Komponist Frank Nimsgern zu Gast in der Gemeinschaftsschule Limbach

Musical-Star spricht mit Schülern in Limbach : So komponiert man ein Musical

Frank Nimsgern gab in der Gemeinschaftsschule Kirkel Einblicke in seine kreative Schaffensarbeit.

Ohne Zweifel: Als Musiker, Komponist und Erschaffer nachgefragter Musicals ist Frank Nimsgern eine richtig große Nummer. Auf seiner Haben-Seite unter anderem: Erfolge von „Paradise of Pain“ und „Snowhite“, die das Boom-Genre Musical schon vor Jahren auf eine neue Ebene gehoben haben, als „Rock-Musicals“ noch eine Novität waren. Doch der Saarbrücker Nimsgern ist noch viel mehr als ein erfolgreicher Musiker und Komponist, auch Produzent und Dozent stehen in seiner Vita. Nicht nur nebenbei beherrscht er Gitarre und Klavier meisterhaft. In Homburg hatte Nimsgern auch schon einen gefeierten Auftritt, als er mit seiner Musical-Gala 2014 bei der Festa Italiana gastierte.

Es hatte sich also für den vergangenen Dienstag ein echtes, musikalisches Schwergewicht in der Gemeinschaftsschule Kirkel in Limbach angekündigt, dort sollte und wollte Nimsgern auf Einladung von Lehrer Markus Lelle einen zweistündigen Workshop halten, das Thema „Wie schreibe ich ein Musical“. Was die Schüler von Beginn an mit auf den Weg bekamen, das war die Gewissheit: Auch wenn ein Musical aus Gesang und Musik besteht, steht ganz am Anfang, wie bei jeder Geschichte, die Konzeption einer mitreißenden Handlung. Und so zerlegte Nimsgern die Anfänge einer Musical-Produktion ganz professionell in einzelne Schritte, dabei immer bestrebt, die Jugendlichen der neunten und zehnten Klassen, die am Workshop teilnahmen, dort abzuholen, wo man heute in diesem Alter einfach steht.

Das gestaltete sich durchaus als Herausforderung, die Nimsgern gerne annahm – so, als er geschickt den Bogen spannte von den Figuren echter Klassiker mit ihren Ur-Typen bis hin zu seiner Produktion „The Ring“, der Wandlung von Wagners Opern-Trilogie „Der Ring des Nibelungen“ hin zum modernen Rock-Musical. Wer nun mit Nimsgerns musikalischem Duktus nicht vertraut ist: Wo Wagner in der Vorlage auf die Instrumentierung eines klassischen Orchesters zurückgreift, lässt der „The Ring“-Schöpfer E-Gitarren und Schlagzeuge krachen, ein Rock-Musical eben. Auf dem Weg zum „Warum“ und „Wie“ fühlte Nimsgern den Schülern auf den Zahn: Welche Musik sie gerne hörten – und welche Helden sie hätten. „Ich versuche Euch kennenzulernen und dann lernt Ihr mich kennen.“ Auf die Frage nach den Helden, hier rückte dann so langsam die Wagnersche Geschichte vom Ring in den Fokus, kamen bei den Jugendlichen natürlich vor allem auf die aus dem Marvel-Universum, sprich Captain America, Iron Man, Spiderman und, und, und. Und natürlich wurde auch die Blockbuster-Serie „Game of Thrones“ genannt. Von da aus war dann der Weg nicht weit zu Wagners Helden Siegfried und der Geschichte des „Rings des Nibelungen“, denn, wie Nimsgern klar machte: „Solche Serien basieren eigentlich auf der Nibelungen-Sage.“ So fänden sich dort alle Archetypen, die man in solchen modernen Werke fände, auch Tolkiens „Herr der Ringe“ gründe auf den Muster-Figuren. Nun, was ist eine „Archetype“? Vereinfacht beantwortet beschreibt dieses Wort den „Urtyp“ einer Figur in seiner Grundstruktur und zu erwartenden Handlungsweise, also den „Helden“, seinen Gegenspieler, den Unentschlossenen. Nimsgern, ganz der Komponist, verwandte hier die Fachbegriffe „Protagonist“ und „Antagonist“ als grundhafte Gegenpole einer jeden Geschichte.

„Was wäre Batman ohne den Joker? Jeder Held braucht einen Super-Schurken.“ So schilderte Nimsgern Schritt für Schritt den Weg in der Entwicklung eines Musical-Stoffs, von der inhaltlichen Vorgabe (Prämisse) bis zum Höhepunkt der Story (Climax). „So fange ich an, ein Stück zu schreiben.“ Einer, der da zusammen mit seinen Schülern aufmerksam zuhörte, war natürlich Markus Lelle. Er hatte, weil selbst Musiker und mit Nimsgern seit 15 Jahren befreundet, den Kontakt hergestellt und den Musical-Komponisten nach Limbach geholt. Ziel dieses ganz besonderen Angebots sei es, so Lelle, junge Leute aktiv an die Musik heranzuführen, „wir haben leider das Problem, dass an den Gemeinschaftsschulen der Anteil von Jugendlichen, die ein Instrument spielen, prozentual eher gering ist.“ So gelte es, Jugendliche altersgerecht anzusprechen. „Man darf nicht nur Klassik unterrichten, sondern muss mitten drin auch mal Freiräume geben. Das ist sehr, sehr wichtig: Nicht nur den Lehrplan durchboxen.“