Jazz auch ohne Notenblatt

Homburg. Es war kein Glückstag für die Band Joys of Jazz aus Castrop-Rauxel. Einzig für die Jazz-Fans, die mit Schirmen geschützt dem Wetter trotzten, war es ein schöner Tag. Nicht genug damit, dass anhaltender, heftiger Regen sogar die meisten Stammgäste des Jazz-Sommers vergraulte

Homburg. Es war kein Glückstag für die Band Joys of Jazz aus Castrop-Rauxel. Einzig für die Jazz-Fans, die mit Schirmen geschützt dem Wetter trotzten, war es ein schöner Tag. Nicht genug damit, dass anhaltender, heftiger Regen sogar die meisten Stammgäste des Jazz-Sommers vergraulte. Mirko Kirschbaum, mit Kornett und Trompete brillant in der Bläserreihe der Joys of Jazz, berichtete von einem für die Band folgenreichen Vorabend. Bandleader und Bassist Nico Gastreich war, schon gerüstet für die Fahrt nach Homburg, auf der Bühne gestürzt und hatte sich dabei einen Finger ausgekugelt. Ausgeschlossen, mit der geschwollenen und heftig schmerzenden Hand zu spielen. Die Rettung fand sich in Bolle Diekmann, der kurzfristig einsprang. Trotz des Zeitdrucks gelang es auch noch, einen Kontrabass aufzutreiben. Aber auch in einer Besetzung, die 24 Stunden vor dem Auftritt auf dem Homburger Marktplatz keiner vorausgesehen hatte, war der Auftritt der Joys of Jazz ein Sahnehäubchen für den Homburger Jazz-Sommer.Vor den meisten Stücken stimmten sich Saxofonist Adi Nobis und Trompeter Mirko Kischbaum mit dem Bassisten ab, damit der typische Sound der Band genau stimmte. Das Programm für den Homburger Jazz Sommer hatten die sechs Musiker mit Rücksicht auf die Blitz-Umbesetzung geändert. Das verschaffte den Homburger Jazz-Freunden ein Wiederhören mit melodischen Titeln aus der Ära der frühen Big Bands und dem Repertoire eines Frank Sinatra oder der Comedian Harmonists.Streng nach dem Notenblatt ging es bei "Joys of Jazz" nicht zu. Dafür lieben die Musiker zu sehr die vielen Variationen, die es auch (oder gerade?) für diese Titel gibt. Saxofon und Kornett waren in brillanten Soli zu hören. Posaunist Mike Rafalczyk spielte nicht nur mit Hingabe sein Musikinstrument. Er war auch die Gesangsstimme der Joys of Jazz. Die sammelten damit weitere Pluspunkte. "Down by the riverside" war so ein Musterbeispiel für wunderschöne Titel in dem geänderten Programm. Bei "When the saints go marching in" waren die "Heiligen" schön lange in ausgiebigen Soli unterwegs. Bei "Flit Flat Floogie" war es ein Genuss, dem Schlagzeuger Moritz Gastreich zuzuhören. Der ging richtig in den Soli auf. "It don't mean a thing" war einer der berühmten Titel von Duke Ellington, und für Joys of Jazz ist er ein Markenzeichen. Da erwies sich Gitarrist Rudolf "Pluto" Kemper als echter Könner. Der Klang erinnerte an Freddy Green, außer Kemper griff zum Banjo, dem "westfälischen Eierschneider", wie Mirko Kischbaum witzelte. Eines trauten sich die Musiker kaum zu spielen, nämlich "On the sunny side of the street", was Wunder bei dem ätzenden Regenwetter. Bleibt zu hoffen, dass der Regen beim nächsten Jazz-Frühschoppen mal eine Pause einlegt.