Interview verraten.

Herr Heitz, beginnen wir mit der „Meister der Phantastik“-Tour.  Was ist der Gedanke hinter dieser Tour?

Die Phantastik ist ja bekannt, und Buchhandlung-Lesungen machen wir alle. Es geht darum, einen neuen Rahmen zu finden, ein neues Publikum, ein bisschen mehr Außenwirkung für die Sparte  zu generieren. Deshalb haben wir uns einen Booker genommen, also jemanden, der normalerweise Konzerte und sonstige Veranstaltungen macht, der aber mit Lesungen nichts zu tun hat. Für den ist das auch das erste Mal. Und der hat auch Locations angefragt, die nicht so alltäglich sind. Es sind Theatersäle dabei, Kirchen dabei, Varietés und Kabaretts. Und das sind schöne Locations, wo man die Phantastik nochmal besser und anders präsentieren kann. Die Verlage unterstützen uns, indem sie Werbung machen.

Wie kamen Sie auf Kai Meyer und Bernhard Hennen?

Die ganze Phantastik-Szene kennt sich. Die alten Hasen – wir kennen uns seit den 2000ern. Dann haben wir uns überlegt: was ist für einen Booker interessant und was für die Fans? Aktuell sind wir die, die am bekanntesten sind. Ich freue mich immer, wenn Newcomer hochschießen - und es wäre auch okay, wenn sie an uns vorbeizögen, weil das ein Zeichen wäre, dass die Fantasy wieder richtig schön durchstartet. Aber wir sind aktuell die bekanntesten in der ganzen Riege, Wolfgang Hohlbein lasse ich bewusst außen vor, weil er eine Generation voran ist. Er ist natürlich im Gesamten erfolgreicher als wir, aber wir drei sind praktisch zur gleichen Zeit gestartet. Deswegen haben wir uns gesagt: Lass uns mal losmarschieren.

In der Neunkircher Gebläsehalle gab es ja auch schon Inszenierungen.

Genau, da hatten wir schon die Zwerge live und der Fluch des Drachen, das war alles mit dabei.

Was erhoffen Sie sich von der Dreier-Kombination?

Für uns ist es das erste Mal, dass wir als Trio vorlesen. Jeder steht für eine gewisse Art der Phantastik, wir schreiben ja nicht alle das Gleiche. Wir sind zwar alle in der Phantastik unterwegs, aber jeder hat so seinen eigenen Bereich und seine eigenen Einstelllungen und seine eigene Persönlichkeit. Das wird es auf der Bühne noch interessanter machen. Wir gehen nicht hin, lesen aus den Büchern vor und gehen wieder nach Hause, sondern wir diskutieren über Dinge, gehen auf Fragen, Einwürfe, Hinweise aus dem Publikum ein. Das Ganze wird eine lebendige Veranstaltung, es wird keine Wasserglasveranstaltung, sondern schon so, dass man auch was zu lachen hat.

Sie sitzen aber schon zu dritt nebeneinander, jeder liest…

Wir haben eine Moderatorin mit dabei, weil drei Männer auf der Bühne und Moderator – nee. Wir haben sehr kompetente Frauen, wir haben uns Kathleen Weise mitgenommen, die selber Autorin ist, sie moderiert auch sehr viel. Und sie sorgt dafür, dass wir uns auf der Bühne benehmen, stellt aber auch die entsprechenden Fragen, dass das lustig und interessant wird. Jeder von uns hat nach bisheriger Planung zehn Minuten Leseblock, danach wird so ein bisschen interviewt und dann kommt die große Feuer-Frei-Abteilung ans Publikum. Da kann man Fragen stellen, wir müssen noch gucken, ob wir die Fragen vorher aufschreiben lassen oder ob wir das wirklich vor Ort machen. Das hängt davon ab, wie wir das so planen. Aber Publikumsbeteiligung ist sehr gewünscht. Sich vorne hinsetzen, lesen, rausgehen – das braucht kein Mensch.

Wissen Sie schon, aus was Sie lesen?

Nächstes Jahr um die Zeit, wenn wir auf Tour gehen, wird der erste Band von „Die Meisterin“ auf den Markt kommen. Das wird das aktuellste, neueste Werk sein. „Die Meisterin“ ist die Romanumsetzung einer Hörspielserie, die bei Audible entstanden ist. Da ich weiß, dass manche Leute die Hörspiele zwar gerne haben, aber noch lieber selber lesen, habe ich damals die Druckrechte behalten und gesagt, für die Leute die lieber lesen, machen wir noch die Romane dazu. Die erscheinen im nächsten Jahr.

Wieviele haben Sie da geplant?

Drei – dann ist Feierabend  (lacht). Ist tatsächlich so, das ist abgeschlossen. Der erste Band erscheint im März, der zweite im Herbst, der dritte im Frühjahr 2021, also im Halbjahresabstand – alle im Knaur-Verlag.

Kommen wir zu dem gerade noch aktuelleren Weihnachtsbuch „Der Tannenbaum des Todes“. Wie kam die Idee dazu zustande?

Seit elf oder zwölf Jahren mache ich in Zweibrücken im alten Bahnhof eine Veranstaltung, die „böse Weihnachtslesung“. Da gibt’s immer drei Gänge und drei Geschichten. Da haben sich jedes Jahr drei, vier Geschichten angesammelt, die sonst nirgends erschienen sind. Und weil irgendwann die Leute immer drängender gefragt haben, wo sie diese herkriegen, habe ich gedacht: Komm, jetzt hauen wir die mal raus! Wir haben hinten drin extra die Menüs der letzten Jahre, die Weine der letzten Jahre. Man kann sich dann praktisch nicht nur die ganzen Geschichten reinhauen, sondern man hat auch direkt eine Inspiration für das Weihnachtsmenü.

Es geht also darum, wie man mit dem Weihnachtsmenü jemanden abmurksen kann?

So eine Geschichte ist auch mit drin, ja. Die Veranstaltung geht so drei, vier Stunden, da gibt’s Gang eins, dann gibt’s ne Kurzgeschichte und so weiter, immer im Wechsel, sodass du immer was zu essen und was zu lachen hast. Wir warten aber, bis alle mit dem essen fertig sind, sonst wird’s unschön. Die Geschichten selber sind sehr abstrus. Es gibt einen ADAC-Typen, der plötzlich zum Rentierschlitten des Niklolaus gerufen wird und erst sehr irritiert ist, weil er nicht weiß, was er machen soll. Es gibt eine verwunschene Christbaumkugel, die jedem Elend bringt. Es geht um Kinder, die die Weihnachtsgeschichte neu interpretieren, es geht um die heiligen Könige, die ursprünglich aber viel mehr waren als drei, was mit den anderen passiert ist, erfährt man sonst nie. Es geht um Dramen beim Christbaumkauf, also die Bandbreite, was schiefgehen kann bei Weihnachten, das ist alles mit drin. Es ist nicht sehr besinnlich, sondern schon böse und fies, aber auch witzig.

Ist das in Zweibrücken immer öffentlich?

Ja, ja, das Problem ist, der alte Bahnhof hat eine Mailingliste, und darüber wird zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Mail rausgeschickt: jetzt reservieren. Und dann muss man anrufen. Und die Veranstaltung ist innerhalb von zehn, 20 Minuten ausverkauft. Wir haben auch gesagt, wir machen das bewusst nur einmal. Wir könnten die Veranstaltung dreimal machen und hätten immer volles Haus, das wollen aber Willi, der Wirt vom alten Bahnhof, und ich absichtlich nicht. Wir machen auch extra keine Werbung, sonst hätten wir noch ein viel größeres Problem.

Was ist sonst an neuen Projekten noch geplant?

Aktuell mal gar nichts. Ich überlege so vor mich hin. Es gibt da einige Ideen,  die muss ich erstmal strukturieren und gucken, was als Nächstes dran wäre. Für mich ist immer entscheidend, wo habe ich den meisten Spaß, was drängt mich am meisten. Das ist immer ein guter Garant dafür, dass es was wird. Natürlich könnte ich eine Fortsetzung von „Wedora“ schreiben oder von „Die dunklen Lande“. Aber das will ich grad nicht. Da zieht nix. Klar, es ist auch Handwerk, und ich komme vom Journalismus. Artikel schreiben, auf die man eigentlich keine Lust hat – klar, geht das. Aber beim Roman, solange ich mir das aussuchen kann, wäre ich ja blöd, wenn ich dagegen handeln würde.

Haben Sie auch Ideen für etwas Neues im Bereich Science-Fiction?

Markus Heitz ist nächstes Jahr mit Bernhard Hennen und Kai Meyer (von links) in der Stummschen Reithalle in Neunkirchen zu Gast. Die drei Phantastik-Autoren setzen bei der Trio-Lesung auf Teamplay. Foto: Kulturgesells haft/Diverse

Ich habe lustigerweise gerade ein altes Manuskript rausgekramt, das habe ich noch handschriftlich geschrieben. 1997 habe ich da, glaube ich, angefangen aufzuschreiben. Wenn ich das jetzt rausbringen würde, wäre ich komplett im Trend. Es hat aber weder was mit „Collector“ zu tun noch mit „Justifiers“.  Aber dazu habe ich gerade keine Zeit. Es gibt so ein, zwei Filmsachen, wo ich mit Produzenten grad spreche, wobei da nie was spruchreif ist, solange nichts unterschrieben ist. Wenn ich das Go bekäme, würde ich was im Filmbereich machen, weil ich das noch nie gemacht habe. Eine Verfilmung oder eine Neuentwicklung.