Lösungen bieten statt meckern

Homburg. Über eine Sache zu schreiben, ist eins. Sie auch zu leben, etwas viel Größeres. Einer von denen, denen man abnimmt, dass sie das, was sie schreiben auch leben, ist Henning Scherf, der frühere Bremer Bürgermeister (1995 - 2005)

Henning Scherf nahm sich vor der Lesung im großen Sitzungssaal des Forums Zeit, seine Zuhörer im persönlichen Dialog zu begrüßen. Foto: Thorsten Wolf

Homburg. Über eine Sache zu schreiben, ist eins. Sie auch zu leben, etwas viel Größeres. Einer von denen, denen man abnimmt, dass sie das, was sie schreiben auch leben, ist Henning Scherf, der frühere Bremer Bürgermeister (1995 - 2005). Am vergangenen Dienstagabend las Scherf aus seinem aktuellen Werk "Gemeinsam statt einsam - Meine Erfahrungen für die Zukunft" - und das vor einem nahezu bis auf den letzten Platz gefüllten Sitzungssaal im Homburger Forum. Doch schon lange bevor Scherf ans Mikrofon trat und vieles aus seinen inzwischen veröffentlichten Werken vorstellte, brachte der Bremer das mit nach Homburg, was für ihn ein Schlüssel zu einer sich verändernden Welt ist: Gemeinsamkeit. Nahezu jeden Besucher begrüßte Scherf per Handschlag, ging durch die Reihen, sprach kurz hier, hörte kurz da zu. Was man anderen durchaus als gelungene On-Stage-Strategie im Werben nach Kundschaft für das eigene Werk auslegen könnte - bei Scherf wirkt Zuwendung zu denen, die sich für ihn und seine Sache interessieren, authentisch. Das mag auch an seiner Biografie liegen, galt und gilt der SPD-Politiker doch als eine der inzwischen rar gewordenen Polit-Persönlichkeiten mit Profil und Nachhaltigkeit. So einem glaubt man, will man glauben. Und noch eines zeichnet Scherf aus, und das machten die Einblicke in seine Bücher deutlich sichtbar: Meckern ist des Bremers Sache nicht, Lösungen liegen ihm mehr.Scherfs Thema: Das Alter, das Leben mit Älteren, das Leben als Älterer. Der demografische Wandel treibt ihn um. Aber Scherfs Sicht auf eine Gesellschaft, die sich unter dem Stichwort demografischer Wandel dem Ideal des Älterwerdens stellen muss, ist dabei geprägt von der Suche nach Chancen, nach positiven Vorzeichen-Wechseln. Dass das Themen sind, die Scherf tief berühren, verstand man schnell am Dienstagabend, standen doch zuerst Reflexionen zu seinem ersten Werk "Grau ist bunt: Was im Alter möglich ist" im Mittelpunkt. "Mit diesem Buch wollte ich fünf Bereiche aufgreifen, in denen ich Antworten suche auf die demografisch gewandelte Gesellschaft." Welche Antworten das sind, dass erläuterte Scherf in einiger Ausführlichkeit. Dass dabei die Lesung aus dem eigentlich angekündigten Werk zuerst in den Hintergrund trat, mochten die Gäste mit Sicherheit verschmerzen. Eines der Themen, die Scherf, neben den Anforderungen an den Arbeitsmarkt und an neue Formen des Zusammenlebens, aus seinem Erstling dezidiert referierte: Der Umgang mit dem Tod und sein Appell, eben diesen als Teil des Lebens zu akzeptieren. Einen positiven Blick auf den Tod als Selbstverständlichkeit gelte es zu finden, das Sterben selbst sollte, so Scherf, nicht negiert und "outgesourct" werden. "Das Sterben gehört in die Mitte der Gesellschaft zurück, es ist unsere gemeinsame Sache." "Das Sterben ist unsere gemeinsame Sache."Henning Scherf