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Homburger Sinfinieorchester spielt wieder in der Öffentlichkeit

Wieder Musik in Homburg : Sinfonieorchester ist endlich wieder da

12 Musikerinnen und Musiker plus Sänger und Dirigent werden ein Programm mit Abstand und vor einer stark eingeschränkten Zuhörerzahl präsentieren. Aber die Botschaft ist: Wir wollen spielen!

Was macht ein Orchester aus? Zusammen zu spielen, in Melodien zu schwelgen, gemeinsam in ein Stück einzutauchen, es zu erarbeiten, es anderen zu präsentieren. Normalerweise ist es daher auch keine Neuigkeit, dass die Musiker des Homburger Sinfonieorchester (HSO) genau das tun – im regelmäßigen Rhythmus und auf großer Bühne.

Mehrere Konzerte gehören seit vielen Jahren fest zu ihrem Kalender: zum Jahresbeginn etwa das Neujahrskonzert, ein Sinfoniekonzert im Frühling, eines im November, dazu das Open-Air im August und etwas neuer: ein Familienkonzert. Auch hier hat Corona im Frühjahr für viele Wochen den Ton abgedreht, wie bei so vielen anderen.

Jetzt spielen sie jedoch wieder vor Publikum: an diesem Sonntag, 6. September, im Saalbau. Allerdings wird das völlig anders aussehen und klingen als man das sonst gewohnt ist. Es wird nicht aus den Vollen geschöpft, es wird eher klein und fein.

Der Saalbau wird sozusagen zu einer Art bürgerlichem Salon. 12 Musikerinnen und Musiker plus Sänger und Dirigent werden ein Programm zum Schwelgen präsentieren – mit Abstand und vor einer stark eingeschränkten Zuhörerzahl. Musikalisch zentral bei dieser Besetzung: das Klavier, das verschiedene Stimmen mitspielt, und auch den ein oder anderen Klangteil übernimmt, der fehle, weil es eben in so einer kleinen Orchester-Variante nicht alle Stimmen gibt.

 Einst sehr in Mode, seien Salonorchester heute zum Nischenprodukt geworden. Das liege auch daran, dass man für eine musikalisch stilvolle Untermalung einer Zusammenkunft solche Musik als Aufnahme abspielen kann, erklärt Jonathan Kaell, der musikalische Leiter des HSO, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Es gibt an diesem Sonntag also durchaus fast schon vergessene Klangfarben in bekannten Stücken zu erkennen. Es sei „eine delikate Sache“, sagt Jonathan Kaell. Es komme sehr darauf an, „dass es verantwortungsvoll gemacht ist“. Er weiß, wovon er spricht, hat er doch schon mit einem anderen Orchester dieser Art Erfahrungen gesammelt. Und eine ganze Bibliothek solcher Salon-Orchester-Literatur aufgekauft. Auch wenn die Stücke anders klingen werden als ihre großen Geschwister „man erkennt es schon“, verspricht Kaell.

Gedacht ist dieses Konzert sozusagen als kleines Trostpflaster, weil das sonst übliche sommerliche Klassik-Open-Air wegen der Corona-Krise abgesagt werden musste. Das spiegelt sich auch im Programm wider, das ist gestrickt aus Tangos – von Isaac Albeniz – Foxtrott, Ohrwurm-Stücken und ein bisschen Operette.

Als Sänger kommt Algirdas Drevinskas, der Tenor dürfte auch in Homburg bestens bekannt sein. Mit ihm kann man dann zum Beispiel bei Franz Lehars „Liebste glaub’ an mich“ oder Emmerich Kálmáns „Heut’ Nacht hab’ ich geträumt von Dir“ ein bisschen dahinschmelzen – oder man tut’s gleich richtig bei „Santa Lucia“. Auch ohne laue Sommernacht, kann man hierbei also träumen.

Es soll in diesem Jahr nicht der letzte Auftritt vor Publikum sein. Das Orchester plant bereits für sein Sinfoniekonzert am 15. November, bei dem es reine Bläser- und Streicherwerke von Strauss, Vaughan Williams, Janacek und Strawinsky vortragen wird. Man hat das große Orchester also aufgeteilt, um in Coronazeiten auftreten zu können.

Ein Konzept für die Zukunft sei diese strikte Trennung von Bläsern und Streichern oder die extrem reduzierte Orchesterform nicht. „Es ist kein Modell, das wir ewig fahren können“, macht Kaell deutlich. Es gibt viele kleinere und größere Probleme, die man dabei bewältigen muss. So sei es etwa nicht ganz einfach, Stücke zu finden, in denen die komplette Bläserbesetzung eingesetzt werden kann, ohne hier im Blasorchester-Repertoire zu landen, das eben nicht das ihre sei, so Kaell. Das Repertoire sei hier sehr eingeschränkt. Doch es sei aus dem Orchester die Rückmeldung gekommen: Wir wollen spielen. Und es habe sich andererseits die Chance eröffnet, einem lang gehegten Wunsch der Bläser nachzukommen, einmal Stücke in solcher Besetzung zu spielen.

Das Modell Salonorchester habe ebenfalls viele Tücken. So sei hier zum einen nur ein sehr kleiner Teil des Orchesters gefragt. Und es sei zudem „sehr anfällig, wenn mal jemand fehlt“. Das erfordere schon eine „Zuverlässigkeit in der Anwesenheit, die Richtung professionell geht. Das ist in einem Laienorchester nicht machbar.“

Herausgekommen ist für den November unter diesen Voraussetzungen ein sehr attraktives Programm, besonders aufregend ist darin beispielsweise die Fantasie von Vaughan Williams nach einem Thema von Thomas Tallis, groß angelegt für zwei Orchester und ein Solo-Streichquartett.

So findet sich das Orchester also im Moment im Spannungsfeld von interessanten, weil ungewohnten Stücken und einem riskanten Modell. Klar ist für Kaell: „Das ist auf Dauer keine Lösung.“ Eine positive Sache gibt es trotz aller Einschränkungen und Ungewissheiten: Der angesichts der Coronabeschränkungen befürchtete Mitgliederverlust blieb aus. Es war das Gegenteil der Fall: „Wir haben sogar welche zurückgewonnen“, berichtet Kaell.

Stehenbleiben will man nicht, der Blick geht in Richtung Zukunft. Beim Kulturamt denkt man über ein Neujahrskonzert 2021 nach. Das soll in die Halle des Erbacher Sportzentrums verlegt werden und wohl erst im Februar gespielt werden. Es bleibt also spannend.

Karten für das Serenadenkonzert, einige gibt es noch, an diesem Sonntag, 6. September, 19 Uhr, im Saalbau Homburg, kosten im Vorverkauf 15 Euro, ermäßigt 5 Euro, erhältlich sind diese auch am Samstag noch in der Brunnenapotheke Homburg.