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Historische Figuren
Über Moritat und Grenzverläufe

 Res Hoffmann schnitzt die dritte Figur im Bunde des Moritatenweges am gehnbach in St. Ingbert: Greths Liebhaber, dargestellt als Bergmann.
Res Hoffmann schnitzt die dritte Figur im Bunde des Moritatenweges am gehnbach in St. Ingbert: Greths Liebhaber, dargestellt als Bergmann. FOTO: Selina Summer
St. Ingbert. Am Wochenende organisierten der Heimat- und Verkehrsverein, die Gehnbachfreunde und die VHS ein gemeinsames Event, bei dem es gleich um zwei spannende geschichtliche Besonderheiten ging.

„Geh nicht in den Wald, dann holt dich die Greth!“ Viele St. Ingberter Kinder kannten früher diese Warnung. Entlang der Gehnbach, im Nassauer Graben, hinweg über die Grenze von Bayern nach Preußen hat diese Geschichte einen wahren Ursprung. Im Oktober 1889 war das Ehepaar Matz und Greth unterwegs von Dudweiler nach St. Ingbert, um dort dank des günstigeren Bieres Wirtshäuser aufzusuchen. Begleitet wurden sie von ihrem Kostgänger, der mit Greth zusammen schon früh am Abend den Heimweg antrat. Matz blieb noch eine Weile – und wurde am anderen Tag tot am Neuweilerweg, dort unten bei der Gehnbach, aufgefunden. Mit sechs Hieben hatte man ihm den Kopf abgeschlagen. Die Tatwaffe, ein Grubenbeil, lag nicht weit entfernt. Wie sich herausstellte, waren es seine Frau und der Kostgänger, Greths Geliebter, gewesen.


Diese wahre Begebenheit inspirierte über die Jahre auch viele Künstler. Damit sie nicht in Vergessenheit gerät, wurde inzwischen der Moritatenweg eingerichtet. An zwei Stellen findet man bereits mit Kettensägen aus Eiche geschnitzte Figuren an Bänken, mit passenden „Grabsteinen“ auf denen die Geschichte nach Klaus Stief geschrieben steht. Gefertigt wurden sie von Andreas Müller. Am Wochenende kamen weitere Figuren hinzu. Das Abbild des Liebhabers und Kostgängers entstand unter der Hand der fränkischen Speedcarverin Res Hofmann. Bekannt wurde sie im Netz durch ihre viereinhalb Meter hohe Trojanerskulptur, die seit einigen Wochen auf dem Saarbrücker Campus vor dem Cispa-Institut aufgestellt steht.

Zudem befindet sich am ehemals bayrisch-preußischen Grenzübergang der Kuhfladenbrunnen, der dank den Gehnbachfreunden und Andreas Müller eine Kuh geschnitzt bekam – zumindest die hintere Hälfte. Von der Aktion begeistert und amüsiert erklärte sich daraufhin über die sozialen Netzwerke der Sägenkünstler Joerg Hammermeister bereit, den passenden Kuhfladen zu „schnitzen“. Darauf sitzend ein paar Raben.



Die Führung von der Gehnbachstraße bis hin zu den Figuren übernahm der Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins Konrad Weisgerber. Unterstützt wurde er von Wolfgang Blatt, der zwei Mundartgedichte von Manfred Kelleter zum Besten gab. Damit war die Tour durch St. Ingberts Geschichte und die Gehnbach jedoch noch nicht vorbei. Es ging weiter entlang der Grenze zum Grenzstein 25. Bei Waldarbeiten war dieser vor vielen Jahren umgelegt worden und lagerte etwa 15 bis 20 Jahre auf dem Bauhof. Dank der tatkräftigen Unterstützung des Rotary-Clubs St. Ingbert kehrte er nun an seinen Platz zurück.

Die feierliche Enthüllung des historischen Denkmals erfolgte ebenfalls an diesem Nachmittag unter Trompetenklängen sowohl bayrischer als auch preußischer Weisen. Den richtigen Platz zu finden erwies sich als gar nicht so einfach. Aber mit Unterstützung der Förster und fachkundiger Unterstützer ließ sich auch dieses Problem lösen. Den schweren Stein am Samstag vor den Augen der Besucher zu setzen, klappte leider nicht. Das steinerne Schwergewicht wurde unter Anstrengungen bereits vor ein paar Tagen gesetzt, blieb aber unter einer Plane verhüllt.