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Landrat Theophil Gallo verschärft Maßnahmen im Saarpfalz-Kreis

Die Infektions-Zahlen steigen an : Ab heute gibt es verschärfte Maßnahmen

Am Montag, 12. Oktober, kam der interne Krisenstab der Kreisverwaltung zusammen. Fazit: Es wird eine Allgemeinverfügung erlassen, die am Dienstag, 13. Oktober in Kraft tritt.

Das Infektionsgeschehen um die Corona-Pandemie zieht bundesweit an. Am Samstag und Sonntag zählte das Gesundheitsamt im Saarpfalz-Kreis 12 neue Fälle, am gestrigen Montag kamen nochmal drei hinzu, zusammen also 15.  Allerdings nicht in Homburg, sondern ein Fall war in Blieskastel und 14 Fälle in St. Ingbert.

Am Sonntag hatte Landrat Theophil Gallo auf Nachfrage unserer Redaktion eingeräumt, dass der kritische Wert von 35 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner überschritten worden sei. Am Montag Abend vermeldete der Saarpfalz-Kreis offiziell 51 Neuinfektionen seit dem 6. Oktober, also innerhalb von sieben Tagen.

Und so kam am Montag, 12. Oktober, der interne Krisenstab der Kreisverwaltung zusammen. Fazit: Es wird eine Allgemeinverfügung  erlassen, die am Dienstag, 13. Oktober in Kraft tritt. Inhaltlich wird es auch beim Saarpfalz-Kreis um die Beschränkung der Personenzahl bei privaten Zusammenkünften gehen. Damit sind private Veranstaltungen in geschlossenen öffentlichen Räumen nur mit bis zu 50 gleichzeitig anwesenden Personen, und in geschlossenen privaten Räumen nur mit bis zu 25 gleichzeitig anwesenden Personen unter Beachtung der allgemeinen Schutzmaßnahmen zulässig.

Durch die Regelungen der Allgemeinverfügung soll die Zahl der Neuinfektionen gesenkt werden und damit eine Überlastung des Gesundheitssystems schon frühzeitig verhindert werden.

Landrat Theophil Gallo: „Sicherlich begünstigen mehrere Faktoren das Ansteigen der Infektionszahlen. Beispielsweise ist mit Beginn der kalten Jahreszeit damit zu rechnen, dass die Infektionszahlen weiter steigen. Wir haben es mit einem sehr dynamischen Prozess zu tun, und wir sprechen auch nicht von einem konkreten Hauptinfektionsherd. Nichtsdestotrotz führt unser Gesundheitsamt den Ansteckungsursprung vornehmlich auf private Aktivitäten im familiären Umfeld zurück. Daher werden sich Restriktionen durch eine Allgemeinverfügung auch auf dieses konzentrieren. Wir gehen davon aus, dass es in Bälde eine landesweite Regelung geben wird.“

Gallo appelliert weiter an die gegenseitige Rücksichtnahme und das Befolgen der so genannten AHA-L-Formel: Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske (Mund-Nasen-Bedeckung) tragen. Ergänzend dazu sollte man grundsätzlich Ansammlungen von Menschen, Gedränge und länger andauernde Gespräche face-to-face in schlecht belüfteten Räumen vermeiden.

Zum Vergleich: Auch im Landkreis St. Wendel hat die Kreisverwaltung die Vorschriften verschärft, nachdem der Inzidenzwert auf über 70 geklettert war. Inzwischen ist der Alkoholausschank und -verkauf zwischen 0 Uhr nachts und 6 Uhr morgens vollständig verboten, auch an Tankstellen und Kiosken. Die Kreisverwaltung in Merzig hat wegen steigender Zahlen ebenfalls eine eigene Allgemeinverfügung erlassen.

Immer wieder kam es in den letzten Wochen in Schulen zu Quarantäne-Anordnungen, allein vergangene Woche waren sieben Schulen im Saarpfalz-Kreis  betroffen, insgesamt 243 Personen mussten in Isolation, 181 davon in St. Ingbert.  Die Testergebnisse an zwei Homburger Schulen stehen noch aus. „Wir haben einen funktionierenden Hygieneplan an Schulen. Wird der eingehalten, sind wir safe“, sagt Gallo. Dennoch: Absolute Sicherheit bietet auch dieser nicht. Das belegt ein Fall am St. Ingberter BBZ von Anfang letzter Woche. Dort steckte ein Schüler zehn von insgesamt 21 Kontaktpersonen mit dem Virus an.

Deshalb will der Landrat weiterführende Maßnahmen in Schulen nicht ausschließen, auch wenn er „Klassenräume für gut geschützt“ hält. So sei etwa eine Maskenpflicht vor allem für ältere Schüler in Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen denkbar. „Wenn Masken einen Zusatzeffekt bringen können, dann sperre ich mich nicht“, sagt Gallo. Er stehe diesbezüglich in Kontakt mit Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD). Deren Ministerium muss nun entscheiden, wie es nach den Herbstferien weitergehen soll.

Ein zentraler Punkt in der Bekämfpung der Pandemie ist für Gallo die gegenseitige Rücksichtnahme. „Wenn es uns gelingt, durch ein Bündel von Maßnahmen und unter Mitwirkung der Vernünftigen in der Bevölkerung die Situation zu entspannen, dann haben wir alles richtig gemacht“, sagt der Landrat.

Zu dem von Gallo angeführten Maßnahmenbündel gehört unter anderem die Ausweitung der Testkapazitäten und der Kontaktnachverfolgung. Hierfür werde auch die Hilfe der Bundeswehr in Anspruch genommen. Fünf Soldaten sollen – in Abhängigkeit von ihrer jeweiligen Qualifikation – das Gesundheitsamt des Landkreises unterstützen. Auch die Krankenhäuser im Landkreis seien gut aufgestellt. Derzeit gibt es am Kreiskrankenhaus in St. Ingbert keinen Covid-19-Patienten. Nach Angaben von Landrat Gallo verfüge auch die Uniklinik des Saarlandes (UKS) in Homburg über ausreichend Kapazitäten.

„Es gibt keinen Grund zur Panik“, versichert Gallo. Allerdings ist die Zahl an Covid-19-Patienten dort zuletzt wieder gestiegen. Am Montagnachmittag wurden laut Auskunft der UKS-Pressestelle dort sechs Patienten wegen Covid-19 behandelt, zwei wurden beatmet. Auch sind aktuell zwei Beschäftigte am UKS infiziert, die Infektionswege seien aber bekannt, angesteckt hatten sich die Betroffenen außerhalb des Klinikums.

 Theophil Gallo (SPD) wünscht sich klare Vorgaben der Landesregierung.
Theophil Gallo (SPD) wünscht sich klare Vorgaben der Landesregierung. Foto: Andrew Wakeford
 Die Zahlen im Saarpfalz-Kreis sind zuletzt stark gestiegen. Deshalb zog Landrat Gallo jetzt die Zügel etwas an.
Die Zahlen im Saarpfalz-Kreis sind zuletzt stark gestiegen. Deshalb zog Landrat Gallo jetzt die Zügel etwas an. Foto: dpa/Oliver Berg

Die Allgemeinverfügung ist ab sofort unter https://www.saarpfalz-kreis.de/aktuelle-amtliche-bekanntmachungen einsehbar. Sie tritt zum 13. Oktober in Kraft.