Homburger Lesezeit beginnt im Herbst

Lesezeit : Im Herbst wird wieder vorgelesen

Ab September haben Literaturfreunde wieder Lesefutter. Von Paul Auster bis bis Thomas Mann reicht das Programm im Café 1860.

Wer liest, ist nicht so ganz von dieser Welt. Jedenfalls zeitweise. Das muss auch so sein, denn man taucht beim Lesen zwangsläufig in eine andere Welt ein - worin auch die Faszination des Lesens besteht. Es ist eine Welt, in der es nur so wimmelt von Gestalten, denen man zwischen Beeden und Jägersburg eher selten begegnet.

Etwa Dorian Gray, dessen Ölporträt nach und nach so abscheulich wird wie seine Handlungen, Effi Briest, die naiv, hilf- und erfolglos aus einer lieblosen Ehe auszubrechen versucht, oder Bendix Grünlich, der Mitgiftjäger, der nicht nur seine Frau Antonie, sondern die ganze Familie Buddenbrook mit seinem gestelzt-biedermeierlichen Kitsch-Geschwätz zu täuschen vermag. Dieses Geschwätz gibt es heute genauso, nur mit etwas anderen Formulierungen. Diese drei Literaturbeispiele sind nicht zufällig gewählt, sondern sind Teil der Literaturauswahl bei der diesjährigen Homburger Lesezeit, die jetzt im Rathaus von Bürgermeister Michael Forster und dem Kulturbeigeordneten Raimund Konrad sowie den beiden Organisatorinnen Patricia Hans und Jutta Bohn, vorgestellt wurde.

Es gebe, betonten die beiden Damen, „keine Hitliste und auch keine Niveauliste, das heißt, niemand ist gezwungen, mit Franz Kafka oder James Joyce herumzuwedeln, es kann auch Rosamunde Pilcher sein.“ Wichtig seien nur zwei Fragen: „Was macht ein Buch zu meinem Lieblingsbuch?“ Und: „Warum hat mich dieses Buch geprägt?“

Seit über sechs Jahren gibt es nun schon die „Homburger Lesezeit“, sie hat bescheiden begonnen, „mit maximal 15 Zuhörern im Café im Alten Rathaus“, erinnert sich Patricia Hans. Und heute? „Da müssen wir leider sogar Leute abweisen“, fügt Jutta Bohn hinzu, „denn ins Café 1680 passen nur 80 Zuhörer hinein.“ Die Stadt Homburg unterstützt die Veranstaltungsreihe finanziell, vor allem, wenn beim Besuch von Prominenten ein größerer Raum im Rathaus gebraucht wird und die Einnahmen aus den Eintrittskarten die Gesamtkosten nicht decken. Dennoch, so Raimund Konrad, sei die Lesezeit eine vergleichsweise günstige Veranstaltung, die Subventionen bewegten sich „im unteren vierstelligen Bereich“. Dafür habe sie um so mehr Wirkung, sie bereichere nicht nur das städtische Kulturleben, sondern auch die Gastronomie. „Am Dienstagabend, nach den Lesungen, gehen die Gäste gerne noch auf ein Getränk oder ein Essen in eine Wirtschaft“, hat Patricia Hans festgestellt. Also sei Lesen keineswegs ein einsames Geschäft, sondern fördere auch die Geselligkeit. Zum Kreis der Literaturfreunde zählten nicht nur Homburger, sondern auch Gäste aus Neunkirchen und Zweibrücken, betont Jutta Bohn, „das freut uns natürlich. Deshalb haben wir auch fast immer ein volles Haus“. Von ihr kam vor einigen Jahren die Idee, mit einer Veranstaltung „in die Stadtteile zu gehen“, diesmal ist Erbach an der Reihe. Ortsvertrauensfrau Anni Schindler stellt am 22. November im Mehrgenerationenhaus ihre heimatgeschichtlichen Erkundungen vor: „Das legendäre Erbacher Sandbahnrennen, 1952-1961“.

Im Rathaus wurde jetzt offiziell das Lesezeit-Programm vorgestellt: (v.l) Raimund Konrad, Kulturbeigeordneter, die beiden Organisatorinnen Patrizia Hans und Jutta Bohn, sowie Bürgermeister Michael Forster. Foto: Christine Maack

Ansonsten wechseln sich Geschichte, Klassik, eine kurze Theateraufführung und der eine oder andere Bestseller ab. Das vollständige Programm der Lesezeit kann im Kulturamt, in der Tourismuszentrale und in der Buchhandlung Welsch mitgenommen werden. Die Termine sind immer dienstags, die Eintritte frei, außer bei der Auftakt- und Abschlussveranstaltung mit Hannelore Hoger (3. September) und Ilja Richter (17. März).

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