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Homburger Störche fliegen nach Süden

Es wird Zeit für Störche : Es geht jetzt ab ins Winterquartier

Die Jungstörche aus den Bliesauen sind in diesen Tagen öfter in Gruppen anzutreffen. Sie stopfen sich mit Nahrung voll, um den Flug in den Süden gut zu überstehen.

Es ist immer wieder eine Freude, in den Beeder Wiesen spazieren zu gehen oder mit dem Rad zu fahren. Selbst Autofahrer kommen auf ihre Kosten, wenn sie mal gerade nicht über die L 119 rasen, die von Homburg nach Limbach führt, sondern so langsam fahren, dass sie einen Blick auf das ausgedehnte Wiesen- und Ackerland werfen können.

Im Hintergrund liegt zwar das geschützte Beeder Biotop, aber Wildtiere sind nun mal vorwitzig genug, ihre angestammten Bereiche zu verlassen und sich in einem etwas breiteren Umkreis zu bewegen. So kommt es, dass man zu bestimmten Tageszeiten oft Rehe in der Nähe der Straße beim Äsen beobachten kann. Oder, wie in den letzten Tagen, Gruppen von vier, fünf Störchen, die gemeinsam im feuchten Gras nach Nahrung suchen.

Wir fragten den Beeder Storchenexperten Karl Theodor Dzieia, was es damit auf sich hat. „Die größeren Ansammlungen von Störchen in den Beeder Wiesen weisen darauf hin, dass sich vor allem die Jungstörche auf den gemeinsamen Flug in den Süden vorbereiten“, erklärt er, „die sammeln jetzt noch kräftig Nahrung, um den Flug gut zu überstehen. Ich denke, es dürfte in dieser Woche losgehen, dann sind die Jungen weg.“

Wer da bleibt, das seien vielfach die Altstörche, die in den Bliesauen immer genügend Futter finden, „auch im Winter. Es ist schon lange her, dass die Blieswiesen komplett zugefroren waren.“ Denn, so Dzieia, das Problem für die Störche sei im Winter weniger die Kälte im Gefieder als vielmehr die Tatsache, dass ihre Nahrungsquellen zufrieren könnten. Dass die Beeder Störche wegen der milden Winter kaum noch wegfliegen, hat mehrere Gründe, die man unter menschlichen Aspekten als „Bequemlichkeit“ bezeichnen würde: „Sie müssen keine kräftezehrende Reise auf sich nehmen, sie sind immer die ersten am Nest und sich brauchen sich im Frühjahr nicht auf ermüdende Kämpfe um eben dieses Nest einzulassen.“ erklärt Storchenexperte Dzieia.

Bei den Jungtieren sehe es anders aus, die folgten noch ihrem Zugvogel-Instinkt, suchten sich nach der Rückkehr einen Partner oder eine Partnerin und dann einen Platz, wo sie ihr Nest aufbauen können, „unsere ehemaligen Jungvögel wurden oft in der Pfalz und im Elsass gesichtet“, informiert Dzeia, was man anhand der Beringung gut nachverfolgen könne, die der Neunkircher Zoodirektor Norbert Fritsch jedes Jahr bei den Jungtieren vornimmt,

In diesem Jahr sah es im Beeder Biotop mit Nachwuchs allerdings mau aus, denn im Nest an der Fischerhütte sind drei Jungvögel in einer kalten April-Nacht gemeinsam erfroren. „Es war sehr traurig, weil das Elternpaar noch tagelang auf dem Nest hockte. Danach verließen beide gleichzeitig das Nest, um auf Nahrungssuche zu gehen. Da war klar, dass die Jungen tot waren, denn normalerweise bleibt immer ein Elternteil am Nest “

Ein weiteres Paar, das seinen Horst an der Blies nahe am Beeder Biotop hat, ist anscheinend ungewollt kinderlos: „Die beiden brüten nun schon das dritte Jahr in Folge, aber noch nie ist etwas dabei herausgekommen.“

 In dieser Woche brechen die letzten Jungstörche in den Süden auf. Zurück bleiben die „Alten“, die sich in Beeden so wohlfühlen, dass sie „dehemm“ bleiben. Aufgrund der milden Winter mangelt es ihnen auch nicht an Nahrung.
In dieser Woche brechen die letzten Jungstörche in den Süden auf. Zurück bleiben die „Alten“, die sich in Beeden so wohlfühlen, dass sie „dehemm“ bleiben. Aufgrund der milden Winter mangelt es ihnen auch nicht an Nahrung. Foto: ZB/Patrick Pleul
 Das Biotop „Beeder Bliesaue“ ist ein Paradies für Tiere. Nicht nur für diejenigen, die hier sowieso wohnen wie Wasserbüffel und Konik-Pferde, sondern auch für Störche und Rehe, die oft bis an die Straße herankommen.
Das Biotop „Beeder Bliesaue“ ist ein Paradies für Tiere. Nicht nur für diejenigen, die hier sowieso wohnen wie Wasserbüffel und Konik-Pferde, sondern auch für Störche und Rehe, die oft bis an die Straße herankommen. Foto: Axel Künkeler

Und so vermutet Dzieia, dass die Jungstörche, die gerade grüppchenweise in der Bliesaue anzutreffen sind, aus Wörschweiler oder Bierbach stammen, „die fliegen in der ganzen Gegend herum, gucken, wo ihre Artgenossen Nahrung finden und gesellen sich dazu.“ Und wo fliegen die Störche in diesen Tagen hin? Von Afrika, wie in alten Kindermärchen erzählt wird, kann keine Rede mehr sein, „Südfrankreich, Spanien, maximal Portugal“, sagt Karl Theo Dzieia, „das kann man anhand der Beringung leicht feststellen. Früher flogen sie nach Ägypten oder in den Sudan. Das ist vorbei. Die Vögel sind ja nicht blöd. Denn je weiter die Entfernung, desto höher ist der Kräfteverbrauch.“ Und Kraft bräuchten die Vögel allemal, um sich nach der Rückkehr ein Nest zu erkämpfen und eine neue Storchenfamilie zu gründen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Es geht jetzt ab in den Süden