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Kultur an der Gustavsburg in Jägersburg mit Jennifer Waack

Kultur im Museum : Ein bisschen Kultur in Corona-Zeiten

Sängerin Jennifer Waack begeisterte im Innenhof der Gustavsburg in Jägersburg mit gefühlvollen Balladen.

Die Kulturlandschaft gleicht derzeit in weiten Regionen einer Wüste. Absagen und Absagen folgen auf Absagen und Absagen. Aber es gibt sie, die Oasen der schönen Künste in Zeiten von Corona. Eine davon bewässert die Homburger Kulturgesellschaft mit ihrer Reihe „Kultur im Museum“. Deren Konzerte gehören eigentlich zum „Routine-Programm“ in der Kreisstadt, in Pandemie-Zeiten sind sie aber quasi das einzige musikalische Highlight, das man seitens der Stadt bieten kann, weil bieten darf.

In dieser Kulisse kam dem Auftritt der Sängerin Jennifer Waack im Hof der Gustavsburg am Donnerstagabend eine besondere Bedeutung zu – als deutliches Lebenszeichen der Kultur in schwierigen Zeiten. Und Waack machte ihre Sache ausgezeichnet. Dabei war es nicht nur das „Was“, sprich die Liedauswahl, sondern auch das „Wie“, mit dem die quasi „frisch gebackene“ Mutter, begleitet von Achim Schneider am E-Piano, die ausgesprochen zahlreichen Gäste im Burghof begeisterte. In Sachen „Was“ hatten sich Waack und Schneider echte Klassiker der eher sanften Sangeskunst ausgesucht, zum Auftakt gab‘s „Kiss me“ von Sixpence None The Richer. Und schon da verspühte Waack genau das Maß an Sing- und Lebensfreude, das viele so sehr vermissen oder vermisst haben. Nach diesem Auftakt rauschte schon mal jede Menge verdienter Applaus durch den Burghof. So sollte es weitergehen.

„Wir haben ein bisschen entspannte Musik für Euch mitgebracht, lehnt Euch zurück und genießt den Sommerabend.“ Für den hatte Waack genau den passenden Soundtrack mit dabei, mit ihrem zweiten Stück schlug sie den Bogen in die Jetztzeit, mit der kleinen Geschichte aus Namikas Song „Je ne parle pas français“ entführte sie die Gäste ins Nachbarland, auf poppig-moderne Weise und très chic präsentiert. Nicht weniger gelungen: die kraftvolle Interpretation des Elton-John-Klassikers „Your Song“ in der Version von Lady Gaga. Natürlich ging die Sängerin auch auf die aktuelle Corona-Situation ein – als sie sich deutlich darüber freute, dass es jetzt zumindest wohl wieder möglich sei für Gäste, ohne Alltagsmaske mitzusingen. Das nahm Waack zum Anlass, mehr als einmal an diesem Abend ihre Zuhörer zum Mitmachen zu animieren, so auch beim vierten Stücks des Konzert, „Free Fallin‘“ von Tom Petty. Zugegeben: Die hohen Passagen des Songs schreckten so manchen, die eigene Stimme zu erheben. Waack nahm’s mit Humor und textete im Refrain „Free Fallin‘“ zum Schluss in „Free Singing“ um, „endlich wieder!“

Emotional wurde es, als Waack mit zwei Songs von Sarah Connor das Publikum begeistert. Zuerst stand „Wie schön Du bist“ auf dem Notenblatt. Schon da konnte man ohne Scham Gänsehaut bekommen. Den zweiten Song verband sie dann mit ihrer jüngsten Vergangenheit und der Geburt ihrer Tochter vor vier Wochen. Das Lied „Hör auf Deinen Bauch“ war dann auch dem Nachwuchs gewidmet, der auf dem Arm des Papas zumindest bis dahin dem Konzert der Mama gefolgt war. „Sie hat nie im Bauch gestampelt, wenn ich gesungen habe.“ Die sei, so Waack mit einem Lachen, wohl ein gutes Zeichen. Noch vor der Pause liefert die Sängerin dann mit Bette Midlers „The Rose“ und „Halleluja“ von Leonard Cohen dann nochmal zwei echte Gänsenhaut-Momente.

„Unsere Reihe ‚Kultur im Museum‘ ist ein echter Lichtblick“, hatte Homburgs ehrenamtlicher Kulturbeigeordneter Raimund Konrad schon vorab dem Konzert in der Gustavsburg, aber auch den schon vergangenen und kommenden Auftritten, attestiert. „Man sieht es ja auch am Zuspruch, dass die Menschen das Bedürfnis haben, rauszukommen.“ Solche eher kleinen und familiären Veranstaltungen könne man dabei gut handhaben, „im Gegensatz zum Musiksommer“. So sei mit all den verbundenen Auflagen der Aufwand für diese traditionelle Konzertreihe auf dem Marktplatz einfach zu groß. „Bedauerlich, aber in diesem Jahr wird das wohl nicht mehr klappen.“

Den Sommer-Konzertabend in Jägersburg wollten sich viele nicht entgehen lassen. Foto: Thorsten Wolf

Er sei als Kultubeigeordneter schon sehr traurig angesichts der aktuellen Lage, „das ist schon depressiv, ein Trauerspiel“. Vor allem der Blick nach vorne fiele schwer. „Wir denken derzeit nur von einer Veranstaltungsreihe zur anderen“, verdeutlichte Konrad. „Wir machen uns Sorgen um unsere Theatersaison und die Meisterkonzerte, da sieht es schlecht aus.“ Auch in Sachen Neujahrskonzert mache man sich derzeit Gedanken. „Wir gehen davon aus, dass die Situation im Herbst und Winter noch die gleiche ist wie jetzt und hoffen, dass es im Frühjahr besser wird“, so Konrad im Gespräch mit unserer Zeitung.