Liedermacher zu Gast in Musikkneipe in Homburg

Mandy’ Lounge in Homburg : „Man wird ja wohl noch träumen dürfen“

Die Liedermacher Lisa Ludes und Andreas Vogel überzeugten die Zuhörer bei ihrem gemeinsamen Auftritt in der Musikkneipe „Mandy’s Lounge“ in Homburg.

Andreas Vogel ist einer der wenigen Liedermacher im Saarland, seine Karriere reicht schon bis weit in die siebziger Jahre zurück. Seit etwa drei Jahren hat er sich musikalisch mit der 33-jährigen Liedermacherin Lisa Ludes zusammengetan und tritt mit ihr gemeinsam auf.

„Allein ein Konzert spielen, das will ich nicht mehr“, sagte der 68-jährige nach dem Auftritt in der Homburger Musikkneipe „Mandy’s Lounge“. So wechselten er und Ludes sich immer wieder ab oder spielten ein Stück gemeinsam. Das entsprach dann dem Motto „Gemeinsam Musik“, das beide dem Abend gegeben hatten. Zunächst begann Vogel mit seinen alten Protestsongs, die, obwohl vor vielen Jahren geschrieben, nicht an Aktualität eingebüßt haben: „Auf dem Kreuzzug“ richtete sich gegen rechte Aufmärsche, ein Song über den brasilianischen Umweltaktivisten Chico Mendes prangerte die Abholzung des Regenwaldes an. Bei all dem vergaß Vogel den Humor nicht: Paul McCartney habe Mendes auch einen Song gewidmet, aber: „Sorry Paul, meiner ist besser“. Es folgte ein Song gegen Rassisten, Spießer und Frauenfeinde sowie ein Aufruf für mehr Toleranz und Respekt.

Lisa Ludes, die aus Ottweiler stammt und jetzt in Sanddorf wohnt, übernahm dann. „Ich bin natürlich für die Thematik Liebe zuständig“, meinte sie. Da ging es um Liebeskummer, der irgendwann wieder vergeht. Die nächsten beiden Lieder hatten dann aber schon wieder weniger mit dem Thema zu tun, denn einmal besang die Liedermacherin die schwarze Stimme in ihrem Kopf, dann ganz allgemein das Leben mit seinen vielen Aufs und Abs. Dieses solle man genießen, ohne sich zu verbiegen. Vogel beschloss dann den ersten Teil mit einem Song, der ihm geradezu zugeflogen sei. In einem Fernsehthriller habe er den Satz gehört „Nicht tot sein heißt noch lange nicht zu leben“. Da habe er sofort gedacht, dass das ein Songtitel ist.

Gemeinsam begannen die beiden den zweiten Teil mit einem Song über das Vertrauen, das Partner sich entgegenbringen sollten. Dann griff Vogel tief in die Mottenkiste und präsentierte ein Lied, das er am 1. Juni 1972 erstmals gespielt hatte: „Nur der Wind spielt mit ihr“. Ein bisschen Einblick in sein Berufsleben, Vogel arbeitet immer noch als Kinder- und Jugendpsychiater, gab er anschließend. Er sei mal bei einem Psychologenkongress aufgetreten, aber die Psychologen hätten nur geredet und geredet. Daraufhin habe er den Song „Hört keiner mehr zu?“ geschrieben. Ebenso mit seinem Beruf hing das Lied „Kinder dieser Welt“ zusammen, das bestimmte Elendskarrieren in aller Welt beschrieb – nicht ohne am Ende zu bemerken, dass es auch hierzulande schlimme Kinder-Schicksale gebe.

Lisa Ludes sang anschließend ebenfalls von einer Welt „voller Armut, Krieg und Ungerechtigkeit“ und hoffte darauf, dass sie die etwa 60 Zuhörer damit erreichen konnte. Diese lauschten jedenfalls sehr aufmerksam. Das könnte auch an der tollen Stimme der Liedermacherin gelegen haben, die sie in ihrem anspruchsvollen Song „New Life“ besonders stark zu Gehör brachte. Vogel wiederum verarbeitete wieder Erfahrungen aus seinem Beruf, als er die psychischen Probleme von verschiedenen Jugendlichen schilderte. Die lösten sich am Ende des Songs auf, weil alle zusammen in einer Band spielen. Klar habe er sich das nur ausgedacht, sang er, aber sei das etwa schlimm? Man wird ja wohl noch träumen dürfen, und, darum ging’s auch im letzten Song vor den Zugaben, der deutschen Version von John Lennons „Imagine“. Ein Aufruf zu mehr Buntheit und die Übersetzung von Bob Dylans „Forever Young“ leiteten den Schlusssong ein: „Hallelujah“ von Leonard Cohen, natürlich lautstark mitgesungen vom begeisterten Publikum.