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Jazzfrühschoppen bei Traumwetter in Homburg

Musiksommer : Die Sumpfkatzen brachten New Orleans auf den Marktplatz

Zydeco Annie und ihre Swampcats begeisterten zum zweiten Mal in Folge mit flotten Südstaaten-Klängen in Homburg.

Wenn es eine Band schafft, gleich in zwei aufeinanderfolgenden Jahren für den Homburger Jazzfrühschoppen engagiert zu werden, dann ist das mit Sicherheit eine Formation, die richtig, richtig viel Eindruck hinterlassen hat. Dieses Prädikat haben sich Zydeco Annie und ihre Swampcats verdient. Nachdem Anja Baldauf, so die Bandleaderin mit bürgerlichem Namen, schon 2018 mit ihren Swampcats, ihren Sumpfkatzen, für Furore auf dem historischen Marktplatz in Homburg gesorgt hat, durfte sie diesen Meisterstück am Samstagvormittag wiederholen.

Damit durchbrach sie die fast schon eiserne Regel von Raimund Konrad, dem ehrenamtlichen Kulturbeigeordneter und Vorsitzender der Interessengemeinschaft Homburger Altstadt, Bands nie in zwei Jahren nacheinander auf die Bühne zu bitten. „Wenn ich diese Band heute zum zweiten Mal nach 2018 ankündige, dann geschieht das auf vielfachen Wunsch der Konzertbesucher im vergangenen Jahr, die alle gesagt haben: Die müssen wir unbedingt nochmal hören.“

Damit wussten die, die schon 2018 Zydeco Annie & The Swampcats erlebt hatten, was sie an diesem Morgen erwarten wird. Neuen Gästen gab Konrad schon mal eine kurze Wesensbeschreibung der Musik der Band mit auf den Weg in den Vormittag. „Zydeco ist eine der Wurzeln des typischen New-Orleans-Jazz, der Blues, der gesamten afro-amerikanischen Musik. Ja, man kann sagen, das ist eine Wurzel des Rhythm and Blues, der modernen Pop-Musik – so weit geht das.“

Den Worten Konrads ließ Anja Baldauf dann mit ihrem Alter Ego Zydeco Annie und ihren Sumpfkatzen Taten, sprich, Noten folgen. Und die hatten es, wie schon im vergangenen Jahr, mächtig in sich. In der Instrumenten-Besetzung Akkordeon, One-Row, Melodion, Piano, Percussion, Gitarre, Bouzouki, Gitarre, Geige Kontrabass, Schlagzeug und Gesang geschah das, was Baldauf schon im vergangenen Jahr für das damalige Konzert angekündigt hatte und was sie am vergangenen Samstag sehr zur Freude der Besucher des Jazzfrühschoppens wiederholte: Nach Louisiana, in die Region rund um New Orleans, wolle sie alle vom Homburger Marktplatz aus mitnehmen. Und was soll man sagen: Auch die zweite Reise in den heißen Süden der USA war ein voller Erfolg, Reiseleiterin Anja Baldauf und ihre bestens aufgelegte Crew hoben mit ihren Gästen ab und landeten mit in der Musikwelt des Zydeco.

Doch was hat es, jenseits der einleitenden Worte von Raimund Konrad, mit dieser ganz besonders regional geprägten Spielart des Jazz eigentlich auf sich? „Der Zydeco ist eine schnelle, tanzbare Musikform aus dem Süden und Südwesten des US-Bundesstaates Louisiana. Charakteristische Instrumente sind das Akkordeon und das Waschbrett, das Frottoir. Die Texte sind überwiegend in englischer Sprache, manchmal auch in Cajun-Französisch“, kann man da im Internet nachlesen. Doch Musik entsteht bekanntlich ja jenseits jeglicher in Worte gefasster Definitionen. Und so verwandelten Zydeco Annie und ihre Swampcats eher trockene Musik-Theorie ein weiteres Mal in ein lebendiges und mitreißendes Klangbild des Südens der USA.

Es war wahrlich schwer, die Füße stillzuhalten angesichts dessen, was da von der Bühne aus in Richtung Zuschauer erklang. Prägend dabei natürlich in Sachen Sound vor allem Anja Baldaufs Akkordeon-Spiel, das dem Zydeco seinen unverwechselbaren Charakter gibt – ebenso wie das berühmte „Rough Board“, ein vor dem Bauch getragenes „Waschbrett“, das seinerseits diesem Südstaaten-Jazz ein echtes Markenzeichen verschafft. Drumherum inszenierten alle Sumpfkatzen eine vielteiligen Klangatmosphäre. Wenn man da die Augen schloss, sich die Sonne aufs Gesicht scheinen ließ und den Geist auf die Reise schickte, dann war man ganz, ganz schnell in den Straßen von New Orleans.

Am kommenden Wochenende geht’s natürlich mit dem Homburger Musiksommer weiter. Für „Querbeat“ am Freitagabend haben sich Rumbella angekündigt – und damit eine waschechte Gipsy-Kings-Coverband. Am Samstagmorgen hat dann die Uni-Bigband der Medizinischen Fakultät Homburg ihren Auftritt, zu hören gibt es dann traditionellen Jazz, Swing und Latin, ergänzt mit der einen oder anderen musikalischen Überraschung.