Lächeln, Therapie und Selbstvertrauen

Lächeln, Therapie und Selbstvertrauen

Musik, Bildung, Therapie: 250 behinderte Kinder und Jugendliche werden in San Ignacio (Bolivien) in der Einrichtung Fassiv betreut. Finanzielle Unterstützung dafür gibt's jetzt auch aus St. Wendel.

Michael Heinz ist auf Besuch in der alten Heimat. Der gebürtige Düppenweiler, der in St. Wendel das Gymnasium besucht hat, ist seit 25 Jahren Steyler Missionar. Die meiste Zeit davon verbrachte er in Südamerika. Aktuell ist er Provinzial der Steyler Missionare in Bolivien. In San Ignacio, einer Stadt mit 55 000 Einwohnern, betreibt der Orden zwei Internate (eines für Mädchen , eines für Jungs) und eine Einrichtung für Behinderte . Die Sozialhilfestiftung Fassiv, gegründet von der Österreicherin Irmengard de Prestel, engagiert sich seit 26 Jahren für Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung, für Blinde, Stumme und Gehörlose. "40 Mitarbeiter betreuen etwa 250 Kinder und Jugendliche ", berichtet Pater Heinz. Fassiv setzt auf drei Schwerpunkte: die Erziehung, dazu gehören auch ein inklusives Orchester und Chor; die Gesundheit mit Physiotherapie und Zahnarzt-Checks; die Werkstätten, in denen 15- bis 25-Jährige nähen lernen, Stoffe bemalen, mit Holz oder Leder arbeiten. Der Staat, so erläuterte Heinz, übernehme ein Drittel der Kosten für die Gehälter der Mitarbeiter. Der Rest müsse über Spenden finanziert werden.

Einen Scheck über 6000 Euro kann der Pater jetzt mit nach Bolivien nehmen. Das Geld stammt aus dem Erlös des St. Wendeler Hungermarsches (siehe unten), bei dem insgesamt 9000 Euro zusammenkamen. Was mit dem Geld passieren soll, weiß Heinz schon genau: "Es wird in Operationen investiert." Viele der Kinder und Jugendlichen kommen mit körperlichen Einschränkungen wie Klumpfüßen oder schiefen Beinen zu Fassiv, bei denen Operationen helfen können. Die Kosten zwischen 1500 und 2000 Euro sind für viele Menschen zu teuer.

Durch Fassiv, so Heinz, habe sich das Verhalten der Bevölkerung gegenüber behinderten Menschen verbessert. "Früher haben die Menschen ihre behinderten Kinder in den Häusern versteckt." Leider sei der sexuelle Missbrauch behinderter Mädchen noch ein großes Thema. Auch hier helfe Fassiv, indem die Einrichtung beispielsweise die Anwaltskosten trägt. Auch sei das Mädcheninternat der Steyler Missionare oft eine erste Anlaufstelle für Mädchen , die vor sexueller Gewalt fliehen.

Bildung, Unterschlupf, aber auch berufliche Perspektiven bieten die Internate . Denn der Orden hat eine Modellfarm ins Leben gerufen. Hier können die Jugendlichen Erfahrungen in Sachen Viehhaltung oder Anbau von Kaffee und Bananen sammeln. Auch einen Gemüsegarten gibt es. Den bewirtschaften die Jugendlichen von Fassiv - in erster Linie zur Selbstversorgung; Überschuss an Lebensmitteln wird auf dem Markt verkauft.

Seit Präsident Evo Morales an der Macht ist, sei die wirtschaftliche Lage stabil. Dennoch ist Bolivien im Ländervergleich eher Schlusslicht. Da gibt es noch viel aufzuholen. Für Michael Heinz heißt es bald Abschied nehmen von den Kindern und Jugendlichen in Fassiv. Denn im kommenden März wechselt er als Hauptgeschäftsführer von Adveniat nach Essen. Ende September startete in St. Wendel der 40. Hungermarsch. Ein besonderer Tag, wurde doch neben der Solidarität auch der runde Geburtstag gefeiert. In vier Jahrzehnten hat die Initiative hilfsbedürftige Menschen mit mehr als einer Million Euro unterstützt. Dieses Mal soll der Erlös an zwei Projekte gehen: Das eine engagiert sich für die Gesundheit behinderter Kinder in Bolivien, das andere für HIV-infizierte Kinder und Jugendliche in Südindien.

9000 Euro sind dafür bislang zusammengekommen. "Das ist der schlechteste Betrag seit 39 Jahren", sagt Organisator Peter Adams mit trauriger Stimme. "Es tut mir weh."

Im Vorjahr seien noch 13 700 Euro zusammengekommen. In all den Jahren sind inzwischen 95 Projekte in 25 Ländern finanziell von dem Traditionsprojekt unterstützt worden.

Spendenkonto "Jochen-Rausch-Zentrum", IBAN: DE47 5925 1020 0000 0846 16, Kennwort: Hungermarsch.

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auf einen Blick Missionar auf Zeit - das können Freiwillige auch in dem Behindertenzentrum Fassiv sein. Wie Pater Michael Heinz informiert, dauert das Engagement mindestens ein Jahr. Meist sind es Studenten im Alter von 18 bis 35 Jahren. evy steyler.eu/svd/ihr- engagement/missionar- auf-zeit/de/index.php.

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Pater Michael Heinz begutachtet die Ware, die Jugendliche in der Fassiv-Werkstatt geschaffen haben. Fotos: Achim Hehn/SVD.
Vom Saarland in die Welt: Peter Adams überreicht dem Steyler Missionar Michael Heinz einen Scheck über 6000 Euro zugunsten einer Einrichtung für Behinderte in Bolivien. Foto: Schneider. Foto: Schneider
Michael Heinz beim Unterricht im Zentrum Fassiv.

Zur Person Pater Michael Heinz wurde 1961 in Düppenweiler im Kreis Merzig-Wadern geboren. In St. Wendel ging er zur Schule, aufs Arnold-Janssen-Gymnasium, wo er auch sein Abitur machte. 1983 trat er den Steyler Missionaren bei, studierte Philosophie und Theologie. 1991 legte er die ewigen Gelübde ab und wurde 1992 zum Priester geweiht, gleich darauf ging es nach Nicaragua. Eines von vielen Ländern in Südamerika, die er bereiste und in denen er wirkte. Aktuell ist er Provinzial der Steyler Missionare in Bolivien. Doch im März 2017 wechselt er als Hauptgeschäftsführer von Adveniat nach Essen. evy

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