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Konzert in Homburg : Jonas Ringtved und Linus Holst in Mandy's Lounge

Konzert in Homburg : Moderne Hippies aus Dänemark

Eigenes und Coversongs aus den 70ern brachten Jonas Ringtved und Linus Holst in die Musikkneipe Mandy‘s Lounge mit.

Ja, sterben diese Langhaarigen denn nie aus, die gerne psychedelische Folkmusik spielen und Crosby, Stills, Nash & Young covern? Offenbar nicht, denn sonst dürfte es Jonas Ringtved und Linus Holst ja gar nicht geben. Die beiden Dänen gastieren jetzt in Mandy’s Lounge und lieferten dabei einen rundum überzeugenden Auftritt ab. Hätte man beide mit einer Zeitmaschine 50 Jahre in die Vergangenheit geschickt – niemanden wäre es aufgefallen. „Ja, wir sind Hippies“, sagte Gitarrist und Sänger Ringtved, der eigentlich als Solo-Show angekündigt war, aber Holst mit auf Tour genommen hatte. Dieser meinte, jene Zeit, Ende Sechziger-, Anfang Siebzigerjahre sei eben in jeder Hinsicht attraktiv für die beiden.

Während Holst sagte, er habe in den letzten Jahren viel Beatmusik der Sechzigerjahre gehört, The Kinks und ähnliches, meinte Ringtved, er möge die bereits erwähnten CSN&Y und auch die Bands, aus der drei der vier Musiker kamen: The Byrds, The Hollies und Buffalo Springfield. Er müsse aber auch Johnny Cash erwähnen, der habe ihn als Allererster beeindruckt, da sei er erst sechs Jahre alt gewesen.

Zur Einordnung: Ringtved ist jetzt 26 und Holst gerade mal 25 Jahre alt. Kennengelernt haben sich beide, weil sie in verschiedenen Rockbands ihrer Heimatstadt Aalborg spielen. „Autobahn-Tour“ nannten sie diese erste gemeinsame Deutschland-Tour, die auch für Solokünstler Ringtved die allererste richtige war. „Die Auftritte in Dänemark, das kann man nicht Tour nennen, weil man ja doch jede Nacht im eigenen Bett schläft.“ Die Aussage erstaunte ein wenig, sind es doch von Aalborg im Norden bis nach Kopenhagen viereinhalb Stunden Fahrt.

Im Saarland waren die beiden jedenfalls zum ersten Mal. Der vollbärtige Ringtved erinnert nicht nur vom Aussehen ein wenig an Jethro Tull-Sänger Ian Anderson, er verfügt auch über eine ähnlich tief und rau klingende Stimme. Textlich geht es bei ihm häufig um den Alkohol - etwa in „Walk of Shame“. Der Song beschreibt die Situation, wenn man betrunken nach Hause wankt und mit unerklärlichen Beulen am nächsten Tag aufwacht. „Ich wollte eigentlich über den Typen reden, der ein totales Arschloch ist, habe dann aber rausgefunden: Das bin ja ich“, meinte Ringtved, der sich in jungen Jahren schon gut mit den Tiefen des Lebens auszukennen scheint.

Und er führt wohl auch schwierige Beziehungen: „Self destruction is the game she plays“, („Selbstzerstörung ist das Spiel, das sie spielt“) sang er da in einem Song über seine Freundin. Um seinen „inneren Jungen“ ging es im Song „Boy“: Der wolle immer alles sofort, er müsse ihm dann mit einem Nein Einhalt gebieten. Aber: Diese Songs habe Ringtved in einer schlechten Phase geschrieben, jetzt sei er ja Optimist – das war wohl ein kleiner Scherz am Rande. Neulich hatte der schwedische Posaunist Nils Landgren noch behauptet, überall in Skandinavien singe man gerne melancholische Lieder – außer in Dänemark.

Ringtved und Holst straften ihn Lügen. Zum Glück kam die Musik des Duos weniger schwermütig rüber. Auf der Gitarre spielte Ringtved nur das Nötigste, das aber präzise und stimmig. Holst wiederum spielte genau auf den Punkt, und das mit dem wunderbar warmen Sound, den er aus seinem halbakustischen E-Bass herausholte. Außerdem steuerte er die passende zweite Stimme zum Klangbild bei. Die Coversongs reihten sich nahtlos ins Ringtved-Repertoire ein. „Ohio“ von Neil Young erklang im ersten Set, „Bound to Fall“ von Stephen Stills im zweiten. „Teach Your Children“ von CSN&Y kam als bekannteste Nummer bei der Zugabe und regte so manchen in der Lounge zum Mitsingen an. Mit einem uralten Countrysong aus dem Jahr 1932 endete das Konzert. Ringtved und Holst hätten nach Ansicht des Publikums sicher noch ein wenig weiterspielen dürfen, waren damit aber am Ende ihres Repertoires angelangt.