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Herkrankem Mädchen konnte in Homburg geholfen werden

Uniklinikum : Maschas Herz schlägt wieder regelmäßig

Die 16-jährige Maria Batogova ist in Homburg am Herz operiert worden - sie leidet an einer seltenen Krankheit.

Maria Batogova ist noch ein bisschen schüchtern, kein Wunder, da sie von deutschsprachigen Journalisten umringt wird und nichts von dem versteht, was über sie gesprochen wird. Dass es um ihr Herz geht, weiß sie aber. Und um eine seltene Erbkrankheit, die auch schon ihr Vater, ihre Oma und ihr Onkel hatten: ihr Herzmuskel ist ungewöhnlich verdickt. Und zwar so verdickt, dass das Blut nicht mehr richtig aus der linken Herzkammer ausströmen konnte. Herzrythmusstörungen bis hin zu Atemnot waren die Folgen.

Die 16-jährige Schülerin aus der russischen Stadt Tver trieb noch bis vor einigen Jahren Leistungssport, „sie hat viele Medaillen gewonnen“, sagt ihre Mutter, „aber sie weiß, dass sie jetzt kürzer treten muss.“ „Es ist ungünstig, mit dieser Krankheit übermäßig zu trainieren“, betont der Kinderkardiologe Professor Hashim Abdul-Khaliq „denn dann wächst der Herzmuskel wieder an. Gerade das wollen wir ja vermeiden.“

Maria Batogova, die von ihren Eltern liebevoll Mascha genannt wird, wurde vor zehn Tagen in Homburg von Professor Joachim Schäfers operiert, es war ihre zweite Herz-OP innerhalb von drei Jahren, was mit ihrem Wachstum zusammenhing. „Nun dürfte alles gut sein und sie muss nach bisherigem Stand nicht noch einmal operiert werden“, betont Professor Abdul-Khaliq, „ihr Herz ist ausgewachsen.“

Wieso kam Mascha nach Homburg? Es war ein glücklicher Umstand, dass das Krankenhaus von Tver – eine Stadt an der Wolga zwischen Moskau und St. Petersburg – gute Verbindungen zum Uniklinikum in Homburg hat. Ärzte tauschen sich aus, werden in Homburg geschult, auch Geräte aus Homburg wurden schon für die Kinderkardiologie in Tver gespendet.

Marias Vater, der ebenfalls an einer Herzmuskelverdickung leidet, ist von einem Moskauer Arzt operiert worden. Von ihm bekam er den Tipp, sich im Fall seiner Tochter nach Homburg zu wenden, „weil der Moskauer Professor wusste, dass Professor Schäfers in Homburg über viel Erfahrung bei Herzkammer-Operationen verfügt.“ Außerdem sei die Verdickung bei Maria außergewöhnlich ausgeprägt gewesen, „es ist ein komplizierter Eingriff“, erklärt Abdul-Khaliq, „denn man muss wissen, wieviel Muskelmasse man wegschneidet und an welcher Stelle. Professor Schäfers hat das schon öfter gemacht, das war der Grund für Marias Aufenthalt in Homburg.“

Die Eltern, beide Juristen, hatten die Summe von 10 000 Euro zusammengespart, hinzu kam noch eine großzügige Spende von 16 000 Euro des Vereins „Herz für Kinder“, denn neben der eigentlichen OP schlug auch Marias zehntägiger stationärer Aufenthalt zu Buche. Die Eltern wohnten in der Zeit kostenlos im Ronald-McDonald-Haus auf dem Campus, worüber sie sehr froh waren. Aber vor allem ist erst einmal ihre Mascha froh, dass sie wieder normal atmen kann und ihr Herz nicht mehr verrückt spielt. „Ohne diese Operation hätte sie vermutlich in absehbarer Zeit einen plötzlichen Herztod erlitten“, vemutet Abdul-Khaliq.

Und er zitiert medizinische Studien, dass mindestens die Hälfte aller jungen Sportler, von deren plötzlichen Herztod man höre, an dieser Krankheit gelitten haben. „Oft wissen es die Sportler nicht. Und womöglich wäre eine leichte Verdickung gar nicht mal so aufgefallen, aber durch den Sport wächst der ohnehin schon verdickte Herzmuskel noch mehr an – und versperrt damit den Blutdurchfluss.“

Maria ist ein fröhliches Mädchen, das sich in Homburg wohlgefühlt hat. Zu ihrem Arzt, Professor Abdul-Khaliq, fasste sie schnell Vertrauen.  Foto: Christine Maack
Die Operation führte Professor Joachim Schäfers aus, hier im blauen Hemd bei einem Workshop über Herzklappen, seinem Spezialgebiet. Foto: Koop/UKS

Ab heute muss Mascha nicht mehr im Krankenhaus bleiben, sie habe sich „erstaunlich schnell erholt“, lobt Abdul-Khaliq. In einigen Tagen geht es wieder nach Hause. Alle sechs Monate wird sie dort kontrolliert – und sie wird lebenslang Medikamente nehmen müssen, „Beta-Blocker, um das Herz in eine ruhige und regelmäßige Gangart zu bringen“. Nach der aufregenden Pressekonferenz geht es Mascha besser, sie lacht und springt vor dem Gebäude der Kinderklinik herum. Sport will sie weiterhin machen, Ping-pong und Schwimmen. Das alles sei kein Problem, nur Medaillen sind nicht mehr drin. Aber dafür sei Mascha jetzt gesund, sagen die Eltern erleichtert.