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Homburg: Weihnachtssingen im Waldstadion

Mitmachkonzert : Vorbild ist der 1. FC Union Berlin: Weihnachtssingen erstmals im Homburger Waldstadion

Der Kreis-Chorverband Homburg und der Fußball-Regionalligist FC Homburg haben sich zusammengetan und laden am 16. Dezember zum Weihnachtssingen ins Waldstadion ein. Vorbild sind die Gänsehaut-Veranstaltungen des Fußball-Bundesligisten 1. FC Union Berlin.

Dass im Fußballstadion gesungen wird, ist an sich nichts Ungewöhnliches. Normalerweise schallt dann aber eher nicht „Kling, Glöckchen, klingelingeling“, „Tochter Zion“ oder „Süßer die Glocken nie klingen“ über den Rasen. Weihnachtslieder sind also die Ausnahme.

In Homburg wird das anders sein, zumindest am Freitagabend, 16. Dezember. Ab 19 Uhr verwandelt sich das Waldstadion in Teilen in eine Chorbühne – und die Haupttribüne wird zum Theaterrang. Das allein wäre schon eine Sache, die im wahrsten Sinne des Wortes aufhorchen lässt. Doch es soll nicht nur auf der Bühne, die eigens aufgebaut wird, gesungen werden, das Publikum ist ebenfalls zum Mitmachen aufgefordert.

„Sport trifft Kultur“ in Homburg

Unter das Motto „Sport trifft Kultur“ haben sie dieses Weihnachtssingen im Waldstadion gestellt. Und um genauer vorzustellen, was geplant ist, sind Frank Vendulet, der Vorsitzende des Kreis-Chorverbands Homburg und Vize-Präsident des saarländischen Chorverbands, sowie der Geschäftsführer des FC Homburg, Rafael Kowollik, in die Redaktion gekommen.

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Die Idee ist nicht neu – da sind sie ganz offen. Das große Vorbild ist das Weihnachtssingen des 1. FC Union Berlin im Stadion an der alten Försterei, das es seit vielen Jahren gibt. Es ist mittlerweile so beliebt ist, dass für den aktuellen Termin am 23. Dezember schon ein Jahr vorher alle Karten weg gewesen seien, berichtet Vendulet. 20 000 Menschen schmettern hier dann gemeinsam „O du Fröhliche“ und andere Lieder. Doch auch hier haben sie klein angefangen, im ersten Jahr hätten gerade einmal 89 rund auf Höhe der Mittellinie zusammengestanden. Nicht nur dieses Angebot, sondern auch der Kreis der Vereine ist im Laufe der Jahre gewachsen. Es gebe mittlerweile viele, die ebenfalls auf ein Weihnachtssingen setzen: In 27 Fußballstadien erklingen daher in diesem Jahr an einem Abend Weihnachts- anstatt Fangesänge, zitiert Kowollik aus einer Fachzeitschrift.

 Frank Vendulet (links), der Vorsitzende des Kreis-Chorverbands Homburg, und der Geschäftsführer des FC Homburg, Rafael Kowollik, stellten das geplante Weihnachtssingen beim Besuch in der Homburger Redaktion vor.
Frank Vendulet (links), der Vorsitzende des Kreis-Chorverbands Homburg, und der Geschäftsführer des FC Homburg, Rafael Kowollik, stellten das geplante Weihnachtssingen beim Besuch in der Homburger Redaktion vor. Foto: Ulrike Stumm

Aber wie kam es denn nun in Homburg zu dieser Aktion? Die Grundidee habe es schon lange gegeben, sagt Kowollik. Doch es habe der richtige Partner gefehlt, der das notwendige Wissen um den Gesang mitbringe. Der FCH könne auf der anderen Seite die Infrastruktur bieten.

Vendulet und der Chorverband wiederum suchten im vergangenen Jahr eine Möglichkeit, der Eiszeit, für die Corona bei den Chören gesorgt hatte, zu entfliehen. Man habe im Herbst 2021 eingeschränkt wieder gemeinsam singen dürfen nach eineinhalb Jahren Stille, deshalb sei die Idee aufgekommen, etwas Großes aufzuziehen, auch um zu zeigen: Weihnachten ohne Chorgesang geht gar nicht. „Wir wollten die Chöre auch motivieren“, sagt Vendulet. Im vergangenen Jahr seien noch viele Sängerinnen und Sänger weggeblieben, hätten sich schlicht nicht getraut. Und generell sei nicht jeder wieder in seinen Chor zurückgekommen, sei es aus Alters- oder gesundheitlichen Gründen. „Zwei Jahre sind eine lange Zeit.“ Ältere Leute hätten zudem das Problem, dass sie nicht mehr so mit der Stimme klarkommen, wenn sie so lange nicht gesungen haben. Es seien eben auch Muskeln, die dann geschwächt werden. Die gute Nachricht in diesem Winter: So langsam merke man, dass die Chöre zu alter Stärke zurückfinden, wieder Konzerte geben – auch wenn der eine oder andere Sängerkreis auf der Strecke geblieben sei.

Vendulet rannte mit seinem Vorstoß für ein großes gemeinsames Singen schon im Herbst 2021 beim FCH offene Türen ein. „Das hat sich super ergänzt“, sagt Kowollik. Dann kam der Dämpfer. Wegen der neuen Welle in der Pandemie musste alles sozusagen kurz vor Anpfiff abgeblasen werden. Drei Wochen vor dem geplanten Termin habe Corona die Pläne durchkreuzt, berichten sie. Die Plakate und Flyer waren da schon gedruckt, die mussten dann entsorgt werden. Die Programmhefte standen ebenfalls schon, immerhin konnte man darauf nun für die aktuelle Ausgabe in diesem Jahr mit kleinen Änderungen zurückgreifen.

Stimmgewaltiger Chor aus Homburger Fußballfans erwünscht

Diesmal sind sie aber bester Dinge, dass nichts mehr dazwischen kommt. Sie wünschen sich ein großes Publikum, eine volle Tribüne – und auch Fußballfans. „Wir hoffen, dass der eine oder andere kommt und sich mitreißen lässt“, sagt Kowollik. Eintritt verlangen sie nicht – da seien sie einer der wenigen. Das Mitsing-Konzert wird aus verschiedenen Blöcken bestehen: Fünf Chöre mit insgesamt um die 80 bis 100 Mitwirkenden werden nacheinander auf der überdachten Bühne stehen. Mit dabei seien der Chor Kolores aus Herbitzheim, die St. Martin Singers aus Medelsheim, der Frauenchor Höcher Chorifeen, der Männergesangverein Höchen und der Frauenchor MGV Kirrberg. Sie werden jeweils erst ein paar Lieder alleine vortragen, dann ist das Publikum mit gefordert. Es darf, muss aber nicht. „Wir hoffen, dass viele kommen und sich trauen, mitsingen ist erwünscht, aber nicht verpflichtend“, betonen sie. Die Texte gibt es in einem kleinen Liederheft – denn spätestens ab der zweiten Strophe wird es ja erfahrungsgemäß schwierig. Gesungen werden traditionelle deutsche Weihnachtslieder, kündigt Vendulet an. Unterstützen wird dies die junge Trompeterin Julia Metzinger, die Moderation übernimmt Lena Schmidtke.

Auch Jugendspieler werden auf der Musikbühne dabei sein, verrät Kowollik. Und das Maskottchen Manni ist ebenfalls unterwegs.

Knapp zwei Stunden sind eingeplant bis zum gemeinsamen Abschlusslied, dem Klassiker: „O du fröhliche“.

Mit dem großen Vorbild, dem Weihnachtssingen von Union Berlin, wollen sie sich natürlich nicht messen. „Die machen es super, sind ja das Paradebeispiel“, betonen sie. Es soll einfach eine schöne Atmosphäre sein, deswegen habe man bewusst einen Teil der Tribüne ausgewählt, der ein bisschen geschützt ist, zusammen mit der passenden Beleuchtung soll es gemütlich und stimmungsvoll werden.

Bleibt das Wetter, immer ein Unsicherheitsfaktor in unseren Breiten schon im Sommer. Sie haben sich hier auf jeden Fall so gut wie möglich aufgestellt. Die Bühne ist ebenso überdacht wie die Zuschauerränge. Es wird heiße Getränke geben, Glühwein, Kinderpunsch, Kaffee, Kakao, dazu Kleinigkeiten zu essen. Aber eben auch Bier und Rostwurst – wie sich das in einem Stadion gehört.

Kommt das Konzept an, dann muss es keine einmalige Sache bleiben. Wenn es finanzierbar sei, die Leute Spaß haben, dann „sind wir nicht abgeneigt, es nächstes Jahr nochmals anzubieten“.