Helferin in bangen Stunden

24 Stunden am Tag wird gearbeitet - auch in Homburg. In einer Serie begleitet die Saarbrücker Zeitung Menschen jeweils eine Stunde lang bei ihrer Arbeit. Im 13. Teil erzählt die Pfarrerin Sabine Hofäcker von ihrer Arbeit als Klinikseelsorgerin zwischen 12 und 13 Uhr.

Homburg. Homburger Universitätsklinikum, Büro der evangelischen Klinikseelsorge, kurz nach zwölf Uhr: Für Pfarrerin Sabine Hofäcker stehen in dieser Stunde einige administrative Tätigkeiten auf dem Tagesplan. "Zum einen informiere ich mich über all das, was es Neues in der Klinik gibt. Zum anderen arbeite ich in dieser Zeit auch an einzelnen Projekten, aktuell an der Einrichtung eines richtigen Verabschiedungsraumes in der Pathologie." Als Klinikseelsorgerin steht Hofäcker nicht selten zwischen Leben und Tod, begleitet Menschen, wenn die Patienten es möchten, durch die Zeit der Krankheit, auch in den letzten Stunden des Lebens, keine leichte Aufgabe. Wie man damit umgeht? Sabine Hofäcker differenziert. "Das gestaltet sich sehr unterschiedlich. Manche Patienten kennt man schon sehr lange und man kennt die Auf und Abs während der Behandlung. Dieses Hoffen und Bangen. Dann gilt es für mich, den Weg mitzugehen." Sabine Hofäcker sieht ihre seelsorgerische Arbeit als Angebot für Menschen in schwieriger Zeit.Wie und ob ihr Beistand angenommen wird, gestaltet sich dabei so unterschiedlich, wie die Menschen selbst es sind. "Meistens hab ich es hier ja mit Leuten zu tun, die, wenn sie hören, dass ich von der Klinikseelsorge bin, abchecken, ob jetzt nur fromme Sprüche kommen und ich sie "volllabern" will. Im Gespräch testet man sich dann gegenseitig aus. Die Patienten schauen und prüfen sehr genau, was ich ihnen geben kann. Und für mich geht es darum, zu schauen, in welcher Situation der Mensch sich befindet."

Betreuung vom seelsorgerischen Fließband ist nicht gefragt. "Ich versuche, Hilfreiches und Einleuchtendes zu sagen, anzubieten und zu fragen, ob es für den Menschen auch hilfreich ist." In der Grenzsituation der Erkrankung frage sich so mancher "Warum gerade ich? Warum lässt Gott das zu? Habe ich etwas böses gemacht?" Für Sabine Hofäcker sind das die falschen Fragen. "Ich glaube, hier denken wir nicht richtig. Wir glauben, Kranheit wäre eine Strafe. Krankheit gehört aber einfach zum Leben dazu. Krankheit ist eine andere Aufgabe für den Menschen."

Im Einfluss einer schweren Erkrankung oder in der Nähe des Todes steht für Sabine Hofäcker immer das Leben im Vordergrund. "Die Aufgabe, die sich den Patienten jetzt stellt ist einfach eine andere.

Die Menschen sollen erkennen, was ihnen gut tut, was sie noch machen können. Und sie sollten sich das Recht nehmen, ihr Leben auch so zu organisieren. Dazu möchte ich die Patienten animieren."

Für Hofäcker ist fester Grundsatz ihrer Arbeit: "Das Leben geht, bis Du wirklich tot bist. Und so lange ist es wichtig und sinnvoll, die Zeit zu nutzen, die ich habe. Denn nur über das, was jetzt ist, kann ich wirklich verfügen." Augen zu und durch in Zeiten einer schweren Erkrankung ist für Hofäcker ein falscher Ansatz im Umgang mit dieser Herausforderung. "Kein Patient weiß, wie es ausgeht. Und für "Augen zu und durch" sind die Behandlungszeiten oft zu lang. Man lebt auch während der Krankheit. Und dieses Leben gilt es auch dann zu füllen."

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