1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. Homburg

Hans J.N.R. Wiedemann aus Homburg ist Maler und Musiker

Kunst in der Corona-Krise : Zuhause in zwei künstlerischen Welten

Der pensionierte Kunstlehrer Hans Wiedemann ist ein kreatives Multitalent: Er malt, spielt Querflöte und Schlagzeug.

Da ist zuerst die Sache mit seinem Namen: Mit J.N.R. Wiedemann unterschreibt der Homburger Maler seine Bilder. Das Pseudonym kommt daher, dass er tatsächlich Johann Nepomuk Reinhard als Vornamen im Pass stehen hat. Die meisten kennen ihn aber unter dem Rufnamen Hans. So vielfältig wie die Namen, so vielfältig der Künstler: Wiedemann ist nicht nur in der Bildenden Kunst tätig, sondern auch in der Musik.

1954 kommt er in Frankenholz zur Welt („Damals stand dort noch ein Krankenhaus“). Für die künstlerische Karriere ist wichtig, dass die Eltern einen Medizinstudenten als Untermieter im Haus haben. „Der war ein guter Maler und Bildhauer, das hat mich motiviert.“ Da auch Wiedemanns Vater ein Talent besitzt, malen manchmal alle drei zusammen in einem Zimmer. Der kleine Hans erstellt sein erstes Ölbild schon mit sechs Jahren: Das Stillleben von einer Birne. Noch zu Schulzeiten kauft er sich eine Druckerpresse für Druckgrafiken, mit den Eltern besucht er Museen wie die Münchner Pinakotheken.

Was die Musik betrifft, muss er erst Geige lernen, weil dieses Instrument bereits im Haus ist. „Ich hätte aber lieber Gitarre gelernt“, sagt er heute. Kein Wunder, betrachtet man, was damals angesagt war: die Beatles und die Stones. Den Gitarrenpart übernimmt dann aber ein Mitschüler vom Saarpfalz-Gymnasium. Er selber baut sich aus Waschpulvertonnen ein Schlagzeug. „Später wurde dann eins gekauft für 25 D-Mark. Das war ein tolles Ding wie aus dem Zirkus, mit einer ganz hohen Bassdrum. Es klang schrecklich, war aber ein Fortschritt.“ Dann aber darf sich der junge Musiker ein richtiges Sonor-Schlagzeug zulegen. Die erste Band wird gegründet und nennt sich Old Age. Geprobt wird im Thomas Morus-Haus in Erbach, dort gibt es auch die ersten Auftritte.

„Wir haben dann auch im Umkreis gespielt bis nach Lambsborn, Beatmusik für Tanzsäle. Da waren wir so 14, 15, 16. Die Fans waren so verrückt, die sind von Homburg bis nach Lambsborn gelaufen, um uns zu hören!“ Zu dieser Zeit gab es noch keine Discos, die Auftritte von Beat- und später Rockbands waren gerade auf dem Dorf Großereignisse. Schnell ging es in eine etwas härtere Richtung: „Deep Purple, Black Sabbath, The Who und Cream. Da ging’s zur Sache.“

Nach der Schule entscheidet sich Wiedemann aber für die Malerei. Er studiert „Bildende Kunst für das Kunsterzieher-Lehramt an Gymnasien“ an der Staatlichen Kunsthochschule in Stuttgart. Das Schlagzeugspielen gibt er zunächst auf, einfach weil er in seiner Mietwohnung nicht üben kann. Dafür tritt die Querflöte in sein Leben. „Da habe ich halt damit die Nachbarn zum Wahnsinn getrieben.“ Der Reinhard Mey-Song „Gute Nacht, Freunde“ fasziniert ihn, und zwar in der Version von Inga & Wolf, in der die Flöte eine gewichtige Rolle spielt. Bei der japanischen Konzertflötistin Miyoko Winkler nimmt der Kunststudent klassischen Flötenunterricht. Nach dem Referendariat in Esslingen zieht es Wiedemann zurück ins Saarland, wo er zunächst am Hochwald-Gymnasium in Wadern eine Stelle bekommt. Privat lebt er teils in Saarbrücken, teils im Elternhaus in Homburg.

Beim späteren Schlagzeugprofessor der Musikhochschule, Oliver Strauch, bildet er sich weiter  – im Jazz. Er steigt ins Walter Schubert Trio und ins Petra Haller Quartett ein, spielt mit Jazzgrößen wie Oleg Berlin und Laurent Gianez. In Homburg tritt er auf dem Marktplatz oder im Storchen auf, auch im Großen Sendesaal des Saarländischen Rundfunks oder in der Stummschen Reithalle sieht man ihn am Schlagzeug sitzen. Irgendwann packt er die Flöte wieder aus, spielt Klassik, Latin und Jazz in Duos mit Gangolf Hontheim und Dietmar Kunzler. Längst ist Wiedemann Kunstlehrer am Saarpfalz-Gymnasium und betreibt parallel seine Karriere als Maler. Seine Bilder werden in der saarländischen Landesvertretung in Berlin genauso ausgestellt wie im Pariser Maison de la Sarre.

Stilistisch handelt er nach dem Leitsatz von Caspar David Friedrich: „Der Maler soll nicht malen, was er vor sich sieht, sondern was er in sich sieht.“ Eine ganze Serie von Fjordbildern malt J.N.R. Wiedemann aus dem Gedächtnis, nachdem er zu Schiff die norwegische Hurtigruten-Strecke gereist ist. Dabei verfremdet er die Landschaft mit verschiedenen Techniken. Seit ein paar Jahren aus dem Schuldienst ausgeschieden, kann sich der Maler und Musiker nun ganz der Kunst hingeben. Fürs Schlagzeug fehlt dem Allrounder derzeit die richtige Band, die Auftritte mit den Duos ruhen aufgrund der Coronakrise. Wie gut, dass Wiedemann nicht auf eines festgelegt ist – die Malerei lässt sich auch in sozialer Distanz betreiben.