Tolle Abschluss-Lesung : Nein, auf die Kreuzfahrt will ich nicht

Ilja Richter liest zum Ende der Homburger Lesezeit am 17. März im Saalbau. Es geht um Kreuzfahrten und um Einblicke in die menschliche Seele.

Es gibt Leute, die wollen ein Buch kennen lernen. Und es gibt Leute, die wollen mal Ilja Richter treffen. Oder ihrer eigenen Vergangenheit begegnen, wie es Ilja Richter formuliert. Denn mit ihm verbindet gerade die „Boomer-Generation“ ihre eigene Jugend – eine Zeit, in der Ilja Richter als schlaksiger junger Mann die Schlager-Sendung „Disco“ moderierte und mit dem Spruch „Licht aus! Whoom! Spot an! Jaaa …!“ berühmt wurde.

Das ist lange her, und seitdem ist Ilja Richter als Schauspieler, Synchronsprecher, Sänger und Autor sehr viel in Deutschland unterwegs – und nun kommt er als Vorleser auch zur „Homburger Lesezeit“. Im Vorfeld konnten wir mit Ilja Richter persönlich sprechen.

Auf den Leseabend freut er sich besonders, weil ihm der Veranstaltungsrahmen der Lesezeit gut gefällt: „Hier geht es nicht speziell um meine Person, sondern ums Lesen, beziehungsweise um den Autor Bodo Kirchhoff.“ Denn aus dessen Buch „Einladung zu einer Kreuzfahrt“ wird Ilja Richter am 17. März im Saalbau vorlesen. Dass er nach Homburg kommt – er verwechselt die Stadt dankenswerterweise nicht mit Bad Homburg, was bei Ortsfremden ja öfter vorkommt – freut ihn, „denn ich bin sehr viel auf Theatertournee in kleineren Städten unterwegs, man lernt neue Orte kennen und ich freue mich, dass es diesmal Homburg sein wird“. Warum hat er speziell dieses Buch ausgewählt? Eigentlich, sagt Richter, sei es kein Buch, eher ein „feines, intelligentes Büchlein“, genauer: eine lange E-Mail, in der der Autor Bodo Kirchhoff in die Rolle eines selbstverliebten, einsamen und teils auch überheblichen Autors schlüpft, der einer Reederei-Angestellten erklärt, warum er einer Einladung zu einer Kreuzfahrt nicht Folge leisten möchte. Obwohl er im Grunde schon ganz gerne aufs Schiff möchte. Aber am Ende dann doch wieder nicht.

Dazu muss man wissen, dass auf Kreuzfahrten neben dem üblichen Theater- und Unterhaltungsprogramm auch Vorträge zu unterschiedlichen Themen angeboten werden, sei es über den Sternenhimmel, über Geldanlagen oder eben auch über Literatur. Natürlich werden die Referenten von der jeweiligen Reederei eingeladen, und diese nehmen das Angebot, ein paar Tage oder Wochen kostenlos über die Weltmeere zu schippern, üblicherweise sehr gerne an.

Bis auf den fiktiven Autor, der der Reederei-Angestellten in einer ausufernden Mail darlegt, warum er nicht mitfahren möchte. Das sei „intelligent, humorvoll und sarkastisch geschrieben“, betont Ilja Richter, „ich mag dieses kleine Büchlein, weil es einen Blick in die Tiefen des menschlichen Verhaltens erlaubt. Darin kommen sämtliche Eigenschaften zum Tragen, von Eitelkeit über Arroganz bis zum Selbstbetrug“.

Auf Bodo Kirchhoff kam Richter, weil er vor vielen Jahren am Düsseldorfer Schauspielhaus ein ähnliches kleines Meisterwerk des Autors aufgeführt hat, es hieß „Der Ansager einer Striptease-Nummer gibt nicht auf“. „Das war ein toller Erfolg. Und vom Aufbau her ähnlich gestrickt. Ein armseliger Conférencier soll eine Striptease-Nummer ansagen, die nie kommt. Als Überbrückung quasselt sich der Conférencier um Kopf und Kragen und erzählt dabei nicht über Striptease, sondern über sich und seine Verzweiflung. Er liefert damit auch eine Art Striptease ab, also Seelenstriptease.“ Seitdem, so Ilja Richter, „bin ich ein treuer Fan von Bodo Kirchhoff“. Und Kirchhoff freue sich auch, dass Ilja Richter aus seinen Werken vorliest.

Das Thema Kreuzfahrt sei derzeit sehr aktuell, fügt Richter hinzu, „diese Art des Urlaubs boomt, das mag mit dem Traumschiff zusammenhängen. Oder damit, dass viele Leute diese vakuumverpackte Welt mögen“. So stelle Bodo Kirchhoff auch die Frage, „Was suchen wir eigentlich in unserer Freizeit?“ Dies sei im Grunde eine philosophische Frage, „die viel über unsere Gesellschaft aussagt“, betont Richter.

Sein Vortrag wird keine reine Lesung sein, „also nicht nur Tisch und Wasserglas“, sondern es würden durchaus auch kleine szenische Einlagen hinzukommen.

Schauspieler Ilja Richter liest im Rathaussaal aus dem Buch „Betreff: Einladung zu einer Kreuzfahrt“ von Bodo Kirchhoff. Foto: dpa/Britta Pedersen

Und was liest Ilja Richter gerade privat? „Propaganda von Steffen Kopetzky“, das sei eine hervorragend konstuierte Zeitgeschichte, in der sich Fiktion und historische Fakten zu einer guten Geschichte verbinden. Man darf also gespannt sein, was Ilja Richter am 17. März noch so alles literarisch im Gepäck hat.