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Handfester Gitarrenrock direkt von der Ostküste

Handfester Gitarrenrock direkt von der Ostküste

Zum Abschluss des Maifestes vertrömten The Brandos am Sonntagabend ihr New Yorker Flair auf dem Christian-Weber-Platz.

Es soll ja nicht immer gutgehen, als Kulturmanager auf den eigenen Geschmack zu setzen. Im Falle von Achim Müller vom Homburger Kulturamt und dem Konzert zum Abschluss des Maifests hat es aber geklappt: "The Brandos ist meine Lieblingsband seit ewigen Zeiten, da bin ich mal egoistisch gewesen", sagte Müller zum Auftritt der New Yorker Band am Christian-Weber-Platz. Auch mit dem Besuch zeigte er sich zufrieden: Die etwa 300 Besucher seien "für Sonntagabend sehr gut".

Den Brandos hätte man vielleicht noch ein paar mehr gewünscht, denn sie lieferten eine von Grund auf sympathische und ehrliche Rock-Show ohne Schnörkel ab. Zu Beginn scherzte Sänger und Gitarrist Dave Kincaid noch, dass sie gerade am Anfang ihrer Tour stünden und noch gar nicht so recht wüssten, was sie tun wollten. Das war aber reine Koketterie des 60-Jährigen, auf dessen Alter man nie kommen würde. Stimmlich liegt Kincaid irgendwo in der Kategorie Reibeisen zwischen Bruce Springsteen und Bryan Adams. Musikalisch lieferten The Brandos Rock mit irischen und mexikanischen Einflüssen ab. Das erklärte sich daraus, dass Kincaid irischer Abstammung ist und eine Zeit lang an der Grenze zu Mexiko gelebt hat. Einige Songs hatten deshalb sogar spanische Texte - das passte gut zu den sommerlichen Temperaturen. Kincaid zeigte sich als klarer Boss der Band, der auch die meisten Gitarrensoli übernahm, und das wirklich sehr gekonnt. Einmal schickte er seine Mitmusiker ganz von der Bühne, nahm die Akustikgitarre und sang ein Lied für seinen Sohn, dem er darin wünschte, niemals eine Waffe in die Hand nehmen zu müssen. Das hätte bei anderen vielleicht aufgesetzt und nach Beifall heischend gewirkt, bei Kincaid jedoch kam das jedoch echt und ehrlich rüber. Auch der manchmal übertriebene Pathos seiner berühmteren Kollegen Springsteen und Adams war bei den Brandos nicht zu finden.

Mit zwei richtig starken Songs endete der offizielle Teil: "Gettysburg" behandelt den amerikanischen Bürgerkrieg und ist der größte Hit der Brandos; "Nothing To Fear" überzeugte mit der eingängigen Figur auf der zweiten Gitarre, über die Kincaid ein tolles Solo setzte. Nach zwei Stücken Zugabe war aber für die Fans noch nicht Schluss - sie schafften es tatsächlich, dass The Brandos ein letztes Mal auf die Bühne kamen.

Am Ende hatte die Band einige neue Fans gewonnen: "Ich war nur die letzte halbe Stunde hier, aber das hat mir gefallen, Rockmusik geht mir ins Blut", sagte Birgit Eggers aus Brücken. Sie war spontan zum Maifest gefahren in der Hoffnung auf gute Musik - die sich dann erfüllte. Ihre Freundin Marta Siegle aus Homburg kannte die Brandos auch nicht, aber: "Ich fand die Stimme des Sängers genial", schwärmte sie.

Dem schloss sich Elke Ernert an: "Ich habe die Brandos zum ersten Mal gehört. So ein schöner, ehrlicher Gitarrensound gefällt mir - ich fand's traumhaft. Das war das Beste vom ganzen Maifest." Achim Müller zog ein insgesamt positives Fazit der fünf Tage Maifest: "Die Abendveranstaltungen waren genial, nur das Tagesgeschäft gestaltete sich für manche Händler problematisch, weil es tagsüber schon zu heiß war. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau - ich beschwere mich sicher nicht übers Wetter!".