Jahreskongress der Deutsch-Polnischen Gesellschaften in Homburg

Tagung und Ausstellung : Blick auf Deutschland und Polen

Die Deutsch-Polnischen Gesellschaften treffen sich am Wochenende zu ihrer Jahrestagung in Homburg. Dazu wird es auch eine Ausstellung über das Leben von Wladyslaw Bartoszewski, den 2015 verstorbenen ehemaligen polnischen Außenminister, geben.

Die Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen: Das ist das große Thema an diesem Wochenende in Homburg. Das liegt daran, dass hier 28. Jahrestagung der Deutsch-Polnischen Gesellschaften unter dem Motto „Nachbarschaft in der Mitte Europas“ abgehalten wird. Vom 24. bis zum 27. Oktober reisen die Teilnehmer ins Saarland, darunter neben den Mitgliedern der Gesellschaften, deren Freunde und Förderer aus ganz Deutschland auch Gäste und Vertreter von befreundeten Organisationen aus den Nachbarländern Polen und Frankreich. Sie sind damit zu Gast bei einer der jüngsten Deutsch-Polnischen Gesellschaften, nämlich der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Saar. Man will sich an diesem Wochenende über die Beziehungen der beiden Länder austauschen und die derzeitige politische Situation in Polen und besondere Beziehungen im Dreiecksverhältnis („Weimarer Dreieck“) zu Frankreich diskutieren. Gleichzeitig wird die zehnjährige Partnerschaft zwischen dem Saarland und der Woiwodschaft Karpatenvorland im Rahmen dieses Kongresses festlich begangen, schreibt die Kreisverwaltung weiter zum Hintergund.

Bereits am Vorabend der Bundestagung wird im Foyer des Landratsamtes in Homburg die Wanderausstellung über das Leben von Władysław Bartoszewski von Theophil Gallo, Landrat des Saarpfalz-Kreises und Vorsitzender der DPG Saar, eröffnet.

Entlang der Themen Widerstand, Erinnerung und Versöhnung führt die Ausstellung durch das Leben von Wladyslaw Bartoszewski (1922 bis 2015). Die Ausstellungsmacher wollten die Biografie des im April 2015 verstorbenen ehemaligen polnischen Außenministers, Diplomaten und Historikers nicht in der traditionellen Form eines chronologischen Lebenslaufs darstellen, sondern in erster Linie auf jene Bereiche aufmerksam machen, die für ihn selbst am wichtigsten waren und den besten Einblick in seine facettenreiche Persönlichkeit geben.

In dessen Biografie spiegeln sich Schattenseiten und Hoffnungsschimmer der miteinander verwobenen deutsch-polnisch-jüdischen Geschichte im zwanzigsten Jahrhundert wider. Zugleich erzählt die Ausstellung vom Widerstand des frei denkenden Menschen gegen jede Form von Unterdrückung, erinnert an die Opfer von Verfolgung und zeigt, wo Versöhnung trotz vergangenen Leids möglich ist.

Die seit 2018 durch Deutschland wandernde Ausstellung wird ergänzt um den Teil „Kultur-Dialog Bartoszewski-Dedecius“, der als Entwurf zu sehen ist. Darin wird über die Beziehungen von Bartoszewski zu dem Übersetzer und Gründer des Deutschen Polen-Instituts, Karl Dedecius, berichtet. Die Texte der Bartoszewski-Ausstellung sind in polnischer Sprache und werden durch Übersetzungstafeln auf Deutsch ergänzt. Der „Kulturdialog Bartoszewski-Dedecius“ ist komplett zweisprachig abgefasst.

Auch der Kongress selbst wird am Freitagabend eröffnet, im großen Saal des parlamentarischen Traktes übernimmt dies der Hausherrn Theophil Gallo. Zu den Ehrengästen gehören Außenminister Heiko Maas, die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot in Vertretung des Ministerpräsidenten Tobias Hans, Piotr Piłch, Vize-Marschall der Woiwodschaft Vorkarpatenland ,und Dietmar Nietan (MdB), Vorsitzender des Bundesverbands der Deutsch-Polnischen Gesellschaft.

Nach den einzelnen Grußworten wird der aktuelle DIALOG-Preis verliehen. Die Auszeichnung geht in diesem Jahr an Professor Anna Wolff-Poweska, eine polnische Historikerin und Politologin, die als eine entschiedene Verfechterin der Demokratie in Polen gilt und zugleich für die deutsch-polnische Verständigung seit Jahrzehnten einsteht. Sie war von 1990 bis 2004 Direktorin des West-Instituts in Poznan. Die Kuratoriumsvorsitzende des DPG Bundesverband, die ehemalige Bundestagspräsidentin Professor Rita Süssmuth, würdigt in ihrer Ansprache die besonderen Verdienste der Preisträgerin. Laudator ist Adam Krzemiński, Publizist und DIALOG-Preisträger 2013.