Hilfe im Katastrophenfall: Kreis wappnet sich für Krisenfälle

Hilfe im Katastrophenfall : Kreis wappnet sich für Krisenfälle

Wenn der Strom längere Zeit ausfällt, dann hat das weitreichende Folgen. Damit der Katastrophenschutz hier effizient helfen kann, braucht er bestimmte Hilfsmittel. Da der Kreis diese nicht vorhalten kann, kooperiert er nun mit Firmen.

Wenn der Strom ausfällt, dann sitzt man zuerst einmal im Dunklen. Doch das ist bei weitem noch nicht alles. Die Auswirkungen sind weitreichender, als die meisten spontan denken. Ampeln funktionieren nicht mehr, Menschen bleiben in Fahrstühlen stecken. Der Herd bleibt kalt, im Winter auch die Wohnungen ohne Heizung. Hält der Ausfall lange an, steht irgendwann das Handy nicht mehr zur Verfügung, das ja nur so lange hält, bis der Akku leer ist – und der kann, so wie bei Laptops und Co., nicht mehr aufgeladen werden. Benzin und Diesel bleiben ohne strombetriebene Pumpen in den Tanks der Tankstellen. Und ohne Pumpen ist auch keine Wasserversorgung möglich.

Um solche Krisenfälle beziehungsweise darum, wie und wer dann mit welchen Mitteln reagiert, ging es am Freitag in der Homburger Kreisverwaltung am Forum. Die hatte zu einer besonderen Vertragsunterzeichnung geladen. Vertreter von Unternehmen setzten ihre Unterschrift unter eine Kooperationsvereinbarung, in der sie sich bereit erklären, im Fall einer Krise – zu denen zählen unter anderem auch Großschadenslagen oder Naturkatastrophen – dem Katastrophenschutz bestimmte Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Dieser ist nämlich zuständig im Fall der Fälle.

Am Anfang, so erläuterte es Landrat Theophil Gallo, der in so einem Fall die Leitung des Katastrophenschutzes übernimmt, habe man sich Gedanken darüber gemacht, was eigentlich passiert, „wenn Versorgungsleistungen ausfallen, an die wir gewöhnt sind“. Eines war klar: Es handelt sich um Probleme, die eine Riesenwirkung haben. Und es sind bestimmte Mittel nötig, die der Kreis aber nicht alle vorhalten kann. So kam man auf die Idee, auf Ressourcen von Firmen zurückzugreifen. Das reicht von der Lieferung von Stromaggregaten sowie deren Erstbefüllung mit Treibstoff bis zu Wasser in Flaschen und loses Trinkwasser, dazu Anhänger zum Transport – in Gebiete, die sonst in einem Krisenfall nicht zu versorgen wären. Es geht von Toilettenwagen bis zu Mobilkränen und einer Notstrom-Einspeisemöglichkeit auf einem Betriebsgelände. „Mir ist es lieber, ich habe etwas, das ich nicht brauche, als dass ich etwas brauche, das ich nicht habe“, machte Landrat Gallo deutlich.

Es sei, machte er auch klar, ein Prozess, der laufe. Die Unterzeichnung an diesem Tag, an der sieben Firmen beteiligt waren, sei darin ein Meilenstein. Insgesamt arbeite man so nun mit acht zusammen. Es sollen weitere Unternehmen gewonnen werden, die sich auf diese Art und Weise für das Gemeinwohl engagieren. Bei einigen laufe schon die Anbahnung, ergänzte Kreisbrandinspekteur Uwe Wagner. Er skizzierte zudem die Vorgeschichte dessen, was am Freitag in die Kooperationsvereinbarung gegossen wurde. Im Mai 2013 sei eine Arbeitsgruppe Stromausfall gegründet worden. Zu der gehören die Verantwortlichen des Katastrophenschutzes und des Gesundheitsamtes sowie alle Energie- und Trinkwasserversorger der Region. Initiiert wurde die Gruppe von Wagner und dem Geschäftsführer der Stadtwerke Bliestal, Bernhard Wendel. In einem ersten Schritt sei in einer Sachstandabfrage der Ist-Zustand ermittelt worden, das sei „sehr ernüchternd“ gewesen. Es wurde zudem mithilfe eines Trinkwasser-Katasters ermittelt, wie lange die Trinkwasserversorgung im Fall eines Stromausfalls überhaupt noch möglich ist. Die Wasserversorger hätten aufgrund dessen bereits reagiert und Notstrom-Aggregate installiert. Ein kritischer Punkt: Für diese brauche man ausreichend Treibstoff. Im gesamten Saarpfalz-Kreis gebe es bislang eine Tankstelle, die dann mit Notstrom betrieben wird.

Zudem wurde ein Alarmplan erstellt, in dem festgelegt wird, wer, wie, mit wem im Krisenfall in Kontakt tritt. Dabei geht man von einem Stromausfall für mindestens zwei Stunden aus, von dem mehr als 10 000 Menschen betroffen wären. Der Plan werde zudem regelmäßig überprüft. Vor diesem Hintergrund zu sehen: Die Feuerwehrgerätehäuser sind im Krisenfall Anlaufstellen für die Bevölkerung, an denen sie Notrufe absetzen können, wo sie aber auch Informationen erhalten, wenn andere Wege nicht mehr funktionieren.

Vertreter von sieben Firmen unterzeichneten am Freitagmittag unter anderem in Anwesenheit von Landrat Theophil Gallo (vorne Mitte) eine Kooperationsvereinbarung mit dem Saarpfalz-Kreis. Darin erklären sie sich bereit, in Krisensituationen dem Katastrophenschutz bestimmte Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Foto: Ulrike Stumm

Zudem bereitet man Veranstaltungen vor, mit denen die Menschen im Kreis darüber informiert werden, was „von unserer Seite organisiert ist“ und was jeder zu Hause bevorraten sollte, sagte Landrat Gallo. Dabei gehe es nicht darum, die Leute zu verunsichern, es solle aber jeder wissen, wo er sich hinwenden kann. Denn trotz aller Bemühungen und Vorkehrungen, „wir werden“, machte Bernhard Wendel klar, „nicht alles lösen können, aber abmildern.“

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