Mannlich-Gymnasium im Aufwind

Homburg. Die Beliebtheit von weiterführenden Schulen hängt von vielen Faktoren ab: Schwerpunkte, Räumlichkeiten, Nachmittagsbetreuung. In diesem Jahr wurden die Anmeldungszahlen mit Spannung erwartet, weil erstmals die Empfehlungen der Grundschullehrer wegfielen. Also lag es ganz bei den Eltern, welche Schule sie für ihr Kind auswählten

Homburg. Die Beliebtheit von weiterführenden Schulen hängt von vielen Faktoren ab: Schwerpunkte, Räumlichkeiten, Nachmittagsbetreuung. In diesem Jahr wurden die Anmeldungszahlen mit Spannung erwartet, weil erstmals die Empfehlungen der Grundschullehrer wegfielen. Also lag es ganz bei den Eltern, welche Schule sie für ihr Kind auswählten. Daraus ergab sich, dass in diesem Jahr 24 Kinder mehr aufs Gymnasium gehen als noch im vergangenen Jahr. Und wohin genau gehen sie? Offensichtlich verstärkt aufs Mannlich-Gymnasium, das mit 119 Kindern den Anmelde-Rekord innerhalb der Kreisstadt für sich verbuchen konnte. "Wir hatten gehofft, vierzügig zu werden", sagt der Schulleiter Wolfram Peters, "nun sind wir es tatsächlich". Auch landesweit sei der Sprung von 79 (in 2009) auf 119 Kinder bemerkenswert. "Wir haben viel Werbung gemacht, ich habe persönlich die Grundschulen besucht und auch verstärkt Kinder mit Migrationshintergrund angesprochen." Auch der Schwerpunkt Englisch von Anfang habe viele Eltern überzeugt, sagt Peters. Zufrieden ist auch Jürgen Helwig, der Direktor des Saarpfalz-Gymnasiums. "Wir haben sechs Schüler mehr als vor einem Jahr", informiert er, "das heißt, dass Eltern und Kinder uns nach wie vor vertrauen." Er führt die konstanten Anmeldezahlen auf den beliebten Informatik- und Naturwissenschafts-Zweig zurück, "aber auch die Tatsache, dass wir den Schülern verstärkt Hilfe geben, damit sie den Übergang aufs Gymnasium gut bewältigen, wird honoriert." Am Gymnasium Johanneum gehen die Schülerzahlen erstmals deutlich zurück. Die Schule nimmt in diesem Jahr 97 Kinder auf. Die Direktorin Eva-Maria Wenzel-Staudt ist aber zufrieden, dass sich auch diesmal wieder vier Klassen bilden lassen: "Jede dieser Schulklassen hat einen unserer speziellen Schwerpunkte. Wir bekommen in diesem Jahr eine Lateinklasse, eine bilinguale Französisch-Klasse, eine klassische Französisch-Klasse und unsere Sport-Förderklasse zusammen". Gerne angenommen werde auch die Nachmittagsbetreuung, das Silentium. Für die Direktorin war ausschlaggebend, "das gute Niveau der Schule" zu halten: "Da es keine Empfehlungen mehr gab, haben wir uns die Zeugnisse und die Entwicklungsberichte sehr genau angesehen, damit wir die gleichen Auswahl-Kriterien anwenden konnten wie auch in den Jahren davor." Getroffen hat es die Gesamtschule Bexbach, die diesmal nur 75 Anmeldungen verbuchen kann, das sind 45 Kinder weniger als noch vor einem Jahr. Schulleiterin Gaby Schwartz war dennoch optimistisch: "Die Eltern, die diesmal die Gesamtschule gewählt haben, sind von unserem Konzept und unserer guten Arbeit überzeugt." Dass vom Wegfall der Empfehlung in erster Linie die Gymnasien profitieren würden, hat die Schulleiterin kommen sehen: "Ich sage aber immer zu den Eltern: Hören Sie auf die Einschätzung der Grundschullehrer." Sie rechnet damit, "dass wir in den Klassen sechs und sieben dann wohl viele Rückläufe bekommen - Kinder, die dann von anderen Schulen in unsere Englischklasse wollen. Aber die ist jetzt schon voll." Meinung

Kein falscher Ehrgeiz

Von SZ-RedakteurinChristine Maack Die Einschulungszahlen sind für die Schulen auch immer ein Gradmesser ihrer Beliebtheit und ihres Ansehens. Diesmal kam noch hinzu, dass die Empfehlungen wegfielen. Das hat offensichtlich mehrere Eltern bewogen, das Gymnasium zu favorisieren. Das sind zum Teil auch Schüler, die nunmehr der Gesamtschule in Bexbach fehlen. Man darf bei aller Vorliebe fürs Gymnasium aber nicht vergessen, dass das Schulsystem im Saarland durchlässig ist. Alle Kinder können es nach oben schaffen, wenn sie wollen; Schulzweige zum Abitur gibt es genug. Das ist allemal besser, als mit großen Hoffnungen zu starten und dann enttäuscht zu werden. Eltern sollten bedenken, dass Kindern Spaß haben sollten beim Lernen - zumindest noch in der fünften Klasse. Ernst wird es früh genug.

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