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Homburger Mode-Designerin hat Erfolg im Londoner Kaufhaus Harrods

Homburger Mode-Designerin hat Erfolg im Londoner Kaufhaus Harrods

Eine Weihnachtsbaumkugel aus Glas, das ist Laura Theiss viel zu langweilig. Sie strickt ihren Christbaumschmuck lieber selbst. Und verkauft ihn mittlerweile sogar im legendären Londoner Nobel-Kaufhaus Harrods.

. Wenn Laura Theiss für Weihnachten zu den Stricknadeln greift, dann kommt garantiert kein gewöhnlicher Winterpullover dabei heraus. Denn die Mode-Designerin, die an der Londoner Haut-Couture-Kaderschmiede Central Saint Martins studierte und seit sieben Jahren in Homburg lebt und wirkt, ist bekannt für ausgefallene Ideen. Fürs diesjährige Weihnachtsfest hat sich die 38-Jährige denn auch etwas besonders Apartes ausgedacht: Zum ersten Mal entwarf sie jetzt Christbaumschmuck aus Strick. "Unser kleiner Sohn Peter Lauras ist davon ganz begeistert", sagt die gebürtige Litauerin, die mit dem Unternehmer Peter Theiss verheiratet ist, und führt den Besucher in den großzügigen Hausflur. Dort hängen an einer stattlichen Tanne unzählige Kugeln, die in roter, weißer und grüner Wolle und mit Herzchen- und Tannenbaum-Mustern umstrickt sind. Besonders aber haben es ihrem Fünfjährigen die niedlichen gestrickten Tierfiguren, die alle Norwegerpullis tragen, angetan. Schließlich lieferte er seiner Mama dazu die Inspiration. Und das kam so: Als Familie Theiss im Vorjahr den Homburger Weihnachtsmarkt besuchte, machten die Schlittschuhbahn und die Märchenfiguren auf den Sohnemann großen Eindruck. "Auf dem Heimweg hat er mich gefragt, ob das Rentier, der Fuchs und der Hase auch Schlittschuhlaufen können", erinnert sich Laura Theiss. Weil Kinder Märchen lieben, sagte sie: "Na klar!", dachte sich eine passende Geschichte aus und zeichnete zu Hause gleich ein paar Entwürfe. Wäre doch schön, findet die Designerin, wenn ihre Figuren auch andere Eltern dazu brächten, unterm Weihnachtsbaum Geschichten zu erzählen. Ihre Christbaumschmuckstücke hat Theiss nämlich nicht nur für den eigenen Bedarf entworfen, vielmehr für das bekannte Kaufhaus Harrods in London. Harrods habe eine riesige Weihnachtsabteilung, doch die Chef-Einkäufer suchten ständig nach neuen Ideen, erklärt die Strick-Expertin, die in einem Londoner Designer-Zentrum ein zweites Atelier unterhält. Als die Chef-Einkäufer dort zum Tag der offenen Tür vorbeikamen und Theissens bestrickende Weihnachtskugel entdeckten, machten sie ihr gleich ein Angebot. Die wollenen Tiere und Kugeln, für die Theiss zusätzlich aparte Geschenkkartons entwarf, gingen bei Harrods dann weg wie warme Semmeln. "Schon im September, einen Monat nach dem Verkaufsstart, mussten wir nachliefern", sagt Theiss. Insgesamt 700 Exemplare hat sie gestrickt und auch stricken lassen, von erfahrenen Strickerinnen inklusive Tante und Mutter. Sie schmücken jetzt nicht nur Wohnstuben in London und im Saarland, wo man sie in drei Edel-Boutiquen erstehen kann. "Einige Käufer haben mir auch Fotos aus Irland, Wales, Kalifornien, New York und Israel gemailt, und chinesische Mädchen tragen die Tiere am liebsten an der Halskette", weiß Theiss zu berichten. Schon sitzt sie an neuen Entwürfen, denn Harrods will die Weihnachts-Kollektion "Made bei Laura Theiss" im nächsten Jahr erweitern. Dabei ist dies nur ein Nebenprojekt. Hauptsächlich kreiert Theiss Mode: Aufwendig gehäkelte und gestrickte, extravagante Kleider, Pullover und Cardigans. Mit denen ist sie auf internationalen "Fashion Weeks" in London, Paris, Mailand und Hongkong präsent und verkauft an Boutiquen und Privat-Kundinnen sogar in Saudi-Arabien.

Ein ganz schön stressiger Job also, bei dem sie viel unterwegs ist. Auch deshalb fühlt sich Laura Theiss im beschaulichen Homburg wohler als in London. Sie genießt hier nicht nur das Familienleben, den kurzen Weg zum Atelier im Theissschen Wohnhaus und das, wie sie findet, reichhaltige Kulturangebot. Sie engagiert sich hier auch noch ehrenamtlich. In der Lebacher Aufnahmestelle strickt die Designerin mit Flüchtlingen und hilft ihnen so, durch die kreative Betätigung, "abzuschalten und auf andere Gedanken zu kommen". Am Heiligen Abend aber ruhen die Stricknadeln. "Wir feiern im Kreis der Familie, ein wenig nach litauischer Tradition", sagt Laura Theiss. In ihrem Heimatland serviere man an diesem Abend etwa zwölf Gerichte, für jeden Apostel eins, und lasse einen Platz am Tisch stets frei. "Und weil Christus ja in einem Stall geboren wurde", so erzählt sie, "legt man unter die weiße Tischdecke immer auch etwas Heu".