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„Letztendlich ist Musik Musik“

„Letztendlich ist Musik Musik“

Des einen Leid, des anderen Freud: Zum Jazzfrühschoppen auf dem historischen Marktplatz wurde das Pasadena Roof Orchestra erwartet. Krankheitsbedingt fehlte deren Saxofonist und Bernd Nickaes sprang ein.

Es gibt das "übliche" Pasadena Roof Orchestra - und es gibt seit dem Samstagmorgen das Pasadena Roof Orchestra in der Homburger Version. Was beim Jazzfrühschoppen den kleinen, aber feinen Unterschied machte, war der Homburger Tenorsaxofonist Bernd Nickaes. Der kam völlig überraschend zu einem Einsatz an der Seite des weltbekannten englischen Orchesters, nachdem der eigentliche Tenorsaxofonist der Formation in der Nacht von Freitag auf Samstag kurzfristig krankheitsbedingt seine Reise von der Insel nach Homburg hatte absagen müssen. Das von vielen mit großer Begeisterung erwartetet Konzert des Pasadena Roof Orchestras war mit vielen Unwägbarkeiten und Herausforderungen gespickt. Noch am Freitagabend hatte die Band unter der Leitung von Duncan Galloway in London gespielt.

Dann fiel der Saxofonist aus, dann musste das Orchester per Bus die lange Reise bis ins Saarland antreten. Das allein war wohl schon eine große logistische Herausforderung. Als man dann noch im Kanal-Tunnel zwei Stunden im Stau stehen musste, wurde die Lage nicht einfacher. Von unterwegs informierte Galloway Homburgs Kulturbeigeordneten Raimund Konrad über den Ausfall des Saxofonisten. Daraufhin begann in Homburg eine eilige Suche nach einem hochwertigen Ersatz. Die Lösung lieferte dann, wer eigentlich auch sonst, der Techniker und Jazz-Frühschoppen-Zauberer Karsten Neuschwander. Er rief bei Bernd Nickaes durch, fragte nach und bekam ein "Ja" als Antwort.

Währenddessen näherte sich das Pasadena Roof Orchestra für ihr exklusives Deutschland-Konzert Kilometer um Kilometer dem Ziel Homburg . Und tatsächlich: Trotz aller Widrigkeiten gab es kaum eine Verzögerung im Programm. Irgendwo zwischen 11 und 11.30 Uhr betraten die schick verpackten Musiker die Bühne auf dem historischen Marktplatz, empfangen von richtig vielen Fans. Soundcheck? Der entfiel mal gepflegt. Auch das kündete von der außerordentlichen Professionalität des Orchesters. Und von der hohen Güte der Vorbereitungen.

Und Bernd Nickaes? Der spielte sich souverän inmitten der über Jahrzehnte eingeschworenen Musiker durch ein anspruchsvolles, immer aber bestens hörbares Swing-Programm mit Hits der 1920er und 1930er. In der Pause erzählte der Berufsmusiker, selbst Chef zahlreicher Bandprojekte, ein bisschen was von den Erfahrungen, die er an diesem Samstagmorgen machen durfte. "Das ist natürlich schon ein bisschen aufregend", gestand Nickaes ein. "Aber letztendlich ist Musik Musik. Und man muss sich einfach selbst darauf verlassen können, dass man so gut vom Notenblatt lesen kann, dass es ausreicht." Es gehe darum, sich zu fokussieren, nicht zu sehr aufs Publikum zu achten. "Natürlich ist es für mich nicht so, als würde ich schon zehn Jahre mit dem Orchester spielen. Aber man kommt durch."

Ein bestens aufgelegter Bandleader Duncan Galloway zeigte sich von der "Homburger Note" seines Orchesters sichtlich positiv überrascht. "Es ist ganz wunderbar. Unsere Noten sind nicht einfach zu spielen. Und es klappt richtig gut. Für meine Ohren klingt das einwandfrei."