| 20:08 Uhr

Präventionskampagne
Was tun beim Herzinfarkt?

 Werner Wittmer-Braun und Werner Wingerter (v.l.n.r.) von der Reha-Sportgemeinschaft Homburg stellten die Angebote der RSG für Patienten mit erlittenem Herzinfarkt oder Schlaganfall vor.
Werner Wittmer-Braun und Werner Wingerter (v.l.n.r.) von der Reha-Sportgemeinschaft Homburg stellten die Angebote der RSG für Patienten mit erlittenem Herzinfarkt oder Schlaganfall vor. FOTO: Bill Titze
Homburg. Präventionskampagne HerzSchlag des Gesundheitsministeriums informiert Schüler über das Wie. Von Bill Titze

Bei Herzinfarkt und Schlaganfall zählt jede Minute – was recht banal klingt, kann im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden. Bei einer Infoveranstaltung im Rahmen der Präventationskampagne „HerzSchlag“ des Saar-Gesundheitsministeriums wurde dies den Besuchern eindringlich vor Augen geführt. Vorträge und Infostände boten in den Räumen des Christian-von-Mannlich-Gymnasiums dabei die Möglichkeit, sich auf eine solche Situation einzustellen. Wie erkenne ich einen Herzinfarkt oder Schlaganfall und welche Maßnahmen muss ich im Notfall ergreifen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Veranstaltung, die vom Verein Prävention und Gesundheit im Saarland (Pugis) in Kooperation mit „Homburg lebt gesund!“ ausgerichtet wurde. Wie wichtig dieses Thema ist, unterstrich Thomas Lamberty vom Gesundheitsministerium in seinem Grußwort. „Die Zahl der Herzinfarkte und Schlaganfälle ist besorgniserregend und steigt seit 2010 kontinuierlich an. Ursache ist natürlich die zunehmende Alterung der Gesellschaft, aber auch der Lebensstil trägt dazu bei.“


Dementsprechend sei es Ziel des Ministeriums „die Menschen in allen Lebensräumen für die Prävention zu sensibilisieren.“ Dass dies dringend nötig ist, machte Lamberty auch an einigen Zahlen deutlich: so betrage beispielsweise laut einer Umfrage die Zeit bis zum ersten medizinischen Kontakt bei einem Herzinfarkt im Durchschnitt 111 Minuten. „Das ist natürlich deutlich zu lang.“ Bei den folgenden Vorträgen von Spezialärzten standen Ursachen und Symptome der beiden Erkrankungen im Mittelpunkt. Zunächst klärte Kardiologe Dr. Saarraaken Kulenthiran vom Universitätsklinikum des Saarlandes über das Phänomen Herzinfarkt auf. „Typische Symptome sind hier ein massives Engegefühl auf der Brust, ein heftiges Brennen, sowie Angstschweiß auf der Haut.“ Risikofaktoren seien die genetische Veranlagung und Bluthochdruck, aber auch Rauchen und Stress. „Es ist sehr wichtig bei einem Herzinfarkt sofort den Notarzt zu rufen und nicht zunächst den Hausarzt aufzusuchen“, betonte Kulenthiran.

Für Patienten, die einen Herzinfarkt erlitten haben, ist aber auch noch etwas anderes von großer Bedeutung: eine Änderung der Lebensführung, um weiteren Infarkten vorzubeugen. Eine Komponente ist dabei die körperliche Aktivität, für die es an den Infoständen eine gute Anlaufmöglichkeit gab: die ehrenamtlich tätige Reha-Sportgemeinschaft Homburg. „Wir bieten Betroffenen einmal die Woche Rehasport in ambulanten Herzgruppen an“, erzählt der Vereinsvorsitzende Werner Wingerter. „Unter der Leitung eines speziell ausgebildeten Übungsleiters und eines kardiologisch erfahrenen Arztes haben Patienten die Möglichkeit, individuell angepasst körperlich aktiv zu werden und so Risikofaktoren zu reduzieren.“ Das Angebot richtet sich dabei auch an Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben. Wie wichtig auch hier schnelles Handeln ist, machte Frank Maier, Facharzt für Neurologie am Caritas Klinikum St. Theresa Saarbrücken, in seinem Vortag deutlich. „Eine wirklich wirksame Akuttherapie ist bei einem Schlaganfall nur in den ersten viereinhalb Stunden möglich. Es besteht dann die Möglichkeit, Gerinnsel medikamentös oder seit 2015 auch mechanisch zu entfernen. Es zählt also jede Minute.“