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Gymnasium Johanneum Homburg präsentierte "Die Physiker" von Dürrenmatt

Gymnasium Johanneum Homburg präsentierte "Die Physiker" von Dürrenmatt : Handlung mit vielen Wendungen

Schüler des Johanneums hatten sich an den Dürrenmatt-Klassiker „Die Physiker“ herangewagt und meisterten ihren Part mit Bravour.

Dem Schweizer Dramatiker Friedrich Dürrenmatt gelang mit seinem grotesken Drama „Die Physiker“, das er 1961 im Zeichen von Mauerbau und atomarer Bedrohung schrieb, einst ein Welterfolg. Denn der geschickte Handlungsstrang mit vielen unverhofften Wendungen läuft zielsicher auf die Botschaft hinaus, wie gefährlich wissenschaftliche Forschung sein kann, wenn sie in die Hände von machtgierigen Politikern fällt. Und dass jeder sich nach der Verantwortung des eigenen Tuns und Denkens fragen sollte.

Jetzt hat die Theaterwerkstatt des Gymnasiums Johanneum in Homburg das Stück auf die Bühne der schuleigenen Aula gebracht. Es beginnt damit, dass Kommissar Richard Voß (Marian Eichel) in die Irrenanstalt „Les Cerisiers“ gerufen wird – es ist schon zum zweiten Mal eine Krankenschwester erdrosselt worden. Den Täter kann er jedoch erstmal nicht befragen, es ist Ernst Heinrich Ernesti (Leonie Sattler), der sich für Albert Einstein hält und dringend „zur Beruhigung“ Geige spielen muss. Verhaftet kann Ernesti ohnehin nicht werden, er ist ja schließlich verrückt. Seine Hausgenossen sind Herbert Georg Beutler (Xavier Cuypers), der sich für Isaac Newton hält und Johann Wilhelm Möbius (Nils Stöhr), der behauptet, dass König Salomo ihm erscheine und zu ihm spreche. Alle drei nennen sich „Die Physiker“.

Möbius erdrosselt alsbald die dritte Krankenschwester Monika Stettler (Fenja Emmrich), obwohl sich beide ihre Liebe zuvor eingestanden haben. Voß ordnet daraufhin den Einsatz von kräftigen männlichen Pflegern an. Diese wurden von Valentin Andres, Stephen Aksoy und Felix Köhl mit viel Spaß am lächerlich-militärischen Kasernenton gespielt. Im zweiten Akt kommt heraus, dass keiner der drei „Physiker“ verrückt ist. Möbius ist vielmehr genial und hat die „Weltformel“ gefunden. Die beiden anderen sind nichts als Agenten der beiden Blöcke im Kalten Krieg, dem kapitalistischen und dem kommunistischen. Sie wurden auf Möbius angesetzt, um ihm die Weltformel zu entreißen und damit den anderen Block besiegen zu können. Als Metapher auf den echten Kalten Krieg bedrohen sich beide Agenten mit einer Pistole. Möbius kann sie aber dazu überreden, ihr Dasein als Irre einfach weiterzuführen. Er selbst hat es bewusst gewählt, damit er seine Erkenntnisse verbergen kann. Seine Manuskripte hat er verbrannt.

Doch die einzig wirklich Verrückte ist Anstaltsleiterin Fräulein Doktor Mathilde von Zahnd (Antonia Bähr): Sie hat die Manuskripte zuvor kopiert und will sie nun skrupellos vermarkten. So endet das Stück wie von Dürrenmatt gewollt: mit dem schlimmstmöglichen Ende.

Es war schwieriger Stoff, den sich die Abiturienten des Johanneum vorgenommen haben, aber sie meisterten ihn auf unglaublich starke Weise. Schauspielerisch überzeugend und textsicher in den langen Dialogen gaben sie sich keine Blöße, ebenso wie die perfekt funktionierende Ton- und Lichttechnik. Der verantwortliche Lehrer und Regisseur des Stücks, Christian Linn, leistete mit seiner Truppe ganze Arbeit. Dass vielleicht mal die Verständlichkeit des Textes unter der rasenden Geschwindigkeit der Vortragenden litt, war laut Linn beabsichtigt: „Ich wollte damit Dynamik in die Handlung bringen und nicht den Eindruck typischen Schülertheaters erzeugen, bei dem Schauspieler nur brav ihren Text aufsagen“. Nein, dieser Eindruck stellte sich wahrhaftig nie ein.

Der Erfolg des Stücks war auch daran abzulesen, dass alle drei Vorstellungen ausverkauft waren. Wie Möbius-Darsteller Nils Stöhr hinterher meinte, werde über eine weitere Vorstellung nachgedacht aufgrund der großen Nachfrage. Dass die Schüler es trotz des bevorstehenden Abiturs fertigbrachten, so viel Text zu lernen und so oft zu üben, nötigte hohen Respekt ab. Antonia Bähr meinte, es habe halt auch mehr Spaß gemacht, als den Schulstoff zu lernen. Das Stück sorgte übrigens auch für eine Kooperation mit der Paul-Weber-Schule, die den Stoff gerade im Unterricht durchnimmt.