Heringsessen in Homburg : Homburg kann es besser

Die Worte des neuen ersten Mannes im Rathaus beim Heringsessen waren an Deutlichkeit nicht zu überbieten. Bürgermeister Michael Forster (CDU), der die Vertretung des Oberbürgermeisters wohl bis zur Neuwahl in noch nicht absehbarer Zeit übernehmen wird, hat dabei im Grunde das bestätigt, was der Richter am Landgericht in seinen persönlichen Einlassungen zum Urteilsspruch gegen Rüdiger Schneidewind gemeint hatte: In der Stadtverwaltung Homburg herrscht in Teilen das Chaos.

Mängel bei der Wahrnehmung von Verantwortung,  was nicht nur die Verwaltungsspitze, sondern auch Bereiche der zweiten Führungsebene betreffen dürfte. Kurzum, hier wird  eine Leistung erbracht, die die Bürger der Stadt nicht verdient haben – aber letztlich bezahlen müssen. Forster hat es etwas freundlicher ausgedrückt, weil er weiß, dass er es nur gemeinsam mit den Rathaus-Mitarbeitern schaffen kann, Homburg wieder auf Kurs zu bringen. Dabei sollte er sich auf diejenigen verlassen, die dazu  gewillt sind und die es definitiv in ausreichender Zahl gibt. Denn bei weitem nicht alle liefern eine schlechte Arbeit ab, dieser Eindruck, der derzeit entstehen könnte, trifft nicht zu. Aber so manche wurden über Jahre in ihrem Tun eingebremst. Eingebremst von Verwaltungschefs, die, so scheint es, teilweise wie Feudalherren aufgetreten sind und nun die Gerichte bemühen. Eines dürfte auch klar sein: Michael Forster wird nicht umhin kommen, an entscheidenden Positionen im Rathaus personelle Wechsel vorzunehmen. Wenn eines an den Verhandlungstagen vor dem Landgericht deutlich wurde, dann das.

Es wird eine Mammutaufgabe, um die der kommissarische erste Mann nicht zu beneiden ist. Aber Forster scheint zu wissen, wo die Hebel anzusetzen sind. Doch wird er sich letztlich an seinen Worten messen lassen müssen. Man kann nur hoffen, dass er möglichst viele Mitstreiter quer durch alle Ratsfraktionen und im Rathaus selbst finden wird. Denn: Homburg kann es besser, als das derzeitige Trauerspiel vermuten lässt.