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Homburger Diplom-Soziologe Rolf Omlor fordert komplette Öffnung der Kitas

Platzverteilung könnte zu Konflikten führen : Notbetreuung allein ist zu wenig

Für Kinder und Jugendliche, die in die Schule gehen, gibt es zumindest eine kleine Perspektive auf – zumindest tageweise. Für Kindergartenkinder ist es trotz diverser Lockerungen in den Corona-Krise weiter sehr schwierig.

Einer, dem die Situation in den Kindertagesstätten am Herzen liegt, ist der Homburger Diplom-Soziologe Rolf Omlor. Er hatte sich bereits vor einiger Zeit in einem Brief an Ministerpräsident Tobias Hans gewandt und gefordert, dass die unter „Zwangsquarantäne stehenden Kinder“, deren Eltern, die Erzieherinnen und Erzieher sowie die Träger „schnellstmöglich eine Perspektive“ brauchen. Aus der Staatskanzlei verwies man auf den damals noch bevorstehenden Ausbau der Notbetreuung (wir berichteten). Das ist mittlerweile auf den Weg gebracht, bis zum regulären Betrieb ist es aber noch weit. Und zeitlich terminiert ist dies noch nicht.

Nun hat Omlor nachgelegt: Die Bundesliga habe am Samstag wieder gespielt. Viele öffentliche Einrichtungen sind wieder in Betrieb. „Aber kleine Kinder können mehrheitlich noch immer nicht in den Kindergarten“, bemängelt er. Das Saarland hatte zunächst eine Notbelegung von maximal fünf Kindern in jeweils drei Gruppen festgelegt. Also insgesamt 15 Kinder pro Einrichtung könnten aufgenommen werden. Neuerdings könnten zehn Kinder pro Gruppe die Notbetreuung in Anspruch nehmen. Vorrangig sollen die Kinder, die im Herbst in die Schule kommen, den Kindergarten besuchen dürfen. Wenn aber die Kapazität durch jüngere Kinder schon ausgereizt sei, stelle sich die Frage, „woher einen Platz für ein Schulanfängerkind nehmen, wenn alle Plätze schon durch andere Altersgruppen besetzt sind?“, so Omlor weiter. Einen Kampf um die Notbetreuungsplätze hatten bereits andere Stellen, etwa große Kita-Träger, befürchtet.

Auch Omlor sieht große Probleme: „Nimmt man die momentane Belegungsregelung ernst, dann ergibt sich ein echter Konflikt“, macht er deutlich. Was sage man den Schulanfänger-Kindern, die nicht aufgenommen werden können? „Will man eventuell Kinder, die jetzt schon Zugang zur Notbetreuung haben, deshalb ausschließen?“, fragt er weiter.

 Dies könne alles einfach gelöst werden, schlicht „indem man Kindertagesstätten in ihrer Gesamtheit wieder öffnet“. Omlor führt erneut die Erfahrungen in anderen europäischen Ländern ins Feld. „In Schweden waren die Kitas gar nicht zu. In Dänemark hat man vor Wochen die Krippen und Kitas wieder geöffnet, noch vor den Schulen. In den Niederlanden vor 14 Tagen ohne Einschränkung. Bisher ohne besondere Vorkommnisse.“

Werde wirklich der Erreger bei einer Erzieherin festgestellt, dann müsse man lokal reagieren. „Als neulich ein Bundesligaclub Corona hatte, sagte man auch nicht die gesamten Bundesligaspiele ab“, so Omlor. Er führt zudem weitere wichtige Funktionen der Kitas an. Diese seien normalerweise ein „Frühwarnsystem“ etwa für häusliche Gewalt. Jetzt aber seien die Kinder zu Hause allein gelassen.