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Jazzklänge auf dem Marktplatz Homburg

Kultursommer : Musikalischer Flirt mit dem Publikum

Das polnische Gesangstrio Swingin’ Birds begeisterte erneut beim Jazzfrühschoppen auf dem Homburger Marktplatz.

Besser konnten die meteorologischen Bedingungen kaum sein beim Jazz-Frühschoppen am Samstag, als zum dritten Mal die Singin’ Birds aus Warschau auf dem historischen Marktplatz in Homburg gastierten. Die drei Sängerinnen Dominika Kasprzycka, Joanna Czarkowska und Dominika Dulny waren mit ihrer Begleitband in den vergangenen Jahren so gut angekommen, dass der Kulturbeigeordnete Raimund Konrad sie gerne wieder ins Programm genommen hatte. Der voll besetzte Marktplatz und die sehr gute Resonanz gaben ihm recht.

Die drei Polinnen übten sich einmal mehr in der schwierigen Disziplin des Close-Harmony-Gesangs, bei dem die Tonabstände zwischen den einzelnen Stimmen allerhöchstens eine Terz betragen. Das erzeugt den typischen Klang der goldenen Ära des Swing, wie sie beispielsweise von den Andrew Sisters geprägt wurde. Singin’-Birds-Pianist Marcin Piekos schreibt diese komplizierten Gesangs-Arrangements, die ein weibliches Gesangtrio fast wie eine Brass-Section klingen lässt. Bei den Singing’ Birds kommt neben dem tollen Klang noch ein weiterer Aspekt zum Tragen. Das Auge hört ja mit, wenn man so will, und so verzückten die drei hübschen Polinnen vor allem die männlichen Zuhörer bei ihrem Flirt mit dem Publikum. Sie warfen Kusshändchen ins Publikum, machten Schmollmünder oder verließen einmal sogar die Bühne um direkt vor den Leuten zu tanzen. In der auf Englisch gehaltenen Moderation tauchte manchmal sogar ein deutscher Satz auf wie am Ende: „Es war eine Freude, für Sie zu spielen“.

Die beiden Dominikas und Joanna haben sich 2001 während des Studiums in Warschau kennengelernt und wollten zunächst eine Band für Straßenmusik gründen, so erzählte es Joanna hinterher. Doch die Singin’ Birds etablierten sich schnell in der polnischen Musikszene. So erfolgreich sogar, dass die Sängerinnen durch ihre Engagements mit dieser Band ihren hauptsächlichen Broterwerb bestreiten. Jetzt sind alle drei Mütter von zum Teil noch sehr jungen Töchtern – zwei sechs beziehungsweise acht Monate alte Babys mussten den langen Weg von Posen, dem letzten Konzertort, bis nach Homburg mitmachen.

Dass die Band die Nacht im Tourbus verbringen musste, war den Musikern aber in keiner Weise anzumerken. Frisch und ausgeschlafen klangen Pianist Piekos, Schlagzeuger Marcel Piszczorowicz, Jacek Kaliszewski am Kontrabass sowie Maurycy Idzikowski und Wojciech Psiuk an Trompete und Saxofon. Neben bekannten Stücken wie „Cheek to cheek“ oder „Bei mir bist du schön“ wagten die Singin’ Birds auch mal Ausflüge zu polnischen Swing-Kompositionen oder spielten eine Latin-Version des Tina Turner-Stücks „Simply the best“.

Obwohl ja derzeit der Lindyhop, der zum Swing zugehörige Tanz, eine große Renaissance erlebt, gab es mit Anne-Lena Fabricius und Oliver Hartmann nur ein Tanzpaar während des Konzerts. Die beiden Blieskasteler bezeichneten sich selbst als semiprofessionelle Tänzer, die in Homburg eine Swingtanzgruppe leiten. „Wir schauen immer, was so los ist an Swing-Veranstaltungen, da gehen wir gerne hin, um zu tanzen. Diese Band kannten wir noch nicht, aber die waren ganz toll. Livemusik ist immer toll. Aber wenn man merkt, dass Gesang und Begleitung gut aufeinander eingespielt sind, macht das besonders Spaß.“ Auch Alexander Müller aus dem Schwarzwald war begeistert: „Ich habe meine Freundin besucht,  das war die beste Idee, hier heute Morgen herzukommen. Man hat gehört, dass die Musiker eine fundierte Ausbildung haben, das war spitzenmäßig.“ Da schloss sich auch Bernd Kuntz aus Homburg an: „Ich kannte die Band noch nicht, aber ich finde, dass die Extraklasse waren, auf sehr hohem Niveau. Swingmusik ist außerdem immer schön.“