Holocaust-Überlebender George Shefi erzählte Schüler in Homburg seine Leidensgeschichte

Holocaust-Überlebender George Shefi : Erinnerungen an eine grausame Zeit

George Shefi ist ein Überlebender des Holocaust. Mit Schülern des Saarpfalz-Gymnasiums sprach er über sein Leben.

Die Leidensgeschichten des Holocaust haben unzählige Gesichter. Eines davon ist das von George Shefi. Was Shefis Geschichte, geboren wurde er 1931 als Georg Spiegelglas in Berlin, so besonders macht, das ist der Umstand, dass sie vom Leid der Judenverfolgung jenseits des Grauens in den Konzentrationslagern des NS-Regimes erzählt. Zwar wurde auch Shefis Familie Opfer der Vernichtungspolitik Nazi-Deutschlands, während seine Mutter und seine Tante aber wohl in Auschwitz ermordet wurden, sein Großvater unter den Lasten der Zwangsarbeit starb und sein Vater lange Jahre für ihn verschollen blieb, gelangte der junge George mit den so genannten Kindertransporten zwischen November 1938 und September 1939 nach England.

Zum Hintergrund: Als so genannter Kindertransport (Refugee Children Movement) wird international die Ausreise von über 10 000 Kindern, die als „jüdisch“ im Sinne der Nürnberger Gesetze galten, aus dem Deutschen Reich sowie aus von diesem bedrohten Ländern nach Großbritannien bezeichnet. In Zügen und mit Schiffen konnten die Kinder so ausreisen und den Nazi-Gräueln entgehen. Allerdings: Die meisten sahen ihre Eltern nie wieder. Oftmals waren sie zudem die einzigen aus ihren Familien, die den Holocaust überlebten.

Am Mittwochmorgen waren es Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 9 des Homburger Saarpfalz-Gymnasiums, die von Shefi selbst erfuhren, was es bedeutet, die Reichspogromnacht zu erleben, Familienmitglieder an ein Terrorregime zu verlieren, die Heimat aufgeben zu müssen und sich in jungen Jahren inmitten eines fremden Landes ein neues Leben aufzubauen. Möglich gemacht hatte diese Zeitzeugen-Begegnung zum einen das Landesinstitut für Pädagogik und Medien, zum anderen das Engagement von Geschichtslehrer Matthias Pöhler, der die Veranstaltung in der Aula federführend organisiert und vorbereitet hatte.

Noch vor Pöhler war es Schulleiter Jürgen Mathieu, der die große Bedeutung eines solchen Zeitzeugen-Gesprächs ausdrücklich betonte. „Der zeitliche Abstand zum Dritten Reich wird immer größer. Und logischerweise wird die Zahl derer, die noch ganz authentisch von dieser schrecklichen Zeit berichten können, immer kleiner. Deswegen sind wir sehr glücklich, wenn wir immer wieder die Möglichkeit haben, euch Zeitzeugen zu präsentieren – damit sie erzählen können von dieser schlimmen Zeit, mit der klaren Botschaft: So etwas darf es nie wieder geben, und wehret den Anfängen.“ Angesichts der Tatsache, dass viele und auch antisemitische Gedanken wieder hoffähig seien, war sich Mathieu sicher, dass Menschen, die gut informiert seien, solche Gedanken nicht gut heißen könnten. „Der muss eigentlich gewappnet sein!“

Matthias Pöhler stellte die Frage, welche Formen des Erinnerns noch möglich seien, wenn Zeitzeugen wie George Shefi eines Tages nicht mehr als Quellen zur Verfügung stünden. Hier hätte aber die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern in der jüngeren Vergangenheit gezeigt, dass man da durchaus optimistisch sein dürfe, „dass wir auch ohne diese Zeitzeugen an diese Zeit erinnern können – damit verhindert wird, dass so etwas nochmal auf deutschem Boden geschehen wird“.

Danach hatte dann George Shefi selbst das Wort, nachdem er schon am Montag dieser Woche der Klassenstufe elf aus seinem bewegten Leben berichtet hatte. „Meine Geschichte ist ein bisschen anders“, stieg Shefi in den Vormittag ein – und gab mit einem ersten Hinweis auf die Kindertransporte schon mal eine ersten Einblick in das, was sein Leben nach 1938 entscheidend verändern sollte. „Mein Schicksal ist nicht so grausam wie das von Menschen, die nach Auschwitz oder Bergen-Belsen mussten“, stellte er dabei schon gleich zu Beginn seines von einem deutlichem englischen Akzent geprägten – bedingt ist dies durch seinen Lebenslauf – Vortrages klar. In der Folge schilderte Shefi seine Lebensodyssee, die ihn zuerst in den Kriegsjahren eben nach England, später dann auf einem Truppentransporter zu einem Onkel in die USA, mit 17 Jahren dann nach Israel in einen Kibbuz führte. Was George Shefis Vortrag dabei auszeichnte, das war, bei allem Leid der Entwurzelung, der Humor, mit dem er den Schülerinnen und Schülern einen ganz besonderen und von vielen tragischen Erlebnissen geprägten Einblick in einen schrecklichen Abschnitt der deutschen Geschichte gab.

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