Neue Saarpfalz-Ausgabe: Herzogskastanien, Patene und Goldfibel

Neue Saarpfalz-Ausgabe : Herzogskastanien, Patene und Goldfibel

Auch in der zweiten Ausgabe der regionalhistorischen Zeitschrift „Saarpfalz“ in diesem Jahr blicken die Autoren wieder auf Bemerkenswertes aus der Vergangenheit zurück.

Von der Steinzeit bis ins frühe Mittelalter: Aus diesem langen Zeitraum stammen die archäologischen Funde, die auf der Gemarkung von Wittersheim entdeckt wurden. Eine knapp sieben Zentimeter lange, stichelartige Pfeilspitze am Wingertsberg, von Hans Cappel aus Blieskastel aufgelesen und vielleicht eine halbe Million Jahre alt, stellt darunter den frühesten Nachweis für die Anwesenheit des Menschen dar. Was danach Kelten, Römer und schließlich Franken im Untergrund des heutigen Mandelbachtaler Ortsteils hinterlassen haben, das beleuchtet Heribert Ochs in der neuen Ausgabe der „Saarpfalz“: Die vom Fachbereich Kultur und Heimatpflege im Homburger Landratsamt herausgegebene regionalhistorische Zeitschrift ist nunmehr in ihrer zweiten Ausgabe für 2018 und als 137. Folge insgesamt erschienen.

Der Autor geht insbesondere auf die Ausgrabung zweier gallorömischen Gutshöfe, unter Fachleuten als „villa rustica“ bezeichnet, ein. In der „oberen Tattenbach‟ sowie in der Gewanne „Im Ormesheimer Loch“ wurden zwei dieser stattlichen Immobilien festgestellt und untersucht. Die Grabbeigaben aus der „Merowingerzeit“ (5. bis 8. Jahrhundert) bilden den Abschluss des Berichtes: Schwerter und Dolche, aber vor allem eine goldene Scheibenfibel mit Edelsteinen dokumentieren mithin auch den Wohlstand von damals.

Die Errichtung und Einweihung des neuen Pirminiusbrunnens vor der St. Martinskirche in Medelsheim im Jahr 1953 lässt der ehemalige Ortsvorsteher des Hauptortes der „Parr“, Rainer Lagall, Revue passieren. Anlass dafür war der 1200. Todestag des heiligen Pirminius, der am 3. November 753 im Kloster Hornbach gestorben und dort auch bestattet worden war. Die lange Tradition der Pirminiusverehrung in Medelsheim sollte mit der Anlage bekräftigt werden. Wie Lagall berichtet, begann die Einweihung mit einer Prozession, bei der kirchliche Würdenträger eine Reliquie des Heiligen mit sich führten. Der neue Brunnen ersetzte jene Anlage, die gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zusammen mit dem Schulhaus zerstört worden war.

Wie die Herzogskastanien, alljährlich im Herbst das Mekka von Maronensammlern, auf den Karlsberg kamen, erzählen die Kunsthistorikerin Jutta Schwan und der Homburger Förster Michael Pfaff. Die seinerzeit als „Chataignerie“, also als Kastanienhain bezeichnete Anlage, wurde demnach von dem pfalz-zweibrückischen Hofgärtner Ernst August Bernhard Petri (1744-1809) geschaffen. Die Autoren schreiben, dass heute noch elf dieser alten Bäume erhalten sind. Freilich: Die „Nachkommen“ der Herzogskastanien seien heute über den gesamten Karlsberg verteilt zu finden – was eifrigen Eichhörnchen zu verdanken sei.

Dokumentiert wird die Gedenkfeier, die anlässlich des 125. Todestag von Karl August Woll im April auf dem alten Friedhof in St. Ingbert abgehalten wurde. Den Dichter, der als „Klassiker der Pfälzer Mundart“ gilt, würdigte Jürgen Bost in seiner Rede als „eine der herausragenden Gestalten des St. Ingberter Kulturlebens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts“. Kulisse der Feier war der monumentale Grabstein des 1834 geborenen Autors der „Pfälzer Gedichte“, der allerdings nach wie vor einen Makel aufweist. Die Bronzebüste des Poeten ist 1994 gestohlen worden und seither verschollen.

Die Entwicklung der Gerichtsbarkeit im Saarland ist das Thema des Juristen Heike Jung. Dabei skizziert er nicht nur die Geschichte der „Gerechtigkeitspflege“, sondern betont auch die Bedeutung von Architektur, Symbolik und Sprachgebrauch. Die verschiedenen politischen Epochen, vor allem jene der napoleonischer Zeit, seien bis heute in diesen Rubriken sichtbar.

Das Grabmal von Karl August Woll auf dem Alten Friedhof in St. Ingbert war Kulisse für die Gedenkfeier zum 125. Todestag des Dichters. Foto: Martin Baus

Dass Siebenpfeiffer nicht nur streitbarer Demokrat, sondern auch in Sachen Kirche und Religion vielfältig engagiert war, ist weiteres Thema der aktuellen Saarpfalz-Blätter. Während er mit Johann Jackel, dem katholischen Pfarrer von Homburg, dauerhaft über Kreuz lag und ihn einmal als „dummen Bauer und Jesuitendiener“ bezeichnete, unterhielt er mit dem protestantischen Dekan Gottfried Weber ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Bis heute im Besitz der Homburger Kirchengemeinde erhalten hat sich eine „Patene‟, eine silberen Schale, die Siebenpfeiffer und seine Frau Emilie zur Geburt ihrer Tochter Cornelia 1826 stifteten.