1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. Homburg

Ladenbesitzer in Homburg schauen nach Schließung in ungewisse Zukunft

Kostenpflichtiger Inhalt: Massive Einschränkungen in Homburg wegen Coronakrise : Geschäftswelt vor ungewisser Zukunft

Die Homburger Innenstadt war schon am Dienstag leer. Einige Geschäfte waren bereits zu, ab Mittwoch ist für die meisten erst einmal Schluss. Auch in Restaurants und Hotels bangen viele um ihre Jobs.

Es kam zwar angesichts der Entwicklung in den vergangenen Tagen nicht richtig unerwartet, doch am Morgen nach der Ankündigung standen etliche Ladeinhaber noch unter Schock. Vieles war noch unklar, nachdem Ministerpräsident Tobias Hans am Montagabend angesichts der Coronakrise weitere massive Einschränkungen angekündigt hatte. Sicher ist aber: Die meisten Geschäfte und andere Betriebe müssen ab Mittwochmorgen schließen. Für Restaurants wird es massive Restriktionen geben. Wie es weitergehen soll, weiß am Dienstagmorgen keiner wirklich. Dass es massive Probleme und Einschnitte geben wird, steht außer Frage. Manche hatten ihre Läden bereits am Dienstag nicht mehr geöffnet.

„Ich weiß nicht, was auf mich zukommt“, sagt Bettina Hauck, die in der Homburger Innenstadt gemeinsam mit ihrer Schwester ein Schuhgeschäft betreibt. Die Frühjahrs- und Sommerkollektion sei im Laden angekommen. Nun gebe es niemanden, der sie kaufen könne. „Und dann kann auch ich keine Rechnungen bezahlen.“ Gut läuft es schon seit 14 Tagen nicht mehr bei den Schwestern. Durch die Coronakrise wurden es von Tag zu Tag weniger Kunden. Ariane Wunderlich hat mit ihrem Modegeschäft ähnliche Sorgen. „Die Kundenfrequenz ist in den letzten zwei Wochen enorm zurückgegangen.“ Am Montag sei dann schon gar nichts mehr gelaufen. „Es war eigentlich tot.“ Sie hoffe, dass sie das alles überstehe, dass danach auch die Kaufkraft der Kunden wieder da sei. Damit sie das Geschäft weiter betreiben könne, sieht sie auch Banken und die Regierung in der Pflicht – und zwar ohne viel Bürokratie. Die Finanzämter hätten ja einen guten Überblick über die Zahlen, die wir schreiben, da ließen sich Umsatzverluste hochrechnen.

Auch Wolfgang Welsch, gemeinsam mit seiner Frau Pia Inhaber einer Homburger Buchhandlung, wird schließen müssen. Auch wenn bei ihnen Zeitungen und Zeitschriften verkauft würden – Stellen zum Zeitungsverkauf sind ausgenommen von der Schließung –, sei dies in einer Buchhandlung nicht das Hauptgeschäft, sagte er am Morgen. Bücher könnten aus dem Laden auch nicht versandt werden, er hofft auf seinen Online-Shop. Auch er blickt in eine ungewisse Zukunft, es sei ja von Hilfen gesprochen worden, doch er wisse nicht, ob es Entschädigungen gebe. Die Mieten, die festen Kosten laufen ja weiter. „Irgendwann ist die Luft raus.“

Kristina Boesen, Inhaberin eines Geschenkartikel- und Schmuckladens in der Altstadt, hatte sich bereits kurz vor der offiziellen Ankündigung dazu entschlossen, dass sie schließen wird. Sie habe es irgendwann nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren können, nicht mehr die Verantwortung tragen können – auch für ihre Mitarbeiter. Hart ist es dennoch, sie habe noch vor drei Wochen jede Menge Ware bestellt angesichts des Ostergeschäfts, des Keramikmarkts, des verkaufsoffenen Sonntags. „Da habe ich die Lage noch unterschätzt.“ Selbst vor eineinhalb Wochen habe sie Bestellungen bei den Firmen schon nicht mehr stoppen können. Sie hoffe, dass die Leute, wenn die Krise vorüber sei, die Geschäfte wieder mit aller Kraft unterstützen.

Marcel Schmitt, Vorsitzender des Gewerbevereins Homburg, spricht von etlichen Rückmeldungen von sehr besorgten Mitgliedern. Die Stimmung sei gespenstisch, heißt es beispielsweise. Dennoch: Die Gesundheit aller stehe jetzt im Vordergrund. Man wolle sich gegenseitig unterstützen, zumindest Infos zusammentragen.

Restaurants und Speisegaststätten müssen zwar nicht komplett schließen, aber sie dürfen nur noch von 6 bis 18 Uhr öffnen. Manche haben bereits komplett abgesperrt. So weit ist es bei Giuseppe Nardi, Inhaber etlicher Gastronomiebtriebe und eines Hotels, noch nicht. Ausschließen kann er aber nichts. Die Einschnitte seien für die Gastronomie gravierend. Er verstehe aber, warum es passiere. Die Zahlen der mit dem Virus Infizierten seien in Deutschland nicht gut. Er beobachte nun die Situation, tendiere zur Schließung des Betriebs, machte er deutlich. Man brauche eine Grundausstattung, damit Gastronomiebetriebe überhaupt laufen. Es sei angesichts der Restriktionen oft wirtschaftlicher, ein Restaurant ganz zu schließen. Die Öffnungszeit bis 18 Uhr helfe nicht viel. Das Hauptgeschäft laufe am Abend. Außerdem spüre man die Auswirkungen der Coronakrise schon länger, gerade in den vergangenen acht Tagen habe er beobachtet, dass es von Tag zu Tag weniger Gäste gewesen seien. Im Schlossberghotel seien alle Veranstaltungen abgesagt: von der Tagung bis zur Familienfeier. Auch Geschäftsreisen unterblieben beinahe ganz. Das Hotel sei fast leer, es seien nur noch ein paar Gäste im Haus, für die sei man natürlich da.

Mit Schildern wie diesem hier an Marion Wagners Woll-Laden informieren die Läden ihre Kunden. Der gehäkelte Mundschutz übrigens war eine Anregung aus der Kundschaft und traf auf großes Interesse. Monika Wagner wird online weiter verkaufen und telefonisch die Kunden beraten – „es sind gestern und heute schon viele Solidaritätsbekundungen eingegangen“, sagt sie. „Ich schaue nach vorne“.  . Foto: Jennifer Klein
gehäkelter Mundschutz. Foto: Jennifer Klein

Für die Mitarbeiter sei das alles sehr schmerzlich. Es gehe immerhin und alles zusammengenommen um 100 sozialversicherungspflichtige Angestellte. Die bangen natürlich um ihre Arbeitsplätze. Er habe sich mit der Arbeitsagentur in Verbindung gesetzt, Kurzarbeit werde geprüft. Man habe keine betriebsbedingten Kündigungen vorgesehen, plane vielmehr mit Hilfsmaßnahmen und versuche so, sich über die schwere Zeit zu retten. Auch mit ungewöhnlichen Lösungen: Die Hotelmitarbeiter hätten sich alle dazu bereit erklärt, zur Firma Theiss Naturwaren zu wechseln. Hier brauche man Arbeitskräfte, denn man stelle jetzt Desinfektionsmittel her. Der Bedarf ist hier bekanntlich riesig. Das Eiscafé werde er noch offenlassen, vor allem den Straßenverkauf, das passe auch von den gestatteten Zeiten. Doch Giuseppe Nardi hat das bereits in Italien verfolgt, dem in Europa am schlimmsten betroffenen Land. Auch hier galt zunächst die eingeschränkte Öffnungszeit, wenige Tage später wurden Betriebe ganz geschlossen. Also alles Stand Dienstagmittag – wer weiß, was morgen ist.