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Lesley Kernochan gastierte in Mandys Lounge in Homburg

Konzert : Auftritt begeisterte die wenigen Zuhörer

Die US-Amerikanerin Lesley Kernochan trat in der Homburger Musikkneipe „Mandy’s Lounge“ auf und begeisterte dabei.

In der vergangenen Woche lief der Konzertbetrieb in der Homburger Musikkneipe „Mandy’s Lounge“ noch. Durch die Bedenken vieler Konzertbesucher, die zu Hause blieben, war die Anzahl der Zuhörer auch überschaubar beim Konzert der US-Amerikanerin Lesley Kernochan. Schade, denn die sympathische Sängerin und Gitarristin hätte ein viel größeres Publikum verdient gehabt.

Die 39-Jährige kam zusammen mit zwei fantastischen Musikern: Schlagzeuger Konrad Matheus studiert noch an der Musikhochschule in Arnheim, Bassist Helge Klein ist bereits fertig damit. Den beiden merkte man ihre Professionalität dadurch an, dass sie komplett in der Rolle der Begleitmusiker aufgingen. Da störte kein Ton zu viel, da überdeckten keine Trommeln den lieblichen Gesang Kernochans. Einmal ging Matheus sogar so weit, statt mit Sticks auf die Trommeln mit den Händen auf die Oberschenkel zu schlagen und dazu zu schnipsen. Das reichte für die rhythmische Basis völlig aus und war überdies ein toller Effekt, der lange im Gedächtnis bleiben wird. „Ich habe lange gebraucht, um als Schlagzeuger leise spielen zu können, aber für diese Art Musik ist es einfach notwendig“, sagte Matheus.

Die beiden Deutschen waren übrigens auf Empfehlung eines anderen Musikers vermittelt worden, als Kernochan nach einer Begleitband für ihre Europatour suchte. Die Sängerin arbeitet in Los Angeles eigentlich in einem sozialen Projekt mit Jugendlichen aus ärmeren Stadtteilen, denen sie versucht die Freude an der Musik zu vermitteln. „Musik ist so heilsam“, ist ihr Credo. Den Jahresurlaub nutzt sie dann für ihre Tourneen, die sie hauptsächlich nach Deutschland führen. Hierzulande sei sie mittlerweile bekannter als in Kalifornien, meinte sie nach ihrem Konzert. Vielleicht liegt es auch an der Sprache: Kernochan hatte drei Jahre lang Unterricht in Deutsch und spricht es ganz gut. Auf der Bühne machte sie sich fast schon einen Spaß daraus, schwierige Sätze zu formulieren und sich dabei von den Anwesenden korrigieren zu lassen. Auf Englisch meinte sie dann, sie könne sich vorstellen, welchen Comedy-Faktor ihr Deutsch wohl habe.

Vor zwei Jahren war die Musikerin schon mal in Homburg vorbeigekommen und hatte da noch Tasteninstrumente bedient. Jetzt bewies sie ihr großes Talent an der Gitarre mit ganz neuen Songs. Diese bewegten sich im Großen und Ganzen Richtung Country, blieben aber sehr eigen und zeigten manchmal auch Jazzeinflüsse. Kernochan hat, wie sie erzählte, 15 Jahre lang Jazz-Saxofon gelernt, das hörte man bei ihren wunderbaren und stark beklatschten Trompeten-Imitationen. Dabei war es nicht nur fantastisch, wie sie durch die geschlossenen Lippen die Klangfarbe des Blasinstruments erzeugte, sondern auch bemerkenswert, wie sie die Melodieführung eines Instrumentalsolos kopierte. Dass sie eine tolle Stimme hat, sei ihr erst relativ spät klar geworden. Auf der Highschool habe sie nur als Saxofonistin auf sich aufmerksam machen können, erst nach drei Jahren Unterricht in klassischem Gesang habe sie die Stimme richtig entdeckt. In Jugendjahren habe sie noch Songs voller Weltschmerz gesungen, dann aber festgestellt, dass sie damit in eine Negativschleife geriet. Die Beschäftigung mit dem Buddhismus und die Anwendung von Meditation habe ihr dort herausgeholfen, jetzt singe sie hoffnungsfrohe Texte voller hilfreicher Energien. Zur Zuneigung zum Country-Sound sei sie an einem ganz untypischen Ort dafür gekommen: in New York. Da habe es eine Bar gegeben, in der immer Country lief. „Für mich war das der richtige Mix von Stadt und Land.“

Während des Konzerts meinte sie im Spaß: „Ich weiß gar nicht, warum aus mir so ein Cowgirl geworden ist.“ Egal, wie auch immer: Lesley Kernochan brachte eine wunderbare Atmosphäre in die Lounge mit ihrer tollen Stimme, dem filigranen Gitarrenspiel und den sanften Songs voller Wärme.