Krieg in der Familie

Homburg. Weihnachten in einer gutbürgerlichen Familie. Das Fest der Liebe bringt einen schwelenden Konflikt zwischen den Ehepartnern zum Ausbruch: wer entscheidet über Erziehung und Zukunft der Tochter, Vater oder Mutter? Der Vater, Wissenschaftler und Vernunftmensch, will die Tochter in die Stadt schicken und damit dem Einfluss von Mutter, Großmutter und Amme entziehen

Homburg. Weihnachten in einer gutbürgerlichen Familie. Das Fest der Liebe bringt einen schwelenden Konflikt zwischen den Ehepartnern zum Ausbruch: wer entscheidet über Erziehung und Zukunft der Tochter, Vater oder Mutter? Der Vater, Wissenschaftler und Vernunftmensch, will die Tochter in die Stadt schicken und damit dem Einfluss von Mutter, Großmutter und Amme entziehen. Die Mutter will ihr Kind "behalten und beherrschen". Es herrscht Krieg im Hause des Rittmeisters, ein Krieg, der nicht mit "noblen" Waffen geführt wird. Da ihr Mann auf seinen patriarchalischen Rechten und der damit verbundenen Überlegenheit gegenüber ihrem Geschlecht pocht, wird die Mutter so herausgefordert, dass sie zu ihrer stärksten Waffe greift. Sie schürt Zweifel an seiner Vaterschaft, entzieht ihm damit Macht und Recht über das Kind und stürzt ihn in den Wahnsinn und den Untergang. So die Kurzversion von August Strindbergs 1887 uraufgeführtem Werk, das nun vom Theater an der Ruhr in einer atmosphärisch dichten Inszenierung mit hoher schauspielerischer Intensität in Homburg auf die Bühne gebracht wurde. Das strenge, fast karge Bühnenbild, ein ganz in Schwarz gehaltenes Halbrund, erinnert an einen Käfig. Außer einem Stehpult mit Lampe und einem Kontrabass weist es keinerlei weitere Möblierung auf, was Umbauten zwischen den Szenen erspart, die auf Kosten der beklemmenden Stimmung gegangen wären. Deshalb wurde sicherlich auch auf eine Pause verzichtet. Thomaspeter Goergen ergreift bei seiner Inszenierung des Ehekriegs nicht eindeutig Partei. Auch wenn in dem Stück die Frauen als Hexen, Schlangen, Bestien bezeichnet werden, die gegen die Vernunft handeln, im Verborgenen kämpfen, die wissenschaftlichen Ambitionen der Männer torpedieren, weil sie die Materie nicht verstehen und alle Männer am liebsten als ihre unmündigen Kinder betrachten und behandeln. Dennoch spielt Petra von der Beek die Mutter Laura mit so vielen gefühlvollen und liebenswerten Zwischentönen, dass man sie nicht verurteilen kann, auch wenn der Zuschauer die seelischen Qualen des Vaters (Albert Bork) mit durchleidet, der am Schluss allein gegen alle steht. Beide sind Gefangene und Opfer eines Gesellschaftssystems, das zum Scheitern verurteilt ist. Eine beklemmende Aufführung, die den Zuschauer atemlos und nachdenklich nach Hause entlässt.

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