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Künstler Heinz Ginkel aus Homburg stellt aus

Kunstausstellung in Homburg : Die Macht der Natur wird regelrecht spürbar

Der Homburger Künstler Heinz Ginkel befasst sich in seiner aktuellen Ausstellung mit der Provence und deren Wetterkapriolen.

Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. Auf die Corona-Krise gemünzt bedeutet dies auch für viele Künstler: sich umstellen, neue Wege suchen, um das eigene Werk in Zeiten von Veranstaltungsbeschränkungen zu präsentieren. Der Homburger Maler Heinz Ginkel hat sich hier seinen eigenen Weg geschaffen, die aktuelle Ausstellung „Pluie, Alpes maritimes“, zu Deutsch „Regen, Seealpen“, fand ihren Weg in die Welt nicht mit der üblichen Vernissage. Und sie wird auch nicht, wie sonst bei Ginkel üblich, nur drei, vier Wochen dauern. Vielmehr hat sich der Maler dazu entschieden, die Schau der rund 80 Gemälde bis zu Beginn einer nächsten Ausstellung im kommenden Jahr zu zeigen. Und wer Ginkels erneut fantastische Betrachtungen aus und über die Provence erleben will, der muss sich, ganz den Corona-Auflagen geschuldet, telefonisch in der Galerie anmelden.

Was auf den ersten Blick da wie eine Einschränkung wirkt, ist in der Tat eine Konzentration: Sowohl Künstler als auch Betrachter nehmen sich gezielt Zeit füreiander und für die Kunst. Sekt-schlürfende Vernissage-Touristen bleiben bei diesem Konzept außen vor.

Auf was darf sich der Betrachter nun freuen? Auf jeden Fall auf echte Ginkels. Der Maler hat es, und das unterscheidet den Profi von anderen Künstlern, geschafft, sein Werk zu einer Marke zu machen. Einen Ginkel erkennt man auf den ersten Strich. Und in diesen Strichen findet sich diesmal der Regen der Seealpen in den Departements Alpes-Maritimes und Alpes-de-Haute-Provence. Dieser Regen hat es Ginkel angetan, in den besagten rund 80 Werken – wie typisch auf unterschiedlichen Malgründen von Papier und Packpapier über Metall-Folie bis zur Leinwand und ebenso typisch in unterschiedlichen Ausprägungen der Abstraktion – fasst er weit mehr als die physische Gestalt eines eigentlich üblichen Wetter-Unbills, das die Landschaft in Minuten und für Minuten verwandelt.

Ginkels Wahrnehmung dieses Regens ist nicht die eines leichten und romantischen Sommerschauers. Alpen und Meer erschaffen für Ginkel monumentale Momente – und er erschafft daraus im Finale ebenso monumentale Bilder. Wobei sich die Einordnung „monumental“ nicht zwingend auf die Größe eines Werkes bezieht. Wie immer sind die Gemälde der Serie in ganz unterschiedlichen Formaten gefasst. Ginkels Monumentalität liegt vielmehr in Kraft, die seinen Regenbetrachtungen innewohnt. Es stürzt, es flutet – ohne allerdings das, was diese Region ausmacht, zu ertränken. Das Blau des Himmels, die Erdigkeit der Alpen bleiben immer sichtbar, mal mehr mal weniger. Mal ist es der Moment, wenn der Regen sich wieder zurückzieht und die Seealpen frisch erstrahlen, mal ist es der Moment, wenn der Regen alles für sich einnimmt.

Zwischen diesen beiden Polen hat Ginkel seine Reihe „Pluie, Alpes maritimes“ facettenreich positioniert – in ganz unterschiedlichen Ausprägungen von „regenerischer Dominanz“ und dem Widerstand der Farbe. Was Ginkel dabei im Bilde gelingt: Die Macht der Natur sichtbar und spürbar zu machen. „Da schwimmt man ein bisschen im Meer. Dann schaut man hinauf in die Berge und sieht, dass sich da ein paar Wolken zusammenziehen. Trotzdem entscheidet man sich, vielleicht noch einem Bergdorf einen Besuch abzustatten. Und dort schüttet es dann, das hält man nicht mehr aus. Da hilft kein Schirm. Und das war die Inspiration zu dieser Serie, das hat mich begeistert.“ Der Regen ändere für den Moment alles, „aber die Farben des Südens sind weiterhin da. Das ist eine Faszination. Wenn sich der Regen verzogen hat, wenn es noch so richtig dampft und verschleiert ist, dann kommt ein Sonnenstrahl – und die Farben stechen wieder raus.“

Dieses Spiel der Natur, die Gewalt des schüttenden Regens, die Farbigkeit des Landes als Kulisse dieser Macht, all das hat Ginkel in seinem unverkennbaren Stil eingefangen. Rund ein Jahr habe er an der aktuellen Ausstellung gearbeitet, eine Gefahr, sich dabei im Ergebnis des Einzelwerkes zu wiederholen, habe er nie erfahren. Dabei erlebe er das, was ihn zum Werk geführt habe, durchaus im Entstehen nochmal, „absolut, das ist drin. Und auch jetzt, wenn ich durch die Ausstellung gehe, sehe ich das vor mir. Aber natürlich ziehe ich daraus eine Essenz, meine Emotionen“. Und genau die, was nicht wirklich überrascht, hält Ginkel auch mit der aktuellen Ausstellung wieder auf höchstem Niveau fest.