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Homburger Meisterkonzert mit Andreas Staier am Hammerklavier

Meisterkonzert : Andreas Staier spielt Haydn, Mozart und Beethoven

Allmählich, den Coronaregeln folgend, scheint wieder musikalisches Leben in den Homburger Saalbau einzuziehen. Vorintoniert haben ihn im September schon mal das verkleinerte Homburger Sinfonieorchester und die gerade zu Ende gegangenen Internationalen Kammermusiktage.

Die Homburger Meisterkonzerte werden jetzt folgen, am Donnerstag, 8. Oktober, mit Andreas Staier am historischen Hammerflügel und mit dem Aris Quartett zwei Wochen später am 22. Oktober. Beide spielen ihr etwas gekürztes Programm um 18 Uhr und dann nochmals um 20 Uhr wegen der gebotenen Abstandsregeln vor nur etwa 140 bis 170 erlaubten Besucherinnen und Besuchern (siehe auch Text oben).

Andreas Staier gilt als einer der weltweit führenden Spezialisten auf Cembalo und Hammerklavier. Er kam vor 65 Jahren in Göttingen zu Welt und studierte bei Kurt Bauer und Erika Haase an der Musikhochschule Hannover. Nach einem Cembalostudium bei Lajos Rovatkay in Amsterdam entschied er sich für eine Karriere auf diesem Instrument und auf dem am Ende des 18. Jahrhunderts mehr und mehr gebräuchlichen Hammerklavier. Einige Jahre war er auf diesen historischen Tasteninstrumenten Mitglied der bekannten Musica antiqua in Köln, konzertiert danach aber nur noch als freier Virtuose.

Joseph Haydn (1732-1809) und Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) schufen ihre späten Klavierwerke vorzugsweise für das in Mode gekommene Hammerklavier, während die Klavierwerke von Ludwig van Beethoven (1770-1827) ohne die Möglichkeiten des „Forte-Piano“ per Anschlag nicht mehr denkbar wären. Mit seinen noch ledernen Hämmerchen und ohne die spätere Prellmechanik zeichnet sich das Hammerklavier durch einen feinen, intimen Klang aus.

Andreas Staier spielt in Homburg Werke aus der Frühzeit des Hammerklaviers von Haydn, Mozart und Beethoven und bringt dazu sein eigenes Instrument mit. Ein echtes Werk des Übergangs ist am Programmbeginn die herrliche, 1785 entstandene Fantasie c-Moll KV 475 von Mozart, in deren Figurenpassagen man das Cembalo von Bach zu hören meint, in den gesanglichen das feine Clavichord seiner Söhne. Die gewichtigen Rahmenteile lassen bereits den klangprächtigen Broadwood-Flügel erahnen, den sich Beethoven später aus London schicken ließ. Es folgen zwei Werke von Beethovens Mentor Haydn, die 1790 entstandene Sonate Es-Dur Hob. 16/49 und die elegisch getönten Variationen f-Moll Hob. 17/6 von 1793. Haydn empfahl der Widmungsträgerin Marianne von Genzinger zur Wiedergabe ausdrücklich ein Pianoforte (Hammerklavier) aus der Wiener Werkstatt von Wenzel Schanz.

Mit den „Sechs Bagatellen“ für das Pianoforte opus 126 beendete Beethoven 1823/24 sein weit in die Zukunft weisendes Klavierschaffen und eröffnete mit ihm sein Spätwerk. Es sind wohl „Kleinigkeiten“ vom Umfang her, aber befrachtet mit verdichteter musikalischer Substanz.