Letzte Sonnenstrahlen des Jahres

Homburg. Temperaturen im "Ja, wir haben Frühling"-Bereich, blauer Himmel, ein mildes Lüftchen: Am Samstag musste man sich schon auf dem Kalender höchst selbst davon vergewissern, dass es Ende Dezember ist. Zumindest an diesem Tag kamen die Jahresende-Melancholiker nicht auf ihre Kosten, stattdessen die, die es nach draußen zog

Homburg. Temperaturen im "Ja, wir haben Frühling"-Bereich, blauer Himmel, ein mildes Lüftchen: Am Samstag musste man sich schon auf dem Kalender höchst selbst davon vergewissern, dass es Ende Dezember ist. Zumindest an diesem Tag kamen die Jahresende-Melancholiker nicht auf ihre Kosten, stattdessen die, die es nach draußen zog. Die einen fassten Fuß auf den Blieswiesen vor Beeden, inmitten kleiner und großer Hochwasser-Seen, andere kurvten lieber rund um die Jägersburger Weiher. Mal auf dem Rad, mal schnell oder langsam zu Fuß machten sich ganze Kolonnen von Wetter-Lustigen auf den Weg.

Und wer am Brückweiher so seine Runde drehte, der kam auch an den Anglern des Angelsportvereins Jägersburg vorbei. Die hatten sich rund um den großen und auf dem Bootssteg niedergelassen. Die Angeln draußen, die Netze griffbereit, hatten sich Heinz Liedtke, erster Vorsitzender des ASV Jägersburg, sein Stellvertreter Werner Emser und noch ein weiterer Angelkamerad auf die Lauer nach Hechten gelegt. Doch für ein erstes Erstaunen bei den Wanderern und Joggern sorgte ein ganz anderer Fang - ein stattlicher Karpfen. Nachdem der ordnungsgemäß versorgt war, machte Liedtke klar, dass das ausnehmend schöne Wetter eigentlich nicht der Grund sei für den ASV, mitten im Dezember zu fischen. "Wir sind eigentlich immer hier, egal bei welchem Wetter. Aber weil das Wetter heute so angenehm ist, versuchen wir auch Karpfen oder Rotauge zu fischen." Eigentlich, so Liedtke, sei die kalte Jahreszeit aber sehr gut dafür, Hecht oder Zander an die Angel zu bekommen.

Nicht weit von den Anglern des ASV Jägersburg hatten sich fünf andere Zwischen-den-Jahren-Sonnenhungrige niedergelassen. Und auch bei Chase Morris, seiner Frau Maria, Söhnchen Noah, Schwager Chuy und dessen Freundin Alyssa ging's um Essen, allerdings um solches von der Weide und nicht aus dem Wasser. "Wir hatten Jägerschnitzel", sagt Chase Morris lachend. Und das Ende Dezember auf der Terrasse des alten Bootshauses - das hatte durchaus Seltenheitswert. Alle fünf strahlten gut gesättigt mit der Sonne um die Wette. Warum? "Bei den Temperaturen und ohne Schnee ist das für mich heute hier ein bisschen wie Zuhause", erzählte der aus Florida stammende Chase Morris, heute in Waldmohr zu Hause und als ziviler Mitarbeiter im Dienst der US-Streitkräfte. "Wir sind heute mit dem Rad unterwegs, machen eine kleine Tour, bringen unseren Sohn Noah an die Luft. Und wir genießen natürlich die Sonne", skizzierte Chase den kleinen "Frühlingsausflug" zwischen den Jahren. Und für das Naherholungsgebiet Jägersburg gab's gleich noch ein Lob oben drauf: "Wir mögen die Seen hier sehr."

Damit standen die fünf US-Amerikaner in einer Reihe mit einigen hundert Freiluft-Aktivisten, die über den Tag hinweg gerade den Brück- und den Schlossweiher nutzten, um vor der für gestern angekündigten Regenfront noch einmal Sonne zu tanken. In Homburg unterdessen schwitzten sich so manche durch die samstägliche Shopping-Tour. Wer schon mal den ersten Schwung des Weihnachtsumtauschs hinter sich bringen wollte oder sich auf die Suche nach Gutem für den Gutschein gemacht hatte, der bekam Sonne satt als Extra gleich noch mit obendrauf.Foto: Wolf