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Hellmut Hattler spielte in Homburger Gymnasium

Mannlich-Gymnasium : Groovende Musik und tolle Bassläufe

Hellmut Hattler begeisterte mit seiner namhaften Formation erneut im Homburger Mannlich-Gymnasium.

Welch ein Abend! Was Hellmut Hattler mit seiner Formation Hattler in der vergangenen Woche in der Reihe „Mannlich meets ...“ am Homburger Christian-von-Mannlich-Gymnasium bot, war schlicht grandios. Wir immer organisiert von der AG „Veranstaltungstechnik und Eventmanagement“ der Schule bot das Konzert einen unglaublich erfrischenden Weg abseits des gegenwärtigen Mainstreams – ohne sich dabei in verkopften Tonfolgen zu ergehen. Aber dafür steht der Name Hattler seit den siebziger Jahren: Groove, gefasst in einem fantastischen Basssound und so gespielt nur von Hellmut Hattler.

Hallers Karriere beginnt Anfang der Siebziger und ist untrennbar mit der Band Kraan verbunden. Verwurzelt im Jazzock war Kraan ein Synonym für die gelungene Verbindung dieser beiden Genres. Und: Die Band begründete auch den Ruf Hattlers, „der“ deutsche Bassist schlechthin zu sein, fußend neben seiner unglaublichen Musikalität auch auf seiner speziellen Technik, wie er den Bass mit dem Plektron spielt.

Eben diese deutsche Musikerlegende bewies bei seinem Auftritt in Homburg, warum dieser Ruf auch heute noch gerne weit und laut hallen darf. Mit einem gewohnt experimentierfreudigen Torsten de Winkel an der Gitarre, Oli Rubow an den Drums und Elektronika sowie Fola Dada als Stimme bot die Band Hattler eine Musik, die sich mit ihren Wurzeln in der Vergangenheit und mit ihren Blüten mitten in der Gegenwart bewegte. Das Bemerkenswerte: Auch wenn sein Name Programm war, fiel Hellmut Hattler nie der Gefahr anheim, sich selbst viersaitig in den Vordergrund zu spielen. Die Tonlandschaft bot immer allen Akteuren genau das Maß an Raum, das ein jeder benötigte, um in der Summe des Einzelnen etwas viel Größeres enstehen zu lassen. Dies lag dabei nicht nur an Hellmut Hattlers unstrittiger Professionalität, gewachsen in vielen Jahrzenten auf der Bühne, sondern natürlich auch an der Qualität der anderen Musiker: Fola Dada ist eine Pop- und Jazz-Sängerin von Rang, sie ist Komponistin, Texterin, Gesangslehrerin und Hochschuldozentin. Zudem war sie mehrere Jahre Stimmtrainerin bei Erfolgsformaten wie „Deutschland sucht den Superstar“ und „Supertalent“. Gitarrist Torsten de Winkel beherrscht das klassische Spiel ebenso perfekt wie das Experimentieren. Zudem ist er Improvisationtheoretiker und Multi-Instrumentalist. Der Frankfurter Oli Rubow am Schlagwerk ist schließlich als Workshop-Dozent, Buchautor und Live-Schlagzeuger in der Szene ein Begriff – und hat in der Kombination mit elektronischen Sound eine ganz besondere Soundlandschaft erschaffen, von der auch Hattler profitiert.

Das Mannlich-Gymnasium hatte sich also ein Formation für ihre Konzertreihe „geangelt“, die ohne Zweifel das Prädikat „hochkarätig“ verdient. Und dieses Prädikat vewandelten Hattler, de Winkel, Dada und Rubow, auch mit dem signifikanten Einsatz elektronischer Klänge, in hörbare Realität. Es groovte in der Aula der Schule, es wurden alle Register des Jazz mit all seinen Facetten und Grenzgängen hin zu anderen Genres wie Rock, Pop und Elektro gezogen. Jazzig wurde es vor allem dann, wenn Fola Dada mit ihrer Stimme verzauberte, in Richtung Prog-Rock mit experimentellen Einschlägen wanderte das Konzert, wenn es rein instrumental wurde. Immer dabei prägend: das unglaubliche Gefühl von Hellmut Hattler am Bass und die Magie, die de Winkel mit ganz unterschiedlichen Spieltechniken entwickelte. Was am Abend auch zu einer ganz besonders dichten Stimmung sorgte, war die Visualisierung des Konzertes, mal mit verfremdeten Live-Bildern von der Bühne, mal mit freien Interpretationen dessen, was da zu hören und zu erleben war. Diese bildhafte Umsetzung erinnerte, wie auch manchmal ganz Passagen in den Instrumentals, ein wenig an Pink Floyd.

Hellmut Hattler selbst war sichtlich froh darüber, schon ein zweites Mal nach 2016 Teil der Konzertreihe „Mannlich meets ...“ zu sein – vor einem ernsten Hintergrund, hatte Hattler doch kranheitsbedingt lange Zeit auf Live-Auftritte verzichten müssen. „Ich freue mich ganz besonders, dass es wieder die Bretter sind, auf denen ich mich gerne wälze, bewege. Das stand jetzt eineinhalb Jahre ziemlich auf der Kippe. Deswegen freue ich mich umso mehr, dass alles klappt – mit meinen tollen Mitmusikern Songs zu spielen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind“, sagte er gegenüber unserer Zeitung.