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Malerin Jutta Bettinger lebt und arbeitet in Homburg

Malerin Jutta Bettinger : Von Stierkampf bis „Lost Places“

Malerin Jutta Bettinger aus Homburg verarbeitet in ihren Bildern gerne verschiedene Materialien und probiert neue Techniken aus.

Die Malerin Jutta Bettinger wird 1961 in Homburg geboren. Ihre erste Ausbildung hat sie als Krankenschwester gemacht und ist bis heute noch in ihrem Beruf tätig. Auf die Frage, wie sie zur Malerei kam, antwortet sie: „Durch Zufall, ich habe einen Kurs in Aktzeichnen gemacht. Dieser erweckte in mir ein Talent und den Wunsch, das zu vertiefen.“ Es folgen mehrere Kurse und der regelmäßige Besuch einer Malschule in Saarbrücken - mit dem Ziel ein Kunststudium zu absolvieren.

1999 bewirbt sie sich an der Hochschule für Bildende Kunst in Saarbrücken im Fachbereich Freie Malerei. „Ich hatte Glück, dass ich mit 38 Jahren noch zum Studium zugelassen wurde. Zu verdanken habe ich das meinem damaligen Professor Bodo Baumgarten, er bevorzugte es, ältere Studenten in seiner Klasse aufzunehmen.“

Die alleinerziehende Mutter einer zehnjährigen Tochter studiert und arbeitet halbtags als Krankenschwester. „Ein Mammutprogramm“, sagt sie, „aber man nimmt einige Hürden in Kauf, wenn man ein Ziel vor Augen hat“. Ihr Diplom in Freier Malerei macht sie 2004 bei Baumgarten. Nach dem Studium kommt erstmals die Frage auf: „Was mache ich jetzt?“ Wieder hilft ihr der Zufall weiter. In der „Ateliergemeinschaft Mozartstraße“ in Saarbrücken fällt ihr ein Bildband der Camargue in die Hände. Darin sind Stiere abgebildet – Auslöser für eine sechsjährige Schaffensphase mit dem Thema „Stierkampf", eine Auseinandersetzung mit dem Tod und dem Töten in der Arena. „Nein, ich bin kein Freund des Stierkampfes, es ist Tierquälerei“, sagt die Künstlerin. Dennoch gebe es auch positive Aspekte: Die Stiere lebten bis zum Kampf in der Arena sechs Jahre auf einer Weide, hätten somit ein besseres Leben als unser Schlachtvieh.

Am Anfang dieser Schaffensphase sind die Farben Rot und Schwarz noch dominant. Mit der Serie „Vanitas orange“ erweitert die Künstlerin das Farbenspektrum. „Das macht es dem Betrachter optisch leichter, sich dem Thema Stierkampf zu nähern. Da ist er nicht mehr mit dem blutigen Rot konfrontiert.“

2010 wechselt das Thema zu der Werkserie „Ich und Du“. Hier geht es um menschliche Beziehungen. Bettinger malt Personen meist ohne erkennbare Gesichtszüge und von androgyner Gestalt. „Ich mache oft einen Spagat zwischen figurativer und abstrakter Malerei.“

Der Anlass für das nächste Thema „Landscape" („Landschaft“) ist die Bewerbung zur Ausstellung in der städtischen Galerie Saalbau. Gleichzeitig kommt es zur Anwendung von neuen Materialien. Sie benutzt zum Beispiel Bitumen, Lacke, Sand, Eisenpulver und Beize. Diese neue Werkserie wird überwiegend auf die Leinwand oder die Faserplatte geschüttet und am vertikalen Bild verarbeitet. Die Landschaften sind ein Synonym für Gefühle und Sehnsucht. Ihre Bilder durchlaufen einen Entstehungsprozess, der dem Endprodukt nicht unbedingt anzusehen ist.

Bettinger zeigt diese Entwicklung anhand von Fotos, die sie zwischenzeitlich in verschiedenen Stadien eines Bildes gemacht hat. Wasserflächen verändern sich ständig, Himmel und Wolken kommen dazu und verschwinden wieder.

In der Themenreihe „Lost Places" zeigt sich ihre Vorliebe, den Zerfall von Gebäuden und die Darstellung des Gefühls der Vergänglichkeit festzuhalten. Wie lange arbeitet sie jeweils an einem Bild? „Durch die Technik mit der Schüttung der Farbe muss ich mehrere Tage warten, bis die Arbeiten getrocknet sind, deshalb arbeite ich an mehreren Bilder gleichzeitig. Manche Werke dauern bis zu einem Jahr.“

Mit ihrem Künstlerkollegen Peter Köcher verbindet sie seit drei Jahren ein gemeinsames Arbeitsprojekt. Über die Wintermonate arbeiten die beiden in dessen Galerie in Bexbach. Die entstandenen Arbeiten kann man im September in der Kreisgalerie in Dahn sehen. „Hoffentlich findet diese statt. Eine Ausstellung in Ilmenau wurde wegen Corona abgesagt“, erzählt sie. „Für mich, die aus zeitlichen und kraftaufreibenden Gründen nicht regelmäßig ausstellt, ist das hart.“ Während des Lockdowns ist ihr seltsamerweise nicht so sehr nach Malen - sie renoviert stattdessen lieber mit ihrem Mann Gregor den Flur im eigenen Heim in Homburg.