B423-Umgehung Kein gutes Haar an der Umgehung

Homburg · Im Moment wird über die geplante B 423-Umgehung wieder heftig gestritten. Eine Bürgerinitiative will den Bau verhindern. Dafür soll, wenn notwendig, auch der Klageweg beschritten werden.

 Redaktionsbesuch Homburg von der Bürgerinitiative gegen den Bau der B423 neu (von links): Hardy Welker, Bernhard Meyers, Joachim Schultz, Hans-Peter Breit. Foto: Ulrike Stumm

Redaktionsbesuch Homburg von der Bürgerinitiative gegen den Bau der B423 neu (von links): Hardy Welker, Bernhard Meyers, Joachim Schultz, Hans-Peter Breit. Foto: Ulrike Stumm

Foto: Ulrike Stumm

Es gibt einen Satz, den können die Männer von der „Bürgerinitiative gegen den Bau der B 423 neu“ nicht mehr hören: „Wir sind jetzt seit 40 Jahren an der Straße dran, da wollen wir nicht mehr diskutieren.“ Diese Antwort bekommen sie häufig von Menschen, die sich schon lange für den Bau der Umgehungsstraße einsetzen, auf ihre Argumente, die gegen dieses Vorhaben sprechen. Das ärgert sie, denn: „Wir reden über eine Straße, bei der die Ausgangspositionen gar nicht mehr zutreffen“, machen sie klar. Wenn man sich das Ganze unter heutigen Gesichtspunkten anschaue, dann sei es so nicht mehr sinnvoll, auch wenn man es früher einmal gut begründen konnte.

Hardy Welker, Bernhard Meyers, Joachim Schultz und Hans-Peter Breit – sie kommen aus Beeden, Schwarzenbach und dem Wohngebiet Jägerhausstraße – sind in die Homburger Redaktion gekommen. Seit April engagieren sie sich zunehmend lautstark gegen das Projekt „B 423 neu“, ab da, als die gesetzte Streckenführung bekannt wurde. Sechs Personen machen den Kern der Initiative aus, der Unterstützerkreis sei aber wesentlich größer. Das zeigt etwa eine Unterschriftenliste, bei der man sich mittlerweile auf die Zahl 2000 zubewege. Ihr Ziel: Die Straße soll so nicht gebaut werden. Sie bedeute mehr Verkehr, mehr Lärm, zerstöre die Erbachaue, hohen Kosten stehe ein fragwürdiger Nutzen gegenüber. Den Verantwortlichen werfen sie vor, nicht den Mut zu haben, ihre Entscheidung zu relativieren. Oder, wie Meyers, es etwas poetischer nach einer Indianerweisheit formuliert: „Wenn Du ein totes Pferd reitest, dann steig’ ab.“ Bei aller Poesie: Sie sagen das nicht einfach so, sie haben konkrete Gründe, Zahlen, zusammengetragen, ziemlich viele und sehr detaillierte. Und sie sind entschlossen, hier wirklich alles einzusetzen, was möglich ist, damit die Straße so nicht gebaut wird. Wenn aber tatsächlich Baurecht geschaffen wird, sich am Plan nichts ändert, „dann werden wir klagen. Und wir werden bis zum Schluss zur letzten Instanz durchhalten“, kündigt Breit an, ruhig, aber entschlossen.

Zur Erinnerung: Im Moment läuft das Planfeststellungsverfahren. Die Unterlagen für die Trasse kann man noch bis Donnerstag einsehen, bis zum 3. August kann man Einwände gegen das Bauvorhaben schriftlich ins Verfahren einbringen. Gestern Abend ging es im Homburger Stadtrat um eine eigene Stellungnahme zur Sache (Bericht folgt). 2020, so war in jüngster Zeit zu hören, sollte Spatenstich sein – allerdings nahm die Causa Umgehungsstraße auch in der Vergangenheit vor Wahlen gerne mal Fahrt auf, danach wurde es dann wieder leiser. Viele Menschen glauben mittlerweile sowieso nicht mehr wirklich daran, dass die Trasse jemals gebaut wird – zu viel Zeit ist ins Land gegangen. Aus der Stadt war jedoch auch zu hören: So ein Planfeststellungsverfahren sei schon so eine Art Startschuss.

Die Bürgerinitiative hat viele Argumente gegen die Streckenführung der Umgehung über eine neue Anschlussstelle an der Autobahn A 8 in Höhe des Mastauhofes letztlich auch über einen Teil des brach liegenden DSD-Geländes bis in Höhe des Homburger Forums. Dazu gehört auch ein Brückenbauwerk über die alte Bahnlinie zwischen Homburg und Zweibrücken. 9,5 bis 11 Meter hoch soll die Brücke werden, führt Welker aus. Der Lärm schalle dadurch unter anderem über Beeden hinweg. „Das ist ein Riesenproblem.“ Übrigens auch optisch. Und auch auf ein Mehr an Emissionen weisen sie hin. Das Naherholungsgebiet Mastau, mittlerweile sehr beliebt, werde durchschnitten, zerstört. Man mache, so Meyers, ein eimaliges Stück Natur kaputt.

Sehr viel mehr Wohnungen etwa in Beeden, am Steinhübel, am Zweibrücker Wasserwerk, der Jägerhausstraße, wo der Aufstieg der Straße bis zur maximalen Brückenhöhe beginnen soll, würden belastet als beispielsweise in Schwarzenbach entlastet. „Wenn die Straße wirklich kommen muss, dann mit einer Untertunnelung von der A 8 bis zur Jägerhausstraße“, macht Welker klar. Überhaupt der Lärm: Auch auf der A 8 sollen künftig mehr Autos fahren – 20 000 zusätzlich bei 30 000, die hier jetzt schon auf dem Weg sind. Diese Steigerung sei aber laut den Lärmgutachtern nicht relevant, führen sie aus.

Die Motive der Stadt stellen sie  in Frage. Die wolle hier nicht primär Schwarzenbach, Schwarzenacker und Einöd entlasten, vielmehr gehe es um ein neues Industriegebiet in der Stadtmitte. Gemeint ist das alte DSD-Gelände, festgelegt, was hier einmal hin soll, hat man sich aber noch nicht (wir berichteten).

Grundlegend zweifelt die Bürger­initiative sowieso an, dass Schwarzenbach/Schwarzenacker durch die Umgehung deutlich entlastet werden könnten. Sie führen hier die Verkehrsmengenkarte, Quelle das Landesamt für Straßenbau (LfS), ins Feld, genau am Zählpunkt Schwarzenbach – hier seien deutlich sinkende Verkehrszahlen zwischen 2000 und 2010 auszumachen. Genau dazwischen falle nun eine Zahl aus dem Jahr 2006, auf deren Basis analysiert wurde, was hier im Jahr 2030 zu erwarten sei. An zwei Wochenenden habe man Autos und Lkw gezählt, das Ergebnis: plötzlich deutlicher mehr Pkw als auf der Verkehrsmengenkarte. Aber, so die BI, ausgerechnet an den Zählwochenenden gab es „singuläre“ Veranstaltungen mit vielen Besuchern von außerhalb in Homburg: Keramik-, Flohmarkt und ein Musikfestival. Und sie gehen weiter, ziehen Belastungsrechungen heran, bei denen durchgespielt wird, wie viele Autos eine Umgehung nutzen und wie viel Verkehr weiter durch die Orte fährt. Ergebnis: Die Lärmentlastung, die etwa durch Flüsterasphalt erreicht werden könnte, wäre wesentlich höher, so die BI: Ganz zu schweigen davon, dass es bei einer neuen Straße Schnittflächen geben würde, an denen die Menschen von zwei Seiten Schall abbekämen. Das sind nur Beispiele für ihre Recherchen, die anderen stecken im dicken Ordner. Viel Arbeit haben sie investiert und sie wissen, dass noch einiges vor ihnen liegt.