Herzkrankheiten im Fokus

Über die Notwendigkeiten von Informationsveranstaltungen, moderne Heilungschancen und Möglichkeiten der Vorbeugung rund um Herzinfarkt und Krankheiten der Herzkranzgefäße sprach unser Mitarbeiter Thorsten Wolf mit Professor Michael Böhm, dem Direktor der Klinik für Innere Medizin III am UKS.

Wenn Evelyne Schmitt etwas über Herzkrankheiten erzählt, dann weiß sie, wovon sie spricht. Vor 25 Jahren erhielt sie eine künstliche Herzklappe - heute ist sie ehrenamtliche Beauftragte der Deutschen Herzstiftung im Saarland. Genau in dieser Funktion war sie dann gestern Abend auch erste Anlaufstelle für die zahlreichen Gäste der Veranstaltung "Herz in Gefahr - Koronare Herzkrankheiten und Herzinfarkt " im Homburger Forum als Teil der bundesweiten Herzwochen im November. Was fragen die Leute an einem solchen Abend eigentlich? "Natürlich interessieren sie die Gäste für unser umfangreiches Informationsmaterial. Aber als selbst Betroffene kann ich vieles aus eigener Erfahrung berichten. Und das ist dann noch mal für die Leute etwas ganz anderes als ein Gespräch mit dem Arzt." Dabei gehe es natürlich darum, im Gespräch niemandem Angst zu machen, gerade wenn eine akute Erkrankung vorliege oder behandelt sei. "Ich frage dann immer, wie es dem Betreffenden geht, hake auch durchaus nach. Und ich denke, dass dies das ist, was die Leute oft auch wolle, sie möchten über ihre Krankheit reden."

Im Fokus des gestrigen Abends stand der Herzinfarkt und Krankheiten der Herzkranzgefäße . Und damit stand neben der Deutschen Herzstiftung auch Professor Michael Böhm, Direktor der Klinik für Innere Medizin III (Kardiologie, Angiologie, Internistische Intensivmedizin) am Homburger Universitätsklinikum mit seinem Team im Mittelpunkt. Angekündigt auch: Professor Hans-Joachim Schäfers, der Direktor der Klinik für Thorax und Herz-Gefäß-Chirurgie als Spezialist für Herzoperationen.

Böhm hatte an Dozenten und Themen aufgeboten, was ein so komplexes Thema den zahlreichen Gästen nahebringen kann: Dr. Stephan Schirmer erläuterte Grundsätzliches zu Erkrankungen der Herzkranz-Gefäße, Professor Ulrich Laufs widmete sich den "Langzeiterfolgen durch Lebensstiländerungen". Professor Christoph Maack beleuchtete die Behandlung mit Medikamenten, sein Kollege Dr. Bodo Cremers referierte über die Möglichkeiten, verschlossene Blut-Gefäße mit einer so genannten "Ballondilatation" (hier wird ein Herzkranzgefäß mit einem Ballonkatheter aufgedehnt) oder mittels Stent, einer Gefäßstütze mit der selben Wirkung, zu öffnen und offen zu halten. Professor Hans Joachim Schäfers sollte dann (er stand zu Beginn der Veranstaltung noch im Operationssaal) über Bypass-Operationen berichten, während es Dr. Andreas Link vorbehalten war, Ratschläge für den Notfall zu geben.

Eben diesen Notfall, den Verdacht eines Herzinfarktes, stellte Böhm an den Beginn seiner Einleitung, mit einer klaren, knappen Botschaft: "Niemals zögern, Notruf wählen. Das Überleben steht und fällt damit!"Welche Bedeutung haben Veranstaltungen wie die heute Abend im Homburger Rathaus für die Aufklärung?

Michael Böhm: Jeder hat Wissen aus Büchern, von Verwandten oder von Bekannten. Dieses Wissen ist oft sehr unpräzise. Wir wollen Laien verständlich erklären, welche Symptome es gibt und wie wichtig es ist, sich in ärztliche Behandlung zu begeben.

Wie begegnet man der Angst der Menschen vor diesen beiden Krankheitsbildern?

Michael Böhm: Mit einer sachlichen Aufklärung. Und man muss den Menschen nahe bringen, entsprechend gesund zu Leben, auch mal einen Arzt aufzusuchen und, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, rechtzeitig zu reagieren und nichts zu verzögern.

Wann macht es Sinn, eine Vorsorgeuntersuchung durchzuführen?

Michael Böhm: Grundsätzlich empfehle ich eine solche Untersuchung mit 40. Da wird dann nur der Blutdruck gemessen und man schaut nach dem Risikoprofil. Menschen mit Beschwerden sollte natürlich unabhängig vom Alter zu einer solchen Untersuchung gehen. Und ein Raucher im Alter von 30 oder 40, der einen Vater oder Mutter mit Herzinfarkt oder Schlaganfall hat, unbedingt.

Wie gelingt es, Menschen von der Prävention, von einem gesunden Lebenswandel zu überzeugen?

Michael Böhm: Man muss sich vorstellen, wie man sich nach einem Herzinfarkt fühlt, mit Blick auf die Familie, den Beruf, die Lebensperspektive, die Zukunftspläne. Da geht einiges den Bach runter. Und ein bisschen Angst schadet hier nicht.