Kubanische Musikshow begeisterte die Besucher in Homburg

Auftritt im Saalbau : Heiße Rhythmen im kalten Homburg

Die Live-Show „Pasion de Buena Vista“ war am Samstagabend im Saalbau in Homburg zu sehen. Doch hätten es ein paar Besucher mehr sein können.

Der Winter in der Region zeigt sich in diesen Tagen von seiner windigen, nassen und kalten Seite. Was würde da als Alternative besser passen, als ein paar (und ein paar mehr) heiße kubanische Rhythmen? Genau die gab es am Samstagabend im Homburger Saalbau. Dort gastierte die Live-Show „Pasion de Buena Vista“. Das bedeutete rund zwei Stunden lang Musik, Tanz und Lebensfreude der karibischen Insel.

Nun ist „Buena Vista“ und Kuba in der Welt seit langem ein feststehender Kulturbegriff. Der deutsche Filmemacher Wim Wenders setzte mit dem Dokumentarfilm „Buena Vista Social Club“ 1999 einem Musikprojekt von Ry Cooder ein bewegtes und bewegendes Denkmal. Cooder hatte 1996 gemeinsam mit dem kubanischen Musiker Juan de Marcos González und zahlreichen Alt-Stars der kubanischen Musik der 1940-er und 1950-er eine Platte produziert. Der Titel: „Buena Vista Social Club“. Dieser Titel bezog sich zum einen auf das Stadtviertel Buena Vista der Hauptstadt Havanna, zum anderen auf den „Club Social“, einem Kulturverein, der vor Castros Revolution auf Kuba und eben in diesem Stadtviertel große Bedeutung hatte.

Mit ihrer Platte und dem Film setzten Cooder und Wenders in der Folge die Standards für all das, was für die Massen populär als kubanische Musik gelten sollte. Beide Projekte waren weltweit ausgesprochen erfolgreich. Kubanischen Musiker wie Ibrahim Ferrer, Compay Segundo oder auch Joseito Fernandez erhielten endlich die Aufmerksamkeit, die ihnen jahrzehntelang nicht vergönnt war. Und wo Erfolg ist, da wird er weitergetragen – so von „Pasion de Buena Vista“. Unzählige Shows über den ganzen Erdball vertreut zeugen davon, dass der Geist von Buena Vista noch trägt. Allerdings: Wie schon so viele Produktionen zuvor tat sich auch die kubanische Musik- und Tanzshow in Homburg schwer. Gerade mal, wolhwollend betrachtet, halb voll präsentierte sich der Saalbau. Angesichts dessen, was da geboten wurde, durchaus enttäuschend.

Denn Musiker und Musikerinnen, Tänzer und Tänzerinnen hätten ein volles Haus verdient. Immerhin zeigten sich die, die sich für einen Abend voll kubanischer Leidenschaft entschieden hatten, hörbar begeistert von dem, was sie erleben durften. In einer Mischung aus Konzert und Tanzshow zelebrierte das Ensemble von „Pasion de Buena Vista“ ziemlich genau das, was man im Guten erwarten konnte. Farbenprächtig ging es zu, der Saal war gefüllt von karibischen Rhytmen. Dass alles ein bisschen bonbon-farben daher kam, dass galt es einzukalkulieren, es sollte ein folkloristisch-mitreißender Abend werden und keiner, der die vergangenen und gegenwärtigen Probleme Kubas 60 Jahre nach der kubanischen Revolution thematisierte. Und dieses Ansinnen kam an.

Wenn Klassiker wie „Bésame mucho“ erklangen, dann wurden die begeistert gefeiert – und die Show bewegte sich gekonnt ins Populäre und über die Grenzen Kubas hinweg, ist dieser Jazz-Standard im Original doch eine Schöpfung der mexikanischen Musikerin und Komponistin Consuelo Velázquez. In seiner kubanischen Interpreration eröffneten sich andere Farben, getragen von der typisch kräftigen Rhythmus-Sektion der Band und kolorierenden Elementen der Bläser mit Trompete und Posaune. Überhaupt sorgte das Arragement der Show dafür, dass sowohl Gesang als auch Instrumentierung und Tanz gleichwertig agierten. Immer wieder waren es so auch Solo-Passagen von Trompete, Gitarre und Klavier, die begeisterten – nicht weniger wie der mal gefühlvolle, mal mitreißenden Gesang und die nicht nur als Dekoration angedachten Tänze.

Der Mix aus kubanischen Traditionals mit bekannten Werken wie „Guantanamera“, das in seiner verbreitesten Variation auf eine Guajiara-Melodie der kubanischen Musik zurückgeht, machte den Abend auch für die Gäste hörbar attraktiv, für die die Musik der Insel nicht wirklich zum täglichen Leben gehört. Oder, um es mit den Worten von Zuhörerin Mareile Klein zu sagen: „Mir wurde richtig warm ums Herz“. Und was kann einem Besseres passieren an einem kalten, nassen Wintertag?