Junge Historiker feierten in Homburg

Jubiläum : Großer Einsatz gegen das Vergessen

Die Geschichts-AG des Saarpfalz-Gymnasiums in Homburg gibt es seit mittlerweile 20 Jahren. Grund genug, den Anlass kräftig zu feiern.

Als sich vor 20 Jahren am Homburg Saarpfalz-Gymnasium die Geschichts-AG formierte, dachte wohl keiner daran, dass diese selbst einmal Geschichte schreiben würde. Aber wer sich die großen Pinnwände voller Erinnerungsbilder und Zeitungsartikel im Gang der Schule anschaute, war schon beeindruckt, was alles in diesen zwei Jahrzehnten passiert ist. Begegnungen mit der Bundeskanzlerin, mit dem Bundespräsidenten, ja sogar mit dem Papst sind dort dokumentiert. Am wichtigsten erscheint aber die Arbeit, die Geschichtslehrer Eberhard Jung mit seinen Schülern gegen das Vergessen der Naziverbrechen und der Weltkriegsgräuel geleistet hat.

Jung trieb KZ-Überlebende auf wie Alex Deutsch und Buddy Elias, den Cousin von Anne Frank, und ließ sie den Schülern von ihren Erfahrungen berichten. Beide sind leider vor einigen Jahren gestorben. Zur Jubiläumsfeier in der Schulmensa war aber Deutschs Witwe Doris erschienen, ebenso wie die Weltkriegsveteranen Kurt K. Keller (mit seiner Frau Gertrud) und Max Eckl. Der 95-jährige Eckl war dabei mit dem Fahrrad aus Altstadt angereist. Ebenfalls anwesend waren weitere langjährige Weggefährten der Arbeitsgemeinschaft, wie der ehemalige Landrat Clemens Lindemann, die Leiterin des Stadtarchivs, Karina Kloos, und die Erbacher Ortsvertrauensfrau Anni Schindler. Gemeinsam wurde ein interkulturelles Frühstück eingenommen, das von den Schülern des Saarpfalz-Gymnasiums zubereitet wurde. Über einen selbst erfundenen pfälzischen Elwetrittsche-Kuchen, mehrere bayrische Prinzregententorten und lothringische Quiche ging es zu amerikanischen Pancakes, russischem Käsekuchen, süditalienischen Panzerotti, dem japanischen Sushi und vielem mehr.

Zuvor nutzte Jung die Gelegenheit, auf 20 Jahre Geschichts-AG zurückzublicken. Er erinnerte an den Besuch bei Buddy Elias in Basel, als Schüler den Kinderstuhl oder die Halskette von Anne Frank zu sehen bekamen: „Das war ein ganz nahes Erlebnis zu Anne Frank.“ Elias habe die deutsche Schülergruppe sehr wohlwollend behandelt. „Wer noch gut ankam, war Papst Johannes Paul II. Sein Strahlen in den Augen, wenn der Kinder gesehen hat, das war schon phänomenal.“ Der „Papst“ der Geschichts-AG in Friedensangelegenheiten sei aber Alex Deutsch gewesen. „Frau Deutsch versucht das Erbe von Alex weiterzuführen und ist ständig bei uns.“

Derzeit gehören fünf Schüler zum harten Kern der Geschichts-AG. Dabei sind zum einen die Freunde Malek Al Kadah (16) und Laurin Seichter (15) aus der zehnten Klasse, die seit der sechsten Klasse die AG besuchen. Beide durften schon in der saarländischen Staatskanzlei eine Rede halten und begegneten an gleicher Stelle Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Am längsten, nämlich seit fünf Jahren, ist der 17-jährige Johannes Göddel in der AG. „Mir sagte mein damaliger Geschichtslehrer, ich solle in die AG gehen. Mir hat das gleich Spaß gemacht, weil Herr Jung das sehr engagiert macht.“ Seit vier Jahren sind Cecilia Klein und Jasmin Martin dabei, einfach weil sie Spaß an dem Fach Geschichte haben. Als tolle Erlebnisse nennen sie den Ausflug nach Verdun und das Anbringen der 17 Thesen an die Stadtkirche im Jahr des Reformationsjubiläums. Damals hatten die Schüler unter anderem Umweltkatastrophen angesprochen und das Problem, dass die Religionen sich diskriminierten.

Jung sagte, er sei sehr stolz auf die Schüler seiner Kerngruppe. Das Geheimnis des langen Bestehens der Geschichts-AG liege in den interessanten Themen und den attraktiven Zeitzeugen. Außerdem mache man bei vielen Aktionen und Wettbewerben mit wie dem Wortsegel-Schreibwettbewerb oder dem Alex-Deutsch-Preis. Letzterer ist das große Ziel von Eberhard Jung: „Den wollen wir unbedingt haben.“ Noch zwei Jahre wird der Lehrer an der Schule sein, bevor er in Pension geht, einen Nachfolger habe er sich bereits ausgeguckt. Schulleiter Jürgen Mathieu würdigte das Engagement des Geschichtslehrers: „AGs kommen und gehen, 20 Jahre sind da eine außergewöhnlich lange Zeitspanne. Herrn Jung war es immer wichtig, dass Menschen da sind, die Geschichte repräsentieren, seine berühmten Zeitzeugen.“

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